Münsingen Mit „Rauschbrille“: Klar im Kopf, aber betrunken im Blick

Welche Auswirkungen das Rauchen hat, zeigte sich an dieser Station.
Welche Auswirkungen das Rauchen hat, zeigte sich an dieser Station. © Foto: Maria Bloching
Münsingen / Maria Bloching 07.07.2018

Das Konzept „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bot auf Initiative der Kommunalen Suchtbeauftragten Andrea Roller vom Landratsamt Reutlingen in der Alenberghalle sieben interaktive Stationen mit Moderation, so dass die fast 300 Schüler der siebten Jahrgangsstufen von Schillerschule, Gustav-Mesmer-Realschule und Gymnasium selbst aktiv werden konnten. Sie setzten sich in Rollenspielen und Diskussionen mit den Themen Alkohol und Tabak auseinander und wurden über Wirkungen und Suchtpotenziale von Nikotin und Alkohol aufgeklärt.

„Nicht mit erhobenem Zeigefinger“, wie Max Knospe betonte, sondern als Sensibilisierung. Denn Prävention ist umso  wirksamer, je früher sie beginnt. Aktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung belegen, dass sich fast 15 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinken. Der Anteil der rauchenden Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gesunken und befindet sich mit 7,4 Prozent auf einem historischen Tiefstand, dennoch gibt es auch hier Präventionsbedarf.

In Münsingen wird an allen weiterführenden Schulen seit Jahren verstärkt Prävention betrieben. Sie spielt am Gymnasium laut Matthias Fuchs, stellvertretender Schulleiter, eine große Rolle. „Wir geben Schülern verschiedene Anreize und die Möglichkeit, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Sie sollen mit einem starken Selbstbewusstsein auftreten und „Nein“ zu Alkohol und Tabak sagen können“.

Andreas Bosch, Rektor an der Gustav-Mesmer-Realschule, sieht im Bildungsauftrag gleichzeitig einen Auftrag zur Erziehung. Gemeinsam mit Unterstützungspartnern werden an der Realschule das ganze Schuljahr über Themen behandelt, die speziell auf die jeweiligen Schüler zugeschnitten sind und sowohl Handy-, wie auch Internet- und Rauschmittelgebrauch beinhalten. Bosch lobte diesen Mitmach-Parcours und erhoffte sich „Synergieeffekte“.

An der Schillerschule ist Prävention im Leitsatz verankert, wie Nicole Breitling betonte. Die Schüler erhielten durch vielfältige Angebote die Möglichkeit, ihre Stärken zu entdecken und Verantwortung für andere, aber insbesondere für sich selbst zu übernehmen.

 Bürgermeister Mike Münzing begrüßte alle Aktionen hinsichtlich Prävention, er machte aber auch deutlich, dass diese vor allem dann fruchten, wenn Kinder und Jugendliche gute Vorbilder, Alternativen und genügend Selbstbewusstsein haben, um zu Alkohol und Tabak „Nein“ zu sagen. Für einen Verein sei es immer einfacher, ein paar Kisten Bier hinzustellen, anstatt beispielsweise eine Saftbar aufzubauen. Aber der Gewinn für die Gesellschaft sei in diesem Fall deutlich höher.

In Gruppen aufgeteilt durchliefen die Schüler alle sieben Stationen, wobei der sogenannte „Drunk-Buster“, eine „Rauschbrille“, die einen Promillewert von etwa 1,5 simuliert, das Highlight war. Die Jugendlichen versuchten damit eine gestrichelte Linie entlangzugehen und mussten die nachhaltige Erfahrung machen wie es ist, zwar klar im Kopf, dafür aber betrunken im Blick zu sein. Insgesamt ging es bei diesem Mitmach-Parcours nicht darum, Alkoholkonsum per se zu verteufeln. Vielmehr sollte den Jugendlichen ein kritischer und bewusster Umgang mit Alkohol vermittelt werden mit dem Ziel, riskanten Alkoholkonsum zu vermeiden.

Beim Tabak war die zentrale und vor allem unvernebelte Aussage: „Nichtrauchen ist gesund und clever“. Und das nicht nur hinsichtlich Zigaretten, sondern auch in Bezug auf Schischas. Denn diese sind laut Max Knospe „noch gefährlicher als Zigarettenrauchen“. Man rauche intensiver und von der Menge her mehr, das Risikobewusstsein fehle hier völlig. „Wir wollen ein Grundverständnis schaffen und über die vielen enthaltenen Schadstoffe aufklären“, so Knospe.

In einer Talkshow wurden Geschichten entwickelt, in denen es um Probleme ging, die im Umgang mit Alkohol und Tabak entstehen können, außerdem wurde genau analysiert, was von Werbeversprechen tatsächlich zu halten ist. Am „Tor der Entscheidung“ beantworteten die Schüler bereits zum Einstieg eine Frage zu Alkohol und Rauchen und nach Abschluss des Parcours dieselbe Frage noch einmal.

So konnten die Einschätzungen vor und nach Absolvieren des Parcours direkt miteinander verglichen werden. Die verständliche, altersgerechte Vermittlung von Wissen zu allen relevanten Aspekten rund um Alkohol- und Tabakkonsum regte anschließend zur Reflexion des eigenen Verhaltens an.

Das Ziel dieses Mitmach-Parcours war es, einen eigenständigen und verantwortungsvollen Umgang mit legalen Suchtmitteln zu fördern, Nichtkonsumenten in ihrer Haltung zu bestärken und für Schutzmechanismen zu sensibilisieren, Genuss- und Konsumverhalten bewusst machen sowie über soziale Folgen, Wirkungen und Suchtpotenziale aufzuklären.

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