Schon ab der 5. Klasse machen Schillerschüler dank des Projektes LDE „Lernen durch Engagement“ Erfahrung mit sozialem Engagement. Diese wichtige Säule trägt seit über zehn Jahren dazu bei, dass demokratisches Lernen und das Übernehmen von Verantwortung zum Schulalltag gehören. „Man tut was für andere und hat selber was davon“, umschreibt es Schulleiterin Nicole Breitling. Gleichzeitig erhalten die Schüler dadurch stets auch einen Einblick ins Berufsleben. Letztlich kommt es aber auf jeden Einzelnen an, wie er sich mit dem Projekt identifiziert und wie stark er sich ganz persönlich einbringen will.

Fair und regional

Während der „WeltfairÄnderer-Woche“ im Sommer 2016 haben die Schüler der Klasse 8a beschlossen, ihre Schule ein Stückchen fairer zu machen. Sie nahmen sich vor,  einen Schüler-Weltladen zu gründen und nur regionale und fair gehandelte Speisen und Getränke anzubieten. „Wir haben uns erkundigt und erfahren, dass viele billige Sachen in Kinderarbeit hergestellt werden. Wir wollen, dass Bauern für ihre Arbeit auch einen fairen Lohn bekommen“, sagen die Schüler. Ihr Vorhaben konnten sie nun mit viel Kreativität, Fleiß und Motivation in die Tat umsetzen. Dank der Unterstützung von KooBO (Kooperative Berufsorientierung vom Kultusministerium Baden-Württemberg), dem Europäischen Sozialfond ESF, der Agentur für Arbeit und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall konnte die Finanzierung gestemmt werden.

Unter der Federführung von Lucas Steinert, Marcel Kunzmann, Sophia Engelhart und Kim John schafften es die Schüler, einen von der Stadt Münsingen bereitgestellten Bauwagen zu renovieren und zum Schüler-Weltcafé auszubauen.

Der steht jetzt im Schulhof und wird demnächst mindestens zweimal in der Woche als Verkaufsstand und schön eingerichtetes Café genutzt. In der Schreinerei Ruopp wurden eine Theke und ein Tisch hergestellt, im Café Nepomuk Reutlingen lernten die Jugendlichen, wie man Gäste bedient, Speisen und Getränke ansprechend herrichtet und stilvoll serviert. Sie erhielten Tipps und Ratschläge, außerdem leckere Rezepte, die sie ohne großen Aufwand mit Zutaten aus der Region oder aus fairem Handel vom Münsinger Weltladen selbst umsetzen können.

Jetzt müssen sie für ihren Schüler-Weltladen werben, schließlich wollen sie kostendeckend, bestenfalls sogar gewinnbringend produzieren und handeln. „Was wir noch brauchen ist ein richtiges Logo“, gibt Lucas zu bedenken. Mit Marcel, Sophia und Kim will er künftig den Schüler-Weltladen und das Café betreiben, dafür haben sie schon kräftig die Werbetrommel in den Klassen gerührt.

Gemeinsames Ziel

Doch sie wissen auch, dass sie die Eltern der Schüler davon überzeugen müssen, dass fair gehandelte, regionale und saisonale Produkte allen gleichermaßen zugute kommen. Ideen haben sie viele: „Im Sommer werden Holunderblüten gesammelt. Daraus machen wir mit Zucker aus dem Weltladen und gutem Münsinger Wasser einen Sirup“. Leckere heiße Schokolade wird schon seit einiger Zeit im Laden vor der Mensa angeboten: mit Schokopulver aus dem Weltladen und Milch vom Münsinger Landwirt.

Bettina Samulski von der Beruflichen Bildung Reutlingen hat gemeinsam mit den Schülern den Projektplan erstellt, Kontakte zu den Betrieben hergestellt und die Jugendlichen einmal wöchentlich beraten und begleitet. „Es ist beeindruckend, was die Schüler bisher geleistet haben. Dieser anfänglich chaotische Haufen hat gemeinsam ein Ziel entwickelt und es nach und nach umgesetzt. Dabei konnte sich jeder mit seinen Talenten und Stärken einbringen. Die Motivation der Schüler hat mich wirklich sehr überrascht“, freut sich Samulski.

Geschäftssinn entwicklen

Natürlich soll dieser Schüler-Weltladen keine Eintagsfliege sein, sondern stets in der Verantwortung für die Betreibung an nachrückende Klassen übergeben werden. „So funktioniert Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt“, sagt Samulski und lobt die Nachhaltigkeit, die hinter diesem großartigen Projekt steckt.

Denn Lucas und Marcel hat der Einblick in die Welt des Reutlinger Café Nepomuk so gut gefallen, dass sie im nächsten Schuljahr dort ein Praktikum absolvieren wollen. Außerdem müssen die Schüler kalkulieren, mit Preisen jonglieren und mit ihren Angeboten den Geschmack ihrer „Kunden“ treffen. Das erfordert Geschäftssinn und Freude an dem, was sie tun.