Ein paar freie Tage mit seiner Freundin Annette aus Karlsruhe, darauf hat sich der junge Senegalese Papa Diop gefreut. Auch auf den Ausflug an den Baggersee in Weingarten bei Karlsruhe. Während seine Freundin sich kurz umzog, ging Papa schon voraus ins Wasser. Als Annette dann zurückkam, sah sie Papa bereits unweit des Ufers wild zappeln. Sofort sprang sie in den See, um ihm zu helfen.

Gewitter verhindert schnelle Rettung

„Zwei Armlängen entfernt von ihr ging er vor ihren Augen jedoch unter und tauchte nicht mehr auf“, erzählt Andreas Bremer aus Gundelfingen, der sich seit drei Jahren mit Erfolg intensiv um ein paar junge Afrikaner in Münsingen kümmert. Während die Ersthelfer vor Ort verzweifelt nach dem sympathischen Senegalesen suchten, braute sich ein heftiges Gewitter zusammen, das den alarmierten Rettungskräften nicht sofort erlaubte, mit ihren Metallboten ins Wasser zu gehen. Wertvolle Zeit verstrich. Rund 45 Minuten zogen so über den See, bis Rettungskräfte des DLRG den 28-Jährigen zirka zehn Meter vom Ufer entfernt in einer Tiefe von fünf Metern bergen konnten. Eingeleitete Reanimationsversuche blieben ohne Erfolg. Auf diese tragische Weise endete eines der beispielhaften Integrationskapitel. Eine traurige Geschichte, die viele in Münsingen bewegt, weil Papa einer der Flüchtlinge war, die dafür kämpften, in Deutschland vernünftig Fuß zu fassen. Er hat sich vielfältig eingesetzt. Anfangs bei der Wachholderheidepflege im Lautertal. In seiner Freizeit beim Fußballspiel mit den Kickern der TSG Münsingen, des FC Dottingen/Rietheim und des SV Auingen.

Bäckerlehrling und Fußballer

Auch bei dem durch Spenden finanzierten Sprachkurs, der ihm letztlich zur Lehrstelle bei der Bäckerei Hoffmann verhalf, gab er alles, um möglichst bald die deutsche Sprache zu erlernen. Bekanntlich entscheiden sich nur noch wenige junge Menschen dafür, das Bäckerhandwerk zu erlernen. Papa war einer der jungen Menschen, der sich im September 2017 dazu bereit erklärte, das Bäckerhandwerk von der Pike auf zu erlernen. Trotz der eher ungünstigen Arbeitszeiten, entschied er sich im September 2017 für die Lehre, um seine Brötchen mit den Brötchen für die anderen zu verdienen. Vor wenigen Wochen bestand er die Zwischenprüfung und hätte jetzt ins dritte Lehrjahr durchstarten können. Sein Chef Jürgen Hoffmann kann es noch immer nicht fassen, dass sein geschätzter Lehrling nie wieder in seiner Backstube stehen wird. „Papa war einfach gut“, so der Bäckermeister. Seine Lehrerin würdigte ihn als anerkanntes und geschätztes Mitglied auf der von Simone Kurz gestarteten Spendenplattform „Papas letzte Reise“, über die online bereits in den ersten vier Tagen mehr als 4.500 Euro zusammen gekommen sind. Rund 8.000 Euro werden benötigt, um den Leichnam in den Senegal zu überführen.

Spenden für Überführung

Für Andreas Bremer ist dies ein letzter Freundschaftsdienst für einen klasse Menschen, der, entsprechend seiner islamischen Religionszugehörigkeit, sein Begräbnis in seiner Heimat bekommen soll. Verbunden mit vielen Behördenhürden aber auch mit positiven Erfahrungen. So zeigt sich Bremer, wie seine Nachbarin Simone Kurz auch, überwältigt von der Solidarität und der Spendenbereitschaft der Münsinger Bevölkerung. Wer spenden will, kann dies online über das eingerichtete Spendenportal „gofundme“ tun. Oder die Spende direkt in einem Umschlag bei der Bäckerei Hoffmann abgeben. Wer namentlich auf der Spendenplattform erwähnt werden will, schreibt seinen Namen dazu. Namenlose Spenden werden anonym aufgeführt. „Sollte mehr Geld zusammenkommen, als tatsächlich für die Überführung benötigt wird, werden wir den überschüssigen Betrag Papas Mutter zukommen lassen“. Diese wurde von ihm bisher regelmäßig von seinem Gehalt als Auszubildender unterstützt. „Eine detaillierte Aufstellung aller Kosten und die Verwendung der Beträge veröffentlichen wir auf der Onlinespendenplattform“, so Simone Kurz und Andreas Bremer.

Info Onlinespende: www.gofundme.com/f/kg4sht-papas-letzte-reise

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