Münsingen Miteinander sprechen

Pfarrer Dr. Salomo Strauß referierte beim Ökumenischen Gesprächskreis über die Evangelische Allianz und Rom.
Pfarrer Dr. Salomo Strauß referierte beim Ökumenischen Gesprächskreis über die Evangelische Allianz und Rom. © Foto: BLOCHING MARIA
Münsingen / Maria Bloching 10.10.2018

Seit 1981 lädt der Ökumenische Gesprächskreis Münsingen stets im Herbst zu einer Veranstaltung ein, mit der der ökumenische Gedanke in die Breite getragen werden soll. Am Dienstagabend kamen leider nur 15 Besucher in die evangelisch-methodistische Kirche, um dem interessanten Vortrag von Pfarrer Dr. Salomo Strauß zu lauschen. Er war Delegierter der Weltweiten Evangelischen Allianz und ist damit laut Albert Gnädinger „ein Glücksfall für die Münsinger Ökumene“, die so aus erster Hand von den Gesprächen der Evangelikalen mit dem päpstlichen Rat erfuhr.

Glückliche Umstände

Glücklichen Umständen war es laut Strauß zu verdanken, dass sich für ihn durch diese Zugehörigkeit neue Horizonte auftaten. Vier Treffen durfte er innerhalb der Konsultationsgruppe mit ökumenischen Vertretern besuchen, diese fanden in Chicago, Guatemala, Deutschland und Kanada statt. Herausgekommen ist ein Abschlussbericht, der zwar kein offizielles Lehrdokument ist, aber als Studienpapier zur gründlichen Lektüre und Diskussion dienen kann. „Es soll zu Gesprächen untereinander anregen“, machte Strauß deutlich.

Denn miteinander zu sprechen sei notwendig, weil jede Kirche anders sei und anders glaube. „Nur so können wir einander verstehen und das, was andere glauben und tun, für uns als Bereicherung ansehen“. Allerdings werde über manches auch nicht gesprochen und das sei „wirklich schade“. Die Weltweite Evangelische Allianz wurde 1846 gegründet und stellt ein Netzwerk von Kirchen dar. Sie umfasst rund 600 Millionen Christen und ist in Deutschland eine Strömung innerhalb verschiedener Kirchen. Die Evangelische Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, ein missionarisches Zeugnis zu geben und eine Verbindung im gemeinsamen Glauben an Jesus einzugehen.

„Man will hier keine Kompromisse schließen oder verhandeln, sondern vielmehr respektvoll miteinander sprechen und ehrlich sein mit dem, was man nicht versteht“. Der Delegierte Joel Elowsky drückte das Ziel des Dialogs so aus: „Das Ziel der Konsultation war nicht, ein Dokument zu produzieren, das Übereinstimmung ausdrückt, sondern wirklichen Dialog und Gespräche zu fördern in einer Umgebung, die von Vertrauen, nicht von Verdächtigungen gekennzeichnet ist“. Jeder Evangelikale, zu denen auch Katholiken zählen, bekommt die Gelegenheit, sein eigenes Verständnis zu präsentieren, gegenseitige Ermutigung auszusprechen und das zu benennen, was ihm Sorgen bereitet. Ein Thema sei zum Beispiel „Kirche und Heil“ gewesen. Dabei konnte eine gemeinsame Grundlage definiert werden, wonach Christi Tod als das eine, vollkommene und hinreichende Opfer für die Sünden der Welt gilt, das Heil eine Bekehrung, Umkehr zu Gott und Wiedergeburt durch Empfang von Gottes Gnade voraussetzt, die Gemeinde/Kirche als Leib Christi von Anfang an Teil des Heilsplans Gottes ist und die Kirche sowie ihre Amtsträger im Dienst der Rettung stehen.

Laut Strauß hätte es Worte der gegenseitigen Ermutigung und positiven Wertschätzung für die Umsetzung, aber auch brüderliche Anmerkung und Fragen gegeben. Letztendlich gehe es aber immer darum, was man gemeinsam in der Ökumene vor Ort tun könne. Man müsse sich fragen, wie es aufgrund der entdeckten Gemeinschaft möglich ist, zum Aufbau des Gemeinwohls und zur Stärkung der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten und neu darüber nachdenken, was das Evangelium für jeden Einzelnen bedeutet und wie es der bedürftigen Welt die frohe Botschaft vermittelt.

Gemeinsames Gebet

„Wie können wir angesichts der sozialen und moralischen Umwälzungen verantwortungsvoll unsere gemeinsamen Werte bezeugen? Gibt es Zeiten und Orte für gemeinsames Gebet? Und, wenn ja, was sollte unser gemeinsames Gebet prägen?“.

Von solchen Gesprächen, denen auch der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen angehört, könnten auch die Gemeinden und Ökumenischen Kreise Ermutigung finden, um mit Überzeugung, Demut und offenem Herzen in Diskussionen einzutreten, Fragen zu stellen und den Versuch zu unternehmen, die andere Glaubensgemeinschaft zu verstehen. „Ermutigen und ermahnen wir uns gegenseitig, uns im Glauben zu engagieren und Jesus Christus treu zu bleiben“, forderte Strauß auf.

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