Die Zeiten, in denen es nur darauf ankam schön auszusehen, sind definitiv auch beim Wettbewerb „Miss Germany“ vorbei. Sicher: ein ansprechendes Äußeres gehört dazu. Doch mittlerweile geht es um die Persönlichkeit, um die Haltung und die gelebte Überzeugung hinter dem makellosen Teint und der top Figur. Frauen selbst haben dazu beigetragen, dass sie nicht nur als oberflächliche Schönheiten wahrgenommen werden. Das hat nun dazu geführt, dass der Wettbewerb mehr sein will als nur eine Plattform für Models: er spricht Frauen zwischen 18 und 39 Jahren an, die ihren eigenen Weg gehen, sich intelligent durchsetzen und die Gesellschaft beeindrucken. Frauen mit einer Lebensgeschichte und mit einer Botschaft.

So wie Lina Knupfer. Die 24-jährige Auszubildende zur Industriekauffrau aus Oberstetten hat sich unter 8000 Bewerberinnen aus ganz Deutschland durchgesetzt und ist nun eine von 15 Frauen aus Baden-Württemberg, die gegen jeweils 16 aus jedem Bundesland antritt. Drei Jahre lang hat sie hauptberuflich nach dem Abitur als Model gearbeitet, sie bringt also gute Grundvoraussetzungen mit. Sie ist in den sozialen Netzwerken aktiv und vernetzt, präsentiert sich dort selbstbewusst und authentisch. Eigenschaften, die sich die junge Frau hart erarbeitet hat. Deshalb hat sie aus den acht zur Verfügung stehenden Themenbereichen Fitness und Gesundheit ausgewählt und will dafür Markenbotschafterin sein.

Magersucht: Abbruch der stationären Therapie

„Ich möchte jungen Menschen klarmachen, dass man nicht perfekt sein muss, um erfolgreich und glücklich zu sein“, sagt Lina Knupfer, die jahrelang unter Magersucht litt. Mit 14 Jahren sei sie ein ganz normales Mädchen mit der durchschnittlichen Konfektionsgröße 38 gewesen. Dann habe es angefangen: die Sticheleien von anderen bezüglich ihrer Figur und das Gefühl, nicht gut genug, nicht schlank genug zu sein. Also ernährte sie sich zunächst nur von Salat und Obst und versuchte, ihren Appetit und ihren Hunger durch übermäßig hohen Wasserkonsum zu stillen. „Ich hab mich da rein gesteigert, alles drehte sich nur noch darum was ich esse, beziehungsweise nicht esse“. Mit ihren 1,72 Metern hungerte sie sich auf 35 Kilogramm herunter. Kliniken nahmen das Mädchen nicht auf, weil sie „nicht therapierbar“ sei. Nach einem Jahr Wartezeit begann sie eine stationäre Therapie, die sie jedoch nach einem Monat wieder abbrach. Mit Unterstützung ihres Vaters schaffte sie es schließlich wieder zu essen, innerhalb eines halben Jahres nahm sie 20 Kilogramm zu.

Sport und ausgewogene Ernährung sind richtig

Dann schlug ihre Essweise ins Gegenteil um. Sie aß zu viel und zu unausgewogen, plötzlich brachte sie 73 Kilogramm auf die Waage. „Wieder zu hungern kam nicht in Frage, also begann ich mit Sport“. Das hat geholfen. Mehrmals in der Woche geht sie zum Fitness, Lina Knupfer ernährt sich ausgewogen, gesund und vielfältig, sie isst, was ihr schmeckt, aber in Maßen. „Ich habe heute 63 Kilogramm und fühle mich wohl in meinem Körper. Mein Blick in den Spiegel ist nicht mehr kritisch“.

Und das will sie zeigen. Ihre Botschaft: „Jeder ist schön auf seine eigene Weise. Niemand sollte sich mit Schönheitsidealen messen, sondern mit sich selbst zufrieden sein“. Das will sie vor allem jungen Mädchen mitteilen, die an sich und ihrem Körper zweifeln. Ihr Appell geht in Richtung gesunde Ernährung und genügend Bewegung, dafür steht sie als Bewerberin bei „Miss Germany“. Im Rahmen eines Interviews hat sie über ihr Leben gesprochen, beim Fotoshooting in Hamburg präsentierte sie sich in Alltagskleidung: „So, wie ich mich wohlfühle“.

Anders als früher entscheidet nicht nur eine Jury darüber, wer die nächste „Miss Germany“ werden soll. Eine Woche lang kann ab Montag auf www.missgermany.de für Lina Knupfer gevotet werden. Von jedem Bundesland kommt schließlich eine Bewerberin ins Finale, das im Februar im Europapark stattfinden wird. Wer Lina Knupfer auf Instagram folgen will, kann dies unter linalouisaa tun.

Das könnte dich auch interessieren:

Tübingen/Reutlingen