Gelungene Premiere: In Zusammenarbeit mit dem Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl konnten mehr als 20 Leserinnen und Leser am Donnerstag Golfsport kennen lernen. Es war die erste Mehrwerttour unserer Zeitung, die gemeinsam mit dem neuen Kooperationspartner Mythos Schwäbische Alb, deren Geschäftsführer Wolfgang Schütz als Mitveranstalter ebenfalls seine Fertigkeiten am Golfschläger testete, veranstaltet wurde. Unter realen Bedingungen versteht sich und das galt zuerst einmal für den sich trüb präsentierenden Himmel. Die Alb zeigte sich herbstlich mit Temperaturen um die acht Grad und leichtem Nieselregen. „Gestern war es kälter“, rückte Clubmanager Norbert Zimmermanns in seiner Begrüßung die Verhältnisse ins rechte Licht. Der gespannten Stimmung unter den Schnupper-Golfern konnte das Wetter ohnehin nichts anhaben. Und für die natürlich geforderte Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in Zeiten der Corona-Pandemie bot die Outdoor-Veranstaltung die besten Rahmenbedingungen. Im Golfclub kümmern sich zwei professionelle Lehrer um die Ausbildung – und so waren der gebürtige Engländer Chris Carter und Thilo Greiner auch am Donnerstag im Einsatz, um den Golf-Neulingen mit viel Geduld und Fachkenntnis den Umgang mit dem Schläger in der Theorie und vor allem der Praxis näher zu bringen. Thilo spendete gleich vorneweg all jenen Trost, die nicht sofort ein Erfolgserlebnis verbuchen konnten. „Golf ist die mit Blick auf die erforderliche Koordination die drittschwierigste Sportart der Welt.“
Die Teilnehmer an der jüngsten Mehrwerttour werden jetzt in zwei Gruppen geteilt. Eine Hälfte marschiert mit Thilo zum Putting Green, die andere Gruppe wird von Chris in der Handhabung der Schläger auf der Driving Range eingewiesen. Dort können bis zu 25 Golfer gleichzeitig von einer Startlinie ihre Bälle in ein weitläufiges Feld hineinschlagen. Mehrere Zielfelder dienen als Orientierung, weit hinten kennzeichnet eine Tafel die Entfernung von 200 Metern. Das Areal ist übersät mit weißen Kugeln, die alle bis zum nächsten Tag liegen bleiben. Der Platzwart fährt dann mit einem Jeep über die Driving Range, ein rollierender Einsatz vorne am Fahrzeug schluckt nebenbei die Bälle.
„Es ist schwerer, als ich es vorher gedacht habe“ – das Fazit von Anja aus Römerstein mag am Ende der dreistündigen Golfrunde noch manch einer anderer gezogen haben. Also: „Die linke Hand greift den Schläger oben, dann wird die rechte Hand so um den Griff des Schlägers gelegt, dass der Ballen den linken Daumen festhält“. Das linke Auge wiederum fixiert den Ball. Dann gilt es, die richtige Mischung aus Kraft und Richtung zu finden, um den Ball mit dem Putter, der auf dem Green für das finale Einlochen gewählt wird, die kleine „Kugel“ einzulochen.
700 Mitglieder sind im Golfclub und können die 18-Loch-Anlage nutzen, erzählt Zimmermanns, ihnen stehen 24 Autos für die Fahrstrecke zur Verfügung. „Das nutzen vor allem ältere Golfer, drei Viertel der Spieler machen sich zu Fuß auf die knapp sechs Kilometer lange Strecke.“ Im Schlepptau der klassische Trolley, beladen mit dem „Bag“, in der bis zu 14 Schläger enthält, deren unterschiedliche Schaftlänge und Neigungswinkel des Schlägerkopfs den Abschlag beeinflussen.
Unsere Abonnenten bleiben bei dem ihnen zugeteilten Putter, beziehungsweise Schläger und sammeln eifrig kleine und größere Erfolge. Vor allem als Thilo zum Putt-Turnier aufruft. Die Gruppe teilt sich in zwei Teams, nacheinander versucht jeder mit möglichst wenig Schlägen den Ball im vorgegebenen Loch zu versenken – alle Schläge werden addiert und der Sieger steht fest. Das Reglement ist einfach, nur die Bälle führen bisweilen ein Eigenleben. Oder es kommt „ein loser, hinderlicher Naturstoff“ – Golferjargon für Blätter und ähnliche Dinge – in die Quere. Mancher Ball wird so flott beschleunigt, dass er den Kunstrasen im Putting-Green verlässt und Kontakt zur richtigen Wiese sucht. Gleichwohl, unsere Leser sind immer auch für Überraschungen gut – so als in einer der Turnierdurchgänge gleich drei Schnupper-Golfer hintereinander ihre Kugel mit einem Schlag ins Loch manövrieren. Das freilich bleibt letztlich doch eher eine Ausnahme. „Der Ball läuft meistens zu weit“, so die Erfahrung von Christine Bernhardt aus Zwiefalten. Die Tatsache, dass der Boden im Putting Green zwischen Abschlag und Loch stellenweise leicht ansteigt oder abfällt erleichtert das Prozedere nicht unbedingt. „Bergab ist es schwieriger“, hat Peter Strobel aus Rangendingen festgestellt. „Es kann hilfreich sein, denn Ball in einem Bogen zu spielen“, verrät Thilo. Als jüngster Golf-Schnupperer ist Aaron Stiefel aus Kohlberg mit von der Partie. „Ich habe es mir schwerer vorgestellt“, berichtet er nach den ersten Durchgängen im Putt-Turnier. Einig ist er sich mit seiner Mutter Dorothea darin, dass es „auf alle Fälle Spaß macht“. Sie hat in der Zeitung von unserem Angebot gelesen und sich sofort gedacht, das wäre eine gute Gelegenheit, Golf kennen zu lernen. „Die Möglichkeit gibt es sonst ja nicht.“
Wer mehr möchte, als „Schnuppern“ meldet sich beim Golfclub und absolviert einen so genannten „Platz-Erlaubnis-Kurs“ mit einem der Golflehrer. Eine beachtliche Flugweite mit entsprechender Höhe erreichten in der Driving Range eine ganze Reihe von Bällen nach dem Kontakt mit dem Schläger von Oliver aus Neuhausen, der mit seiner Frau Simone am Schnupper-Golf teilgenommen hat. Das Geheimnis: „Man muss auf die Haltung der Hand achten und sich darauf einlassen, den Schlag locker auszuführen. Wer es mit Gewalt versucht oder verkrampft, scheitert.“
Der Platz hält übrigens keinen Winterschlaf, mindestens 9-Loch bleiben bespielbar, sofern kein Schnee liegt. Legt sich aber eine weiße Schicht über das Land, dann verläuft eine Loipe auf einem Teil des Areals und Langläufer treten an die Stelle der Golfer.