Kurz bevor sich sich über 120 Synodale vor sechs Jahren zur konstituierenden Sitzung trafen, fusionierten die beiden bis dahin selbständigen Kirchenbezirke Münsingen und Bad Urach zum einheitlichen Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen. Dies war, so Vorsitzender Rainer Mertens bei der Tagung am Freitagabend, ein Novum in der Landeskirche, man habe Geschichte geschrieben und sei zum Vorbild für andere Kirchenbezirke geworden. „Ohne Blaupause“ haben sich die Befürworter gegen die Zweifler durchgesetzt und den Weg zur Einheit mit der Umsetzung ihrer Visionen aller Widrigkeiten zum Trotz geebnet.“ Ein „mutiger Schritt“ sei das gewesen mit einigen Überraschungen. Doch letztendlich „war es der richtige Schritt und wir haben die vergangenen sechs Jahre mit Inhalt und Struktur gefüllt“.

Michael Scheiberg verabschiedet

Dekan Harald Klingler sei 2014 verabschiedet und Michael Scheiberg als geschäftsführender Dekan eingesetzt worden, 2016 übernahm Dekan Michael Karwounopoulos die Geschäftsführung und Dekan Norbert Braun konnte im Amt begrüßt werden. „Der vereinte Kirchenbezirk hat sehr wenig in alten Strukturen gedacht und gut zusammengefunden. Die erste Herausforderung war der gemeinsame Haushalt“, berichtete Mertens, dem der bis dahin bereits seit zwölf Jahren agierende Vorsitzende der Bezirkssynode Münsingen, Edmund Friedl, als Doppelspitze zur Seite gestellt wurde.

Sieben Kindertagesstätten mit 16 Gruppen wurden in die Bezirksträgerschaft überführt, mit der Aufstellung des Pfarrplans habe man die Nagelprobe bestanden. Während Mertens jetzt am 1. Dezember bei den Wahlen des Kirchengemeinderats erneut kandidiert, ist es für Edmund Friedl nun an der Zeit, den Rückzug anzutreten. „Anfangs war ich ein Bedenkenträger der Fusion, jetzt bin ich ein Befürworter. Vor 18 Jahren fing ich als Synodaler an, jetzt ist es für mich Zeit, aufzuhören. Das tue ich gern angesichts der vielen Bewerber in unserer Kirchengemeinde Bernloch-Meidelstetten, wo es mehr Kandidaten gibt als Stellen“.

Gehöriger Wechsel

Dekan Michael Karwounopoulos, dessen Kollege Norbert Braun mittels Video aus Indien grüßte, dankte Friedl für seinen Einsatz und für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Noch sei unklar, ob der Synode auch nach der Wahl eine Doppelspitze vorsteht: „Nach dem Kirchengesetz gibt es nur einen Vorsitzenden. Wie die neue Bezirkssynode entscheidet, bleibt abzuwarten“. Fest steht bereits, dass es innerhalb der Synode einen gehörigen Wechsel geben wird. Die neue Bezirkssynode wird sich in der Sitzung am 13. März in Münsingen konstituieren.

Viele Synodale scheiden aus, weil sie sich nicht mehr als Kirchengemeinderäte zur Verfügung stellen. Neue Kandidaten zu finden, sei gar nicht so einfach: „In manchen Kirchengemeinden wird sich das Gremium wohl deutlich verkleinern“, so die Befürchtung des Dekans. Sein Bericht war von Dankbarkeit dafür geprägt, dass die Synode sechs Jahre lang in Freiheit Kirche leiten und gestalten konnte. „Welch wunderbare Sache ist das doch, dass wir in demokratischen Prozessen Dinge in Gremien entscheiden und Zukunft mitgestalten können“. Selbstverständlich sei dies nicht angesichts der weltweiten Schwierigkeiten, Demokratie zu leben und zu gestalten. Man habe gemeinsam um Entscheidungen gerungen, miteinander diskutiert und gestritten, aber immer auch Wege gefunden, wie es weitergehen kann.

Erst kurz im Amt ist Co-Schuldekanin Gudrun Bertsch. Sie hob in ihrem Bericht die Notwendigkeit der evangelischen Bildungsarbeit als „so wertvoll und wichtig wie noch nie“ hervor. Durch sie sei es möglich, Werte zu schaffen, die das Christsein maßgeblich ausmachten, sich dem Leben zu stellen und dem biblischen Analphabetismus entgegenzuwirken. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen würden sich verändern, atheistische und säkulare Einstellungen zunehmen. Bertsch brachte den zunehmenden Rechtspopulismus zur Sprache, der schließlich von der gesamten Synode aufs Schärfste verurteilt wurde. Ein Synodaler gab eine Stellungnahme zu den Anschlägen in Halle ab: „Wir trauern um die Opfer und haben Mitgefühl, wir setzen uns für ein friedliches Miteinander und für ein Zusammenleben aller Kulturen unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe ein. Wir sehen hinter diesem Anschlag nicht nur einen Einzeltäter – die geistigen Mittäter sitzen in unseren Landtagen und im Bundestag“.

Auf der Tagesordnung stand weiterhin die Feststellung des neuen Haushaltsplans, der für das Planjahr 2020 insgesamt 5 291 010 Euro zur Verfügung stellt. Die Bezirksumlage wurde auf 29,88 Euro je Gemeindeglied festgelegt und beträgt insgesamt 1 670 430 Euro. Der Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen bleibt auch weiterhin schuldenfrei.

Die Gemeindegliederzahl im Kirchenbezirk hat sich im Jahr 2018 auf 55 913 reduziert. Das sind 814 weniger als das Jahr davor. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

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