Es war mit Sicherheit ein verstörender Anblick, der sich Wanderern am Donnerstag in der Nähe des Schwäbischen Örtchens darbot:  ein Haufen verwesender Tierkadaver, achtlos entsorgt auf einer Lichtung auf der Gemarkung Magolsheim an der Grenze zu Ingstetten. Verwundert über den prägnanten Duft des Verfalls, folgten die Spaziergänger dieser Fährte und machten die grausame Entdeckung: Reste von Frischlingen, Rehen, und Wildschweinen – von Fliegen und Maden besiedelt. Der Tierschutzverein Münsingen wurde zu Rate gezogen, die Polizei alarmiert,  und das Veterinäramt informiert. „Irgendetwas stimmt in Magolsheim nicht“, zeigt sich Uschi Rollmann, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins, erschüttert.

Seuchengefahr: Hierfür droht Freiheitsstrafe

„Wer bringt illegal diese Tiere um und lädt die Kadaver einfach so ab“, fragt sich die engagierte Tierliebhaberin. Denn die beiden Jagdpächter seien es auf Nachfrage des Ordnungsamtes definitiv nicht gewesen. Wer auch immer diese Tat begangen hat, hat sich damit strafbar gemacht, denn laut Jagdgesetz dürfen Aufbrüche und Schlachtabfälle von erlegtem Wild ausschließlich so ausgebracht werden, dass diese für Schwarzwild unzugänglich sind. Grund hierfür ist die enorme Seuchengefahr, zumal sich derzeit die Afrikanische Schweinepest in vielen Regionen Europas zunehmend ausbreitet. Hinzu kommt freilich, dass Wilderei keinesfalls ein Kavaliersdelikt ist, sondern mit einer satten Strafe verbunden ist. In besonders schweren Fällen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Katze in Schlagfalle getappt: Schwere Verletzungen

Doch dieser Vorfall war bei weitem nicht der einzige, der sich in der jüngsten Vergangenheit in Magolsheim zugetragen hat. Davon weiß Ortschaftsrätin Irmgard Heinzl ein äußerst trauriges Liedchen zu singen. Die ehemalige Inhaberin von „Irmgards Lädle“ widmet sich seit der Schließung ihres Geschäfts intensiv dem Tierschutz und kümmert sich insbesondere um Katzen. So ist sie meist die erste Stelle, an die sich die Menschen in der Umgebung wenden, wenn ein Streuner gesichtet oder ein krankes Tier gefunden wird. „Kürzlich wurde ich in die Nähe des Höllochwegs gerufen, weil sich ein verletzter Kater über eine Katzenleiter auf den Balkon der Melderin geschleppt hatte“,  berichtet die Rentnerin. Der vier Jahre alte Felix war ganz offensichtlich in eine Schlagfalle getappt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen.
Der Tierschutzverein Münsingen warnt Verdacht auf ausgelegte Giftköder in Magolsheim

Magolsheim

„Der Kater muss mehrere Tage gewartet haben. Als er total abgemagert war konnte er sein Bein rausziehen“, so Irmgard Heinzl. Leider konnte der Tierarzt das Bein nicht mehr retten und musste es bis zur Schulter amputieren. Der einst so stattliche Kater wird mit seinen restlichen drei Beinchen wohl nie wieder ein Freigänger sein. Die Besitzer konnten ausfindig gemacht werden und sind froh, dass Felix wieder zu Hause ist. Das Aufstellen solcher Fallen ist verboten und stellt einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.

Rattengift oder Schneckenkorn ausgelegt

Ein sicheres Leben scheinen die Tiere rund um Magolsheim derzeit nicht zu haben. Immer wieder sterben Katzen in Folge einer Vergiftung oder tragen irreparable neurologische Schäden davon und müssen eingeschläfert werden. Anfang dieses Jahres wurde gezielt an zwei verschiedenen Stellen blaues Pulver, möglicherweise Rattengift oder Schneckenkorn, ausgelegt und auch im vergangenen Jahr häuften sich die Fälle. „Die Katzen fressen das nicht unbedingt, aber schon, wenn sie sich putzen und das Gift von den Pfoten schlecken, kann dies lebensgefährlich sein“, sagt Heinzl. Auffällig und erschreckend dabei ist, dass diese Giftköder gerne im Bereich Höllochweg aufgefunden werden, wo auch viele Hundebesitzer ihre kleinen Freunde ausführen und kleine Kinder mit ihren Rädern unterwegs sind – diese Gifte sind nämlich auch für Menschen sehr gefährlich. Und eine Tatsache ist nun einmal, dass sich gerade Kleinkinder gerne etwas in den Mund stecken. Vor allem, wenn es doch so hübsch blau ist und ein Bonbon sein könnte.
Im Juni 2019 fing die Tierretterin einen scheuen Kater ein, der hinkte und Angst hatte. Der Tierarzt kam der Ursache schnell auf den Grund: Man hatte ihn mit einem Gewehr attackiert, das Geschoss steckte noch in seinem Bein fest.

„Kopfgeld“ ausgesetzt

Einige Bürger scheinen das endgültig satt zu haben und versuchen nun, diesem Schlächter ein Ende zu setzen. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde hierfür eine Geldsammelaktion initiiert: Wer den Katzenhasser dank sachdienlicher Hinweise zur Anzeige bringt, erhält die gespendete Summe als Belohnung.

Ob für all diese Grausamkeiten dieselbe Person verantwortlich ist und ob ein Zusammenhang zwischen den getöteten Wildtieren und den Vergehen an den Samtpfoten besteht, ist schwer zu sagen. Aber der Verdacht liegt auf jeden Fall nahe.