Konzert Mal zauberhaft, mal fröhlich schnell

Cara spielten am Freitagabend auf dem Münsinger Rathausplatz vor 130 begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern.
Cara spielten am Freitagabend auf dem Münsinger Rathausplatz vor 130 begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern. © Foto: Bloching Maria
Von Maria Bloching 02.07.2017

Mit „Cara“ als eine der besten Bands der Celtic Folk Szene ist der Stadt Münsingen ein wundervoller Programmhöhepunkt ihres Open-Air-Kultursommers gelungen. Leider kamen lediglich 130 Besucher in den Genuss dieser ergreifenden Show, die das Publikum mit mal fetziger, mal wehmütiger irischer Musik in den Bann zog. Mystisch und zauberhaft, dann wieder fröhlich und atemberaubend schnell: Im einen Moment lag dank verträumter Balladen noch etwas Magisches in der Luft, im anderen verbreiteten übermütige Lieder eine Leichtigkeit, die direkt von den Musikern auf die Zuhörer überging.

Feen und ferne Geliebte

Eindringlich untermalten die instrumentalen Klänge von Dudelsack, Gitarre, Geige, Klavier, Pipes und Akkordeon die glockenklaren Stimmen von Gudrun Walther und Kim Edgar, die von Feen, gefährlichen Affären, fernen Geliebten, Heimat, Lust und Lebensfreude sangen. Sie gaben innerste Gefühle preis, schilderten im musikalischen Kolorit hautnah die landschaftlichen Schönheiten Irlands und Schottlands ganz ohne die Stilisierung von Gassenhauern.

Tiefes Sehnen und in sich ruhende Beschaulichkeit wechselten in atemberaubender Schnelligkeit mit überschwänglicher Leidenschaft und Unbeschwertheit in Melodien und Texten. Jedes der vier Bandmitglieder konnte sich in zahlreichen solistischen Einlagen als brillanter Profi an seinem Instrument beweisen, im Zusammenspiel spornten sie sich gegenseitig an, sie warfen sich in rasanter Geschwindigkeit Töne wie Spielbälle zu und trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Allen voran zog Gudrun Walther mit ihrem furiosen Fiddlespiel und ihrer unter die Haut gehenden Stimme das Publikum in ihren Bann, ihre launigen Ansagen erklärten die dargebrachten Arrangements und Songs mit Worten, ohne dadurch die Eindringlichkeit der Musik zu schmälern.

So wie die Band eine Mischung ist zwischen Schotten und Schwaben, so brachte sie an diesem Abend auch ihre Musik als eine perfekt gewürzte Fabrikation zwischen traditionellem und modernem Folk dar. Den Musikern gelang der Balanceakt zwischen authentischer, traditioneller Folk-Musik und der kreativen Freiheit der Liedschreiber, deren Begeisterung für Horror, Mythen und Märchen, Feminismus und Geschichte sich immer wieder Bahn brachen. „Cara“ braucht für ihre Musik weder Schlagzeug noch effektheischendes Zubehör, ihre ursprüngliche und mitreißende musikalische Qualität reichte auch in Münsingen aus, um eine erstklassige Show auf die Bühne zu bringen.

Schottischer Humor

Gudrun Walther zog automatisch als Frontfrau die Blicke auf sich, ohne dabei die anderen Bandmitglieder in den Schatten zu stellen. Kim Edgar, der Neuzugang aus Schottland, begeisterte durch ihren trockenen schottischen Humor, ihr virtuoses Klavierspiel und ihre tolle Stimme. Der Hamburger Hendrik Morgenbrodt verteidigte als jüngstes Bandmitglied mit 24 Jahren seinen erstklassigen Ruf als exzellenter Piper und Dudelsackspieler, der sich auf den Tourneen mit „Cara“ bereits weltweit einen Namen gemacht hat. Und dann ist da noch der Schwabe Jürgen Treyz. Er wurde mit seinen Folk-beeinflussten Produktionen schon mit vielen Preisen ausgezeichnet und verstand es, das Münsinger Publikum mit seinem akustischen Gitarrenspiel zu verzaubern.

Sie gemeinsam als vollkommene musikalische Einheit zu hören, die echten und handgemachten Irish Folk so darbot, dass keinerlei Barrieren zwischen ihrer Musik und den Zuhörern geduldet waren, wurde zum außergewöhnlichen Konzerterlebnis. Nicht umsonst zählt „Cara“ mittlerweile zu den gefragtesten und modernsten Gruppen des Genres mit überwiegend selbst geschriebenem Material. Und sie boten auch Klassiker, wie etwa das bereits von Joan Baez und Bob Dylan aufgenommene „A Warning for married Woman“, das von „Cara“ als „The House carpenter“ eine neue variantenreiche Intonierung erhielt.

Hoffnung und Kraft

Bis Mittwoch waren die Musiker auf Englandtour, am Freitagabend brachten sie alte und neue Cara-Stücke nach Münsingen mit. So wie der Song „Yet We Sing“ aus ihrem neuen Album, der von Hoffnung auch in dunklen Zeiten und der heilenden Kraft der Musik erzählt, die an diesem Abend auf besonders eindringliche und unvergessene Weise zu hören war.