Ist es möglich, mit dem Auto in den Sommerurlaub zu reisen und, zumindest individuell betrachtet, trotzdem fast klimaneutral unterwegs zu sein? Kai Tress aus Oberstetten kann diese Frage mit einem „Ja“ beantworten. Der 42-Jährige hat im Sommer als einer von rund 60 Teilnehmern am internationalen Tramprennen teilgenommen. Von den insgesamt knapp 3400 Kilometern, die er unterwegs war, haben er und seine Teamkollegin Yvonne Tietze 2874 Kilometer als Tramper zurückgelegt und sind damit in Autos gefahren, die ohnehin unterwegs waren. Von den beiden Startpunkten in Bad Grönenbach und Görlitz aus hatten sich auf drei Routen jeweils neun Teams auf den Weg über Tschechien und Ungarn nach Bontida bei Cluj-Napoca in Rumänien gemacht (wir haben berichtet).

Die Erfahrung stand im Vordergrund

Und wie gut kommt man auf diese Weise voran? „Die Grunderfahrung war sehr gut“, berichtet Tress nach seiner Rückkehr im Gespräch mit unserer Zeitung, „ich wäre gerne noch länger unterwegs gewesen“. Allerdings standen für ihn und Tietze die Reise selbst im Vordergrund und nicht das Ziel, einen möglichst guten Platz zu erreichen. Letztlich landeten die beiden als Team „Daumen im Wind“ auf Rang 24 von den 27 Teams, die teilgenommen haben. So haben sie sich beispielsweise mehr als einmal für eine Stadtbesichtigung entschieden anstatt sofort nach einem neuen „Lift“ zu suchen oder morgens lieber länger geschlafen und sich nicht schon ab 9 Uhr an die Straße gestellt. Getrampt wurde nur an jedem zweiten Tag, so dass immer ein freier Tag dazwischen lag.

Für Tress verlief schon der Auftakt nicht nach Maß, denn am Abreisetag ging morgens seine Brille kaputt und er versuchte bei mehreren Optikern das Glas ersetzen zu lassen. So konnte er an jenem Samstag erst um 23 Uhr mit einer Mitfahrgelegenheit von Plochingen nach Görlitz reisen und verpasste den Einführungsabend. Das erste Etappenziel in Horny-Voltavice in Tschechien erreichten sie einen Tag später als geplant und kamen am nächsten Morgen schlecht weg. Obendrein brachen sie vor dem Ziel ab, um sich die Altstadt von Krumlov anzusehen. „Es war uns einfach wichtiger, unterwegs Zeit für Besichtigungen zu haben“, betont Tress. Teilweise habe ihn die „Rennsituation“ sogar genervt. „Da wäre ich lieber irgendwo geblieben, ohne weiter fahren zu müssen“. Letztlich haben sich die beiden jedoch an die Vorgaben gehalten, wurden allerdings einmal disqualifiziert, weil sie sich nach einer Stadtbesichtigung getrennt hatten. „Das verstößt gegen das Reglement“. Auf der anderen Seite gab es auch „Erfolge“, so erreichten sie einmal den dritten Platz bei der vierten Etappe und wurden auf Etappe 6 sogar Erster. „Ich habe für mich festgestellt, dass es natürlich besser funktioniert, wenn ich mich anstrenge“, zieht Tress als Fazit.

Auch eine Portion Glück braucht man beim Trampen

Denn das Trampen folgt eigenen Regeln. „Man muss genau angeben, wo man hin möchte und die Route mitverfolgen, um keine Abfahrt zu verpassen“. Um zielstrebig vorwärts zu kommen haben manche Teams Landkarten aufs Smartphone geladen und permanent die Route mitverfolgt oder bei „Hitch-Wiki“ die besten „Spots“ an der Straße ausgekundschaftet. „Wir haben uns an Tankstellen erkundigt und nach dem Einstiegen lieber mit dem Fahrer gesprochen oder aus dem Fenster geschaut“, lacht Tress. Und ein bisschen Glück gehört manchmal auch dazu: „Am letzten Renntag sind wir schon vor 12 Uhr aufgebrochen und hatten einen Direktlift“. Folge: Der Tagessieg.

„Der schönste Moment ist immer dann, wenn jemand hält und dich mitfahren lässt“, bekennt Tress. Sie hätten viele Menschen kennengelernt und sich trotz Sprachbarrieren mit ihnen unterhalten können. In Pribram in Tschechien seien sie von einer Frau mitgenommen worden, die dann noch ihre Eltern mitsamt Rollstuhl abgeholt habe. „Wir saßen zu viert auf der Rückbank und ihr Vater war Deutschlandfan, der dauernd Städte aufgezählt hat“. Auf der Negativseite verbucht er lediglich das Warten auf einen „Lift“ –  so beispielsweise fünf Stunden am zweiten Tag.

Info In Verbindung mit dem Tramprennen konnten die Teams Sponsoren gewinnen. Die Spendengelder gehen über die Plattform betterplace.org an die Seenotretter von Seawatch. Auch nach dem Ende des Rennens kann noch gespendet werden. Alle Infos im Internet unter : „www.tramprennen.org“.

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