Am Dienstag war es in Pavullo in Italien endlich so weit, es konnte bei der Segelflug-Weltmeisterschaft um Punkte geflogen werden. Ein auf zehn Teilnehmer reduziertes Feld hatte eine Assigned Areas Task zu bewältigen. Eine Stunde und 35 Minuten betrug die zur Verfügung stehende Zeit, es könnten Strecken zwischen 119 und 230 Kilometer Länge erreicht werden.

Schrecksekunde bei Landung

Dass Uli Schwenk überhaupt dabei war, war der famosen Arbeit eines luftfahrttechnischen Betriebes in Ferrara zu verdanken. Am Montag waren die Piloten in Pavullo in den Himmel geschleppt worden, ehe schon bald die Neutralisation des Tages erfolgte. An vernünftiges Fliegen war nicht zu denken. Schrecksekunden dann bei der Landung.

Beim Aufsetzen krachte an Schwenks 21 Jahre alter Mini-Lak, einem damaligen Prototypen, das Fahrwerk ein. Mit dem Rumpf des Fliegers zog der Münsinger eine weiße Spur auf dem dunklen Asphalt. Wären die Techniker und Arbeiter in Ferrara nicht gewesen, wäre es für ihn noch vor dem Beginn das Ende gewesen.

Das hatte zuvor bereits in einem Trainingsflug den haushohen Favoriten und Titelverteidiger Sebastian Kawa ereilt. Dieser hatte sich darauf verlassen, dass er den Motor seines Segelfliegers würde starten können, was schief ging, sodass der Pole eine ruppige Außenlandung baute, bei der sein Flieger großen Schaden nahm, Kawa selbst unter starken Rückenschmerzen litt.

Adrenalinstoß zum Start

Auch der Dienstag stand für Uli Schwenk zunächst unter keinem guten Stern. Als er um 14 Uhr hochgeschleppt wurde, leuchteten plötzlich die Batteriekontrollleuchten rot auf, was ihm einen Adrenalinstoß bescherte. „Ich musste mich echt zusammenreißen“, sagte Schwenk später. Den Abflug erwischte er nicht optimal, der Pole Christoph Matkowski flog 150 Meter höher los. Schwenk flog die Aufgabe praktisch alleine ohne Kontakt zu anderen Piloten. Die einzige Fehlentscheidung war aber das weite Hineinfliegen in den zweiten Korridor.

Mit Platz 2 ist der Münsinger sehr zufrieden und wird seiner Favoritenrolle gerecht

Am Ende war der Münsinger aber mit Platz zwei hochzufrieden. Nur der Österreicher Peter Hartmann lag vor ihm. Dieser flog 97,3 Stundenkilometer schnell und erhielt 504 Punkte. Schwenk brachte es auf 94,3 Stundenkilometer, sammelte 476 Punkte. Dritter war der Italiener Vittorio Pinni mit 93,6 Stundenkilometern und 470 Punkten.

Mit dem zweiten Platz nach dem Auftaktfliegen ist Schwenk seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Schließlich hatte sich der Münsinger im Juli 2017 in Ungarn bei der Weltmeisterschaft in der noch ganz neuen Segelflugzeugklasse ein spannendes Rennen mit dem polnischen „Überflieger“ Sebastian Kawa geliefert, den Kawa am Ende mit dem hauchdünnen Vorsprung von gerade mal drei Punkten für sich entschied.

Nun will Schwenk erneut um den WM-Titel fliegen – sofern das Fahrwerk seiner Mini-Lak mitspielt. An den Technikern in Ferrara jedenfalls sollte es nicht scheitern – mit ihrem Einsatz haben sie ja bereits die ersten WM-Punkte für Schwenk erst möglich gemacht.

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Stundenkilometer schnell flog Uli Schwenk zum Auftakt der Wertungsflüge bei der Segelflug-Weltmeisterschaft. Damit kam der Münsinger auf Platz zwei.