Am Samstag, 23. November, findet um 18 Uhr in der Martinskirche Münsingen eine Geistliche Abendmusik statt, die von Vokalsolisten, Kammerchor und Kantorei der Martinskirche gestaltet wird. Dabei kommen die „Musicalischen Exequien“ von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) zur Aufführung. Die Leitung haben Kirchenmusikpraktikant Ferdinand Ehni und Kirchenmusikdirektor Stefan Lust.

Kantor Stefan Lust wird mit seinen Chören eines der bedeutendsten Vokalwerke der Barockzeit aufführen, denn das Werk und seine Entstehung sind einzigartig in der Musikgeschichte. Es entstand 1636 als Musik für die lutherische Trauermesse von Heinrich Posthumus Reuß (1572 bis 1635), der Schütz‘ ehemaliger Landesherr war. So klein Heinrich Reuß‘ Besitzungen auch waren, war er doch Rat dreier Kaiser und häufig Gast an den Höfen in Wien und Dresden. Der Namenszusatz „Posthumus“ verweist darauf, dass sein Vater vor Heinrichs Geburt verstorben ist und die Geburt seines Sohnes nicht erlebt hat.

Heinrich Posthumus Reuß, ein theologisch gebildeter und frommer Fürst, hat noch zu Lebzeiten Bibelverse und Liedstrophen zusammengestellt, mit denen sein Sarg beschriftet werden sollte. Nach Heinrichs Tod am 13. Dezember 1635 übergab dessen Witwe diese Textsammlung an Heinrich Schütz, der die Worte in Musik setzen sollte. Die Trauerfeierlichkeiten fanden wegen Reuß’ Verehrung für den Propheten Simeon erst am Sonntag nach der Darstellung des Herrn, dem 4. Februar 1636, statt. Das Werk erklang also erstmals bei Reuß’ Trauergottesdienst und Beisetzung in der Johanniskirche in Gera, die allerdings heute samt Gruft nicht mehr erhalten ist.

Schütz erachtete die „Musicalischen Exequien“ als so bedeutend, dass er sie 1636 als Opus 7 in Dresden im Druck veröffentlichte. Die große Textfülle der „Musicalischen Exequien“ hat er in drei in sich abgeschlossenen Teilen für Vokalstimmen und Basso continuo komponiert. Der erste, längste Teil ist sechsstimmig ausgeführt und stellt den Solisten den Capellchor gegenüber. Der zweite Teil über das Psalmwort „Herr, wenn ich nur dich habe“ ist für zwei gleich besetzte vierstimmige Chöre geschrieben. Im dritten Teil, dem Lobgesang des Simeon „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“, kontrastiert ein fünfstimmiger Chor mit drei Solostimmen, die als Fernchor aufzustellen sind.

Zahlreiche Mitwirkende

Zur Aufführung haben sich Kammerchor und Kantorei der Martinskirche sowie einige Gäste, insgesamt über 60 Sänger, zusammengefunden. Die Vokalsolisten sind Dorothee Mörike und Christine Schlenker (Sopran), Florian Schlenker (Tenor), Stefan Lust (Tenor und Bariton) sowie Michael Scheiberg (Bass). Begleitet werden Solisten und Chor von einer Continuogruppe mit zwei Orgeln, einer Gambe, zwei Violoncelli und einem Kontrabass. Hier wirken Philipp Hirrle (Orgel), Reinhold Schaal (Gambe), Jens Altenmüller und Marion Schrade (Violoncello) sowie Miriam Hägele (Kontrabass) mit. Die Leitung teilen sich Kirchenmusikpraktikant Ferdinand Ehni und Kirchenmusikdirektor Stefan Lust.

Eintritt ist frei - Zweites Konzert in Dettingen

Die Abendmusik wird am Sonntag, 24. November, um 17 Uhr in der Stiftskirche Dettingen/Erms wiederholt. Der Eintritt zu beiden Abendmusiken ist frei, jedoch bitten die Veranstalter um Spenden zur Finanzierung.