Das Blei im Blut ist ihnen allen gemeinsam: Patrick Zwerger und seine Schwester Tanja, Rouven Sporer, Marcel Karcher - sie allesamt aus dem Bodenseeraum stammend - sowie der Hundersinger Manuel Wörner und der Buttenhausener Lars Rupp. Das Sextett hat in diesem Jahr nur ein Ziel, den Orient. In den Iran soll es gehen, als Teilnehmer der Allgäu-Orient-Rallye, die am 30. April in Oberstaufen gestartet wird. "Schwabenstahl Volvo-Power" nennen sie sich als Team - und tatsächlich sind es drei alte Volvo Kombis, für die die jungen Leute zusammen nicht einmal 1000 Euro investiert haben, die die rund 7000 Kilometer zum Ziel meistern sollen, um dann für einen guten Zweck versteigert zu werden.

Patrick, 32, und Tanja, 28, Zwerger sind Geschwister. Er hat Germanistik studiert und arbeitet als Redakteur beim Tuning-Magazin in Krauchwies. Sie arbeitet gerade an ihrer Masterarbeit in Elektromobilität. Rouven Sporer, 28, Installateur und Fotograf, sowie der MAN-Projektingenieur Marcel Karcher sind alte Freunde. Im Studium hat Tanja Lars Rupp kennengelernt und in den Freundeskreis eingeführt. Der 35-Jährige stammt aus Buttenhausen und brachte die Automarke Volvo ins Spiel. In der früheren Werkstatt seines Vaters, der lange Jahre Volvo-Händler war, waren die ganzen Werkzeuge vorhanden, mit denen an den Schweden geschraubt werden konnte und noch kann. Sechster Mann im Boot ist seit Januar der Industriemechaniker Manuel Wörner aus Hundersingen, der wiederum mit Lars Rupp befreundet ist und eine, ursprünglich zur Teilnahme bereite Studentin, "ersetzt", die genau in der Reisezeit wichtige Klausuren schreiben muss.

Die Idee zur Teilnahme an der Allgäu-Orient-Rallye sei vor zwei Jahren geboren worden, erklärt Patrick Zwerger. Damals hatte er im Island-Urlaub einen Einheimischen kennengelernt, der ihm von der Rallye vorschwärmte, an der er 2012 teilgenommen hatte: "Das musst Du auch mal machen", hatte er Zwerger begeistern können. Für 2015 war da der Zug schon abgefahren, dafür klappte es jetzt mit dem Ergattern eines der begehrten Startplätze. Für die konnte man sich nur im Internet anmelden, und um 3.33 Uhr nachts hellwach sein, als nur die 111 schnellsten Anmelder auch tatsächlich einen Startplatz für ihre aus je drei Fahrzeugen bestehenden Teams erhielten. Tanja Zwerenz war es, die sich die halbe Nacht um die Ohren schlug - und wahre Glücksgefühle erlebte, als es als Team 34 auch klappte.

Nun konnte die Suche nach geeigneten Autos starten. Über Ebay wurden sie überraschend schnell gefunden, und das bei einem Maximal-Preis-Filter von 350 Euro. In Lindau wurde ein weißer 850 abgeholt, dessen letzter Besitzer ganz begeistert war, als er erfuhr, dass sein Auto an einer Rallye teilnehmen würde. Gefunden wurden ein weiterer 850 und ein V 70. Sie weisen Kilometerstände von 191 000, 248 000 und 286 000 auf. Um sie künftig auseinanderhalten zu können, wurden den Karossen Namen gegeben. Der weiße Volvo heißt wie sein Vorbesitzer "Sascha", der Silberne "Ingeborg" und der lilafarbene "Lila".

Schon jetzt steckt viel Arbeit in den mehr als 20 Jahren alten Autos - das Fahrzeugalter ist Teil der Rallye-Bedingungen sowie der Wert, der 1111 Euro nicht überschreiten sollte. Lars und Tanja sind die "Schrauber", haben es geschafft, dass "Ingeborg" und "Sascha" durch den TÜV gekommen sind. Problemkind ist "Lila", bei dem ein kaputter Kurbelwellensimmering ausgetauscht werden musste.

160 Punkte umfasst die Checkliste, die das Sextett erarbeitet hat und die es vor der Reise abzuarbeiten gilt. Federführend ist hier Marcel Karcher: "Wir wollen möglichst viel mitnehmen, um auch unterwegs etwas zum Verschenken zu haben". Einig sind sich die Rallye-Fahrer, dass es ihnen darum geht, etwas zu erleben, Menschen kennenzulernen. Sie werden durch eine Krisenregion fahren. "Sorgen machen wir uns keine", sagt Patrick Zwerger. "Die Organisatoren machen das seit zehn Jahren und wissen die Gefahren gut einzuschätzen", ist er überzeugt. Gespannt sind sie darauf, wo es am Ende tatsächlich hingehen wird. Iran ist aktuell geplant. Es könnte aber wie im Vorjahr auch Aserbeidschan werden. Als Zwischenziel, das mit freier Streckenwahl zu erreichen ist, steht Istanbul. "Wir werden wahrscheinlich die Balkanroute nehmen", sagt Rouven Sporer.

Ehe es tatsächlich am 30. April in Oberstaufen losgeht, begeben sich die sechs angehenden Abenteurer noch auf Sponsorensuche. Geld- oder Sachspenden sind willkommen, betonten sie.

Info E-Mail: schwabenstahl@web.de; Internet: www.allgaeu-orient.de, Facebook: Team Schwabenstahl VolvoPower