Barrierefrei im Wald unterwegs sein, dabei an verschiedenen erlebnispädagogischen Stationen aktiv werden? Wie das gehen kann – die Stadt Münsingen will auf dem Münsinger Hausberg, dem Beutenlay, jetzt einen Waldlehrpfad anlegen, der auch von Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zu bewältigen ist – also von Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten, Blinden, Gehörlosen ebenso wie von Menschen mit geistigem Handicap.

Dass da viel zu beachten ist, versteht sich von selbst. DIN-Normen geben genau vor, wie so ein Pfad gestaltet sein muss. Zum Beispiel dürfen Steigung, beziehungsweise Gefälle, maximal sechs Prozent betragen, die Wege müssen zwei Meter breit und mit Schotter befestigt sein.

Technische Vorgaben werden erfüllt

Damit die technischen Vorgaben erfüllt, der Waldlehrpfad abwechslungsreich und interessant ist, möglichst viele Menschen ihren Spaß dran haben, wurde die Esslinger Firma arbor waldpädagogik ins Boot geholt. Gemeinsam mit Touristinfo, federführend Hannah Rudiger, und Forst, verantwortlich Jürgen Dufner, wurde inzwischen eine Konzeption für den „WildWechsel“ am Beutenlay ausgearbeitet.

Die Kosten für das Projekt liegen bei rund ­250 000 Euro, von Leader gibt es dafür einen Zuschuss von 81 000 Euro.

Start für die Arbeiten soll im November sein, und zwar müssen da zunächst einmal die Wege, inklusive eines Holzstegs, angelegt werden, da sich in diesem Beutenlay-Bereich bisher nur Graswege finden. In den Waldlehrpfad gibt es gewissermaßen einen doppelten Einstieg: Wer nicht beeinträchtigt ist, startet, natürlich auf beschilderter Route, hinter der Beutenlayhalle. Menschen mit Einschränkungen dürfen ein Stück weiter nach oben fahren, wo unterhalb des Hopfenburggeländes ein Parkplatz angelegt wird.

Die Tiere des Waldes an drei Stationen

Thematisch, sagt Hannah Rudiger, „haben wir uns für Tiere des Waldes entschieden, zu dem auf der etwa 1,1 Kilometer langen Rundstrecke drei Stationen aufgebaut werden. Mit dem Luchs soll die Rückkehr eines einstmals heimischen Tieres in Szene gesetzt werden. Man erfährt unter anderem, wie die Wildkatze lebt, jagt, wie sie sich anfühlt. Das zweite Tier ist ein Grenzgänger zwischen Wald und Wiese – der weitverbreitete Mäusebussard. Die Attraktion an dieser Station: ein begeh- und befahrbarer Horst.

Was ist ein Hutewald, wie wurde er genutzt, welche Nutztiere wurden einst in den Wald getrieben? Das illustriert unter anderem eine kleine Herde aus Holztieren.

Außerdem gibt es unter anderem ein Glockenspiel, Quiz-Drehwürfel, Anleitungen für Spiele und jede Menge Infos, selbstverständlich auch in Braille-Schrift und akustisch, und natürlich immer wieder Sitzgelegenheiten. Die letzten 250 Meter wieder zurück zum Ausgangspunkt laufen oder fahren die Besucher entlang einer hölzernen Kugelbahn. Integriert sind dort Spiel- und Klangelemente zum Themenfeld Tiere im Wald. Die verschiedenen Aktionen werden durch eine Kugel ausgelöst, die man sich am Beginn des Weges aus einem Automaten ziehen, dann als Erinnerung mit nach Hause nehmen kann.

Barrierefreier Walderlebnispfad einzigartig in Deutschland

Mit der Einrichtung des barrierefreien Walderlebnispfades – der einzige in dieser Form in Deutschland – wolle man eine Vorreiterrolle in der Region spielen, so Tourismuschef Hans-Peter Engelhart. Schließlich sei man auch Inklusions-Stadt. Natürlich soll die Erlebnistour durch den Wald auch Familien mit Kindern, Senioren, Schulen und Kindergärten sowie Touristen, also eigentlich alle, ansprechen.

 Für den „stadtnahen Standort haben wir uns unter anderem wegen der Nähe zur Schule und zu touristischen Einrichtungen entschlossen“, so Engelhart. Auch ein Kriterium: Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und da wird sich wohl in absehbarer Zeit etwas tun. Naldo plant, an der Hopfenburg eine Haltestelle anzulegen.

Übrigens: Schon jetzt haben die Verantwortlichen eine mögliche Erweiterung des „WildWechsels“ um zwei bis drei Stationen im Süden des Geländes im Auge. Da hat dann allerdings die Barrierefreiheit ihr Ende, dort wird es steil.

Das könnte dich auch interessieren: