Reutlingen Lange Haftstrafen für drei geflohene Straftäter

Amtsgericht Reutlingen
Amtsgericht Reutlingen © Foto: RALF OTT
Reutlingen / RALF OTT 20.06.2014
Im November 2013 waren drei Männer aus dem Maßregelvollzug der Münsterklinik Zwiefalten ausgebrochen. Jetzt verurteilte sie das Amtsgericht Reutlingen zu Haftstrafen zwischen zwei und zweieinhalb Jahren.

Zwischen Dezember 2012 und Mitte November vergangenen Jahres gelang insgesamt elf Straftätern die Flucht aus dem Zentrum für Psychiatrie in Zwiefalten. Justizministerium und die Münsterklinik haben reagiert - das Personal wurde verstärkt und der Krisenbereich der forensischen Abteilung grundlegend umgebaut.

Jene drei Straftäter, die am Ende der Ausbruchserie im November vergangenen Jahres geflohen waren, mussten sich jetzt vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Reutlingen unter Vorsitz von Eberhard Hausch verantworten. Alle räumten die Vorwürfe ein. Die Kammer wertete ihre Tat als gemeinschaftliche Nötigung in Verbindung mit versuchter gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung. Die Haftstrafen lagen zwischen zwei sowie zwei Jahren und drei beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten. Das Gericht blieb damit nur in einem Fall drei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Alle drei Verteidiger hatten auf "Nötigung" plädiert und höchstens ein Jahr Haft gefordert. Maßgeblich für die Unterschiede im Strafmaß waren die Delikte, wegen derer die 31 und 34 Jahre alten Männer verurteilt und zugleich im Maßregelvollzug therapiert werden sollten sowie ein Entschuldigungsbrief, den einer der Täter nach dem Ausbruch an die Mitarbeiter geschrieben hatte.

Drei Pflegekräfte der Nachtschicht hatten das Trio am 13. November gegen zwei Uhr nachts im Raucherzimmer der Station getroffen und sich zunächst mit ihnen unterhalten. Plötzlich hatten die Männer ihnen die Notruftelefone entrissen. Allerdings gelang es zwei Pflegekräften noch, den Notruf zu drücken. Das brachte den Fluchtplan durcheinander. Denn eigentlich - davon gab sich das Gericht aufgrund der Zeugenaussagen der Mitarbeiter überzeugt - sollte diesen Geld und Autoschlüssel abgenommen werden. Daher auch die Bewertung als räuberischer Erpressungsversuch. Doch der Alarm veranlasste die drei nur mit Jeans und T-Shirts bekleideten Männer dazu, Hals über Kopf mit den Chipkarten für die Schließanlage zu flüchten. Bereits am nächsten Vormittag griff die Polizei sie wieder auf.

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