Inge Starzmann weiß noch heute ganz genau: .„Jeder Münsinger, der früher regelmäßig ins Freibad ging, konnte schwimmen.“ Auch wenn es damals noch keine Schwimmkurse gab. Passiert sei nie etwas. Die Kleinen lernten ganz einfach von den Großen.

Die kleine Inge, die sich heute mit 85 Jahren bei bester Gesundheit übers neu renovierte Freibad freuen darf, lernte bereits mit fünf Jahren schwimmen. Sie zählt zu den Münsingern, welche sich heute noch ganz genau an das Wehrmachtsschwimmbad und das alte Schwimmbad nebenan, welches mit Sprungbrett, Balken und Floß begeisterte, erinnern. Auch an den Tümpel. „Der war für uns Kinder völlig tabu. Meine Mutter hat uns immer davor gewarnt, hier ins Wasser zu gehen, weil da in den 1920er-Jahren, zwei der Waimer-Buben ertrunken sind“, erinnert sich Inge Starzmann. Ebenso wie daran, dass eigentlich niemand von der Normalbevölkerung ins Wehrmachtsschwimmbad, dass sich am heutigen Freibadparkplatz befand, gehen durfte.

Mit Kaulquappen im Bad

Der sportbegeisterten Inge reichte aber auch das von „Fräulein Götz“ gemanagte Freibad, welches zur Hälfte ausbetoniert war, völlig aus. Hauptsache Wasser, auch wenn sich massig Kaulquappen und Schlingpflanzen im Bad befanden. „Wir haben immer gesagt, solange sich die Kaulquappen hier so wohl fühlen, stimmt die Wasserqualität“, erinnert sich Erich Starzmann. Auch daran, dass das Bad im Winter zum kleinen Eislaufeldorado wurde. Eishockeyspieler kamen dabei genauso auf ihre Kosten, wie die regionalen Eiskunstläufer.

Fräulein Götz, war die Frau für alle Fälle, die es verstand, eine Art Bademeisterin, Kassiererin und Wassertemperaturenaufschreiberin in einem zu sein. „Bei 18 Grad haben wir uns übers warme Wasser gefreut“, so Inge Starzmann, die gerne an den heißen Sommer 1947 zurückdenkt, als die Wassertemperatur sogar auf 22 Grad angestiegen war. Dass Fräulein Götz jemals den Rettungsring hätte werfen müssen, daran kann sich Inge Starzmann nicht erinnern.

Richtig spaßig waren das Floß und der Balken, der im Bad schwamm, gewesen – immer dann, wenn sich alle Kinder und Jugendlichen auf eine Seite stellten, solange, bis das Floß in eine ordentliche Schräglage kam und die „jungen Wilden“ unter sich begrub. Wer dann noch am meisten Schlingpflanzen schnappen konnte, war der King. Wie die Jungs, welche einen Lkw-Schlauch besaßen und damit bei den Mädchen schnell zum Objekt der Begierde wurden. „Nicht der Jungs wegen, sondern der Lkw-Schläuche wegen“, betont Inge Starzmann lachend im Gespräch mit unserer Zeitung und erinnert sich dabei spontan an Rolf Illig und Walter Stiegler, die damals zu den glücklichen Lkw-Schlauchbesitzern zählten.

Spannend seien auch immer die Sprengungen im Steinbruch gewesen, denen ein lautes Hupen vorausging. Ruckzuck hätten dann alle Badegäste das Wasser verlassen, um sich im Gebäude vor den herumfliegenden Gesteinsbrocken zu schützen.

Lob für die Neugestaltung

Bei ihrer kleinen Zeitreise kommen der agilen Frohnatur auch Erinnerungen an ihr Vorbild Paula Kiebele, die laut Inge Starzmann einen der besten Kopfsprünge vom Drei-Meterbrett machen konnte. Heute ist Inge Starzmann mehr als dankbar dafür, dass die Stadt Münsingen den Mut hatte, in das Bad zu investieren. Mit dem Ergebnis ist sie mehr als zufrieden.

Für sie ist ein Freibad nicht nur da für Kinder und Jugendliche, sondern auch für die ältere Generation, welcher sie das Schwimmen ans Herz legen will. Inge Starzmann geht sogar noch weiter und meint. „Schwimmen müsste es auf Rezept geben, dann würden es vermutlich mehr in Anspruch nehmen“.

Eng verbunden mit dem Münsinger Freibad ist das Zementwerk, welches sich einst gegenüber des heutigen Wohnhauses von Inge Starzmann in der Lichtensteinstraße befand. 1965 wurde das Werk stillgelegt und 1968 war dann mit einem letzten lauten Knall nach 69 Jahren Schluss: Der letzte der drei Türme wurde gesprengt.

Was viele nicht wissen: Ein ganz kleiner Teil des Zementwerkes besteht heute noch im Privatgarten von Inge Starzmann. Auf dem Grundstück befand sich einst ein riesiges Wasserbassin, das Wasser für die Kühlung der Maschinen im Zementwerk bereithielt. Davon übrig geblieben ist heute noch ein kleiner Teil der Technik, die sich im Gartenhäusle versteckt.

Reste vom Zementwerk

Das Wasser fürs Zementwerk wurde vom Freibad ins Bassin in der Lerchenfeldstraße gepumpt und von dort rüber ins Zementwerk. Genaue Jahreszahlen zum Militärbad und zum alten Freibad liegen aktuell auch auf dem Rathaus nicht vor. Recherchen dazu laufen jedoch.

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