Glaube Kulturgut des Glaubens erhalten

Ortsvorsteher Paul Baier (l.) ) und Bürgermeister Kevin Dorner nehmen den Kreuzweg in Weiler in Augenschein und sprechen sich für die Emaille-Drucktechnik aus.
Ortsvorsteher Paul Baier (l.) ) und Bürgermeister Kevin Dorner nehmen den Kreuzweg in Weiler in Augenschein und sprechen sich für die Emaille-Drucktechnik aus. © Foto: Bloching Maria
Weiler / Von Maria Bloching 06.04.2018

Der Kreuzweg liegt hoch oben am wacholderbewachsenen Südhang des 641 Meter hohen Käpfle im Lautertal und ist von hier nicht wegzudenken. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er dank einer Stiftung des ehemals in Weiler lebenden Bauern und gläubigen Bürger Andreas Schmid als Dank für göttlichen Beistand angelegt.

Bis heute ist viel Geschichte über den Kreuzweg hinweg gezogen, viele Menschen sind ihn schon betend gegangen. So auch Dorothea Geiselhart, die Großmutter der Künstlerin Monika Geiselhart, die bereits 1998 mit der Restaurierung des Kreuzweges betraut war. „Mit Erbsen in den Schuhen hat sie den Kreuzweg erklommen und dabei den niemals enden wollenden Rosenkranz gebetet, während ich oben unter dem Kreuz auf ein letztes Amen wartete“, erinnert sie sich.

14 steinerne Bildstöcke säumen den steilen Stationenweg hinauf zum Gipfel des Berges, wo noch die Reste einer abgegangenen Burgstelle zu erahnen sind. Seit 1960 steht dort am Ende des Kreuzweges ein behauenes Holzkreuz. Von Beginn an enthielten die 14 Kreuzwegstationen sehr schöne, detailgenau geschnitzte und farbig gefasste Holzreliefs, die den Leidensweg Christi eindrucksvoll darstellten. Nachdem 1991 mehrere der ursprünglichen Stationsbilder gestohlen wurden und die verbliebenen bereits stark verwittert waren, wurde 1998 von der Firma Anton Geiselhart eine erste, umfassende Restaurierung der Anlage vorgenommen. Alle Stationsbilder wurden nach dem Vorbild der geschnitzten und farbig gefassten Motive im Nazarener Stil von Monika Geiselhart neu gemalt und in die ebenfalls restaurierten Steinbildstöcke aus Stubensandstein eingebaut.

Auch das Kreuz Christi oben auf dem Kalvarienberg erhielt zu dieser Zeit ein Rundumerneuerung, darüber hinaus sorgten umfangreiche landschaftspflegerische Maßnahmen und eine verbesserte Wegeführung für einen guten Zustand der gesamten Anlage.

Lichtstabil und kratzfest

Nun sind die 14 Kreuzwegstationen erneut in die Jahre gekommen. Starke Sonneneinstrahlung ließ die von Hand gemalten Bilder  verblassen, die Glasscheiben sind beidseitig verschmutzt und teilweise blind. Im belüfteten Zwischenraum haben sich Spinnen und Wespen eingenistet. Manche der bemalten Platten haben sich bereits vom Untergrund abgelöst, die seitlichen Kitt-Fugen sind abgeplatzt.

Die Schäden werden immer schlimmer, deshalb hat die Stadt Hayingen gemeinsam mit Monika Geiselhart nach einer Möglichkeit gesucht, die Malerei anhand von Archivbildern, die einst vor dem Einglasen aufgenommen wurden, in einer dauerhaft haltbaren Technik zu reproduzieren. Seit zwei Jahren laufen die Planungen, eigentlich sollten die neuen Stationen bereits zu Ostern fertiggestellt sein. Doch das anstehende Verfahren mit digitaler Emaille-Drucktechnik, die besonders lichtstabil und kratzfest ist und darüber hinaus im Falle eines Verlustes oder einer erneuten Beschädigung ein problemloses Ersetzen ermöglicht, bringt Kosten in Höhe von 12.600 Euro mit sich. Aufgrund der witterungsbeständigen Oberfläche kann auf eine Verglasung verzichtet werden, mögliche Verschmutzungen lassen sich leicht entfernen. Auch die Informationstafel am Beginn des Stationenweges soll erneuert werden. Neben einem aktualisierten Erläuterungstext zur Geschichte der Anlage werden dort auch alle Stifter namentlich genannt.

Der Musterdruck der Kreuzwegstation über Jesu Kreuzigung liegt der Stadt Hayingen vor. Bürgermeister Kevin Dorner ist begeistert. „Die Farbgebung kommt hervorragend zur Geltung. Aufgrund der Wetterbeständigkeit eignet sich diese klassische Emaillierung unserer Meinung nach am besten, um den Erhalt des Kreuzweges auf lange Zeit zu sichern“.

Der Münzdorfer Ortsvorsteher Paul Baier sieht immer wieder nach dem Rechten und weiß, wie stark dieser touristische Anziehungspunkt frequentiert ist. Umso mehr setzt auch er sich für die Restaurierung ein und appelliert an potentielle Spender, den kulturellen Wert des Kreuzweges in Weiler im Blick zu haben. „Vielen Menschen liegt er am Herzen. Das zeigt auch die Tatsache, dass vor zwei Jahren ein Privatmann alle Bildstöcke von Moos und Algen befreit hat“, meint Baier. Dennoch muss auch der Stubensandstein hier und da ausgebessert werden.

Gemeinsam hoffen Bürgermeister Dorner, Ortsvorsteher Baier und Monika Geiselhart, dass die Restaurierung noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden kann. Denn für sie steht fest, dass es damals wie heute die Pflicht der Gesellschaft ist, den Fortbestand kultureller Kleinode im zauberhaft schönen Lautertal zu sichern.

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steinerne Bildstöcke säumen den steilen Stationenweg hinauf zum Gipfel des Berges, wo noch die Reste einer abgegangenen Burgstelle zu erahnen sind.

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