Die Bildung eines lokalen Gesundheitszentrums mit dem Schwerpunkt geburtshilfliche Versorgung in Münsingen wird durch das Land Baden-Württemberg mit 150 000 Euro gefördert. Der Landkreis Reutlingen gehört damit zu einem von nur vier ausgewählten Modellprojekten, wie Staatssekretärin Bärbl Mielich am Freitag mitteilte. „Das ist toll und ich bin wirklich begeistert“, sagte Stefanie Sailer, Ansprechpartnerin und Koordinatorin für die praktische Umsetzung des Münsinger Projekts auf der Seite der Hebammen gestern gegenüber unserer Zeitung.

Gemeinsamer Antrag

Der Antrag beim Land wurde durch den Kreis und die Stadt Münsingen gestellt. Derzeit ist noch unklar, in welchen Räumen die Hebammenpraxis eingerichtet wird. Aber bereits nächste Woche ist ein Gespräch zwischen der Stadt und dem Kreisgesundheitsamt geplant. „Es soll vor allem geprüft werden, ob die Praxis in der Albklinik untergebracht werden kann“, sagte Sailer.

Das Gesundheitszentrum soll die Vor- und Nachsorge im Hebammenbereich für den Mittelbereich Münsingen sicherstellen und weiterentwickeln, heißt es in der Pressemitteilung. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Hebammen, da eine gemeinsame Praxis mehr Flexibilität in der Arbeitsplanung der Hebammen und damit eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bietet. Das Gesundheitszentrum soll zudem als virtueller Gesundheitsverbund durch einen Lotsen repräsentiert werden. Zusätzlich kann das Zentrum über eine gynäkologische Praxis bis hin zu einer Geburtenstation bedarfsgerecht erweitert werden. Die Etablierung einer solchen Station an der Münsinger Albklinik war zuletzt gescheitert, da nicht ausreichend Personal gefunden wurde.

Vernetzung der Akteure

Um die Geburtshilfe in Baden-Württemberg weiter zu verbessern, hat der Runde Tisch Geburtshilfe jetzt die Erprobung lokaler Gesundheitszentren beschlossen, in denen unterschiedliche Professionen und Fachgebiete eng miteinander zusammenarbeiten. Durch die Vernetzung von Ärzten mit anderen Gesundheitsberufen, beispielsweise mit Hebammen oder Kinderpflegern, soll die Betreuung Schwangerer, Gebärender und Wöchnerinnen bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Viele Bewerbungen waren eingegangen. Der entsprechenden Förderaufruf war auf große Resonanz gestoßen.Den Zuschlag mit jeweils 150 000 oder 100 000 Euro erhalten die Landkreise Reutlingen und Sigmaringen, der Ortenaukreis sowie Radolfzell.