Kunsthandwerk Mit fünf Euro auf der Walz

Jana ist als freireisende Keramikerin unterwegs und hat Station in der Holzbrand-Werkstatt bei Susanne Lukàcs-Ringel gemacht, die gerade ihre Weihnachtsausstellung ausrichtet.
Jana ist als freireisende Keramikerin unterwegs und hat Station in der Holzbrand-Werkstatt bei Susanne Lukàcs-Ringel gemacht, die gerade ihre Weihnachtsausstellung ausrichtet. © Foto: Waltraud Wolf
Zwiefalten / Waltraud Wolf 04.12.2017

Ihren Nachnamen verrät sie nicht. Als „Jana, freireisende Keramikerin“ stellt sie sich vor. Das muss genügen. Ansonsten ist die 23-Jährige auskunftsfreudig. Seit vier Monaten ist sie auf Wanderschaft und für wenige Tage bei Susanne Lukàcs-Ringel in deren Holzbrand-Werkstatt in Mörsingen zu Gast. In der Keramikstadt Höhr-Grenzhausen im Westerwald sind sie sich vor etwa einem Jahr begegnet und der Holzbrand weckte das Interesse der jungen Gesellin.

Auf dem Weg von Stuttgart nach Konstanz erinnerte sich die Keramikerin auf der Walz an die Kollegin. In Zwiefalten „gestrandet“, traf sie auf Frauen, die den Kontakt herstellten und sie in die Werkstatt bei der Kirche in Mörsingen brachten. Denn, so bestimmen es die Vorschriften während der Walz: Für Fortbewegung und Unterkunft darf kein Geld ausgegeben werden. Drei Jahre und einen Tag muss diese Wanderschaft dauern. Wie dies gelingt, darauf hat sie ein „Alt-Geselle“ vorbereitet, den sie auf einem der Treffen der Wandergesellen kennen gelernt und für sich auserkoren hat. Eine Zeitlang sind sie den Weg gemeinsam gegangen. Er lehrte sie, wie man erfolgreich trampt und wo es unentgeltliches Nachtquartier gibt. „In Pfarrhäusern zum Beispiel“, weiß sie jetzt.

Handy ist untersagt

Internetfähige Geräte mitzuführen, ist verboten, anderer Leute Internet für Mails und Kontakte zu nutzen, freilich nicht. Selbst ein Handy ist untersagt, was sie durchaus schätzt. „Sonst würde meine Mutter immer anrufen“ und auch Freunde würden sich ständig nach ihr erkundigen. Dafür ist das Wanderbuch unentbehrlich. Die ersten Einträge sind von der Familie und Freunden, die ihr alles Gute wünschen, dann folgen Stempel der Städte und Gemeinden, die sie passiert hat. Betriebe, bei denen sie gearbeitet hat, vermerken ihre Arbeitszeugnisse darin. Nicht nur Töpfereien sind es. Sie will auch andere Handwerkszweige kennen lernen. So schnitzte sie zuletzt Holzbalken auf einer Baustelle.

Vier Monate Wanderschaft liegen bereits hinter der jungen Frau, die ihre Lehre in der Töpferei Dietz in Königswinter bei Bonn absolviert hat. Danach hat sie in Berlin gearbeitet, bevor sie sich entschloss, sich auf den Weg zu machen. Das erste Jahr muss sie im deutschsprachigen Raum verbringen, wobei es eine Bannmeile von 50 Kilometern um ihren Heimatort Meppen gibt. Danach zieht es Jana in nordische Länder, Schweden, Norwegen und Dänemark will sie erkunden, sich aber auch noch nach Holland begeben, zumal sie Holländisch gelernt hat und die Sprache auffrischen möchte.

Mit fünf Euro in der Tasche ist sie gestartet, mit fünf Euro darf sie wieder heimkommen. Dennoch arbeitet sie nicht umsonst, sondern zum „ortsüblichen Tarif“, das ist so vorgegeben, um nicht anderen die Arbeit wegzunehmen.

Das Geld, das sie verdient, braucht sie, um sich Essen kaufen zu können, aber auch für die Stiefel, denn die werden strapaziert, und die Wanderkluft. Sie steckt in einer beigen. Auch das ist Vorschrift und zwar für das „Mineralgewerbe“, wie Steinbildhauer, Maurer oder eben Keramiker. Jackett, Hose und Weste sind aus Cordsamt, das Hemd hat Biesen. Auf dem Kopf trägt sie einen schwarzen Zylinder, die Frau, die auch ansonsten alle Vorgaben erfüllt: Unter 30, unverheiratet, kinderlos, schuldenfrei und nicht vorbestraft. Der Grund: „Wenn man los geht, darf man keine Verpflichtungen haben“.

Sorgen zu machen, wo Jana Weihnachten verbringen wird, braucht sich niemand. „Ich habe verschiedene Möglichkeiten“, lässt sie wissen. Jetzt geht es erst einmal nach Konstanz, wo sie auf dem dortigen Weihnachtsmarkt andere Gesellen besuchen will. Einen Holzbrand in Mörsingen würde sie gerne noch erleben und hat dafür im nächsten Jahr einen zweiten Besuch bei Susanne Lukàcs-Ringel bereits ins Auge gefasst.