Für was stehen sie, wofür möchten sie sich stark machen? Die Bewerber um einen Sitz in der evangelischen Landessynode aus dem Wahlkreis Bad Urach-Münsingen stellten sich sowohl den Fragen von Moderator Jan Bächle vom Evangelischen Jugendwerk Marbach, als auch denen aus dem Publikum.

Für den Gesprächskreis „Kirche für alle“ kandidieren Markus Mörike und Michael Scheiberg, beide Münsingen. Scheiberg könne an der Veranstaltung nicht teilnehmen, da seine Mutter im Sterben liegt, erklärte Pfarrerin Daniela Janke. Sie sorgte am Mittwochabend im Gemeindehaus dafür, dass die Kandidaten ihre Zeitvorgaben einhalten, verlas auch Scheibergs Rede. Er kommt aus einem Pfarrhaus, ist begeistert, wie das Wort Gottes in der Gegenwart Gestalt gewinnt. Der frühere Münsinger Dekan will sich für soziale, diakonische Belange stark machen, Herausforderungen begegnen, zuversichtlich damit umgehen.

Die Belange der Menschen im Fokus

Markus Mörike, der sich erneut um einen Sitz im Kirchenparlament bewirbt, ist Leiter des Samariterstifts Grafeneck. Er setzt sich für die Belange der Menschen, „die am Rande der Gesellschaft stehen“ ein. Kirche muss für ihn so Stellung nehmen, sowohl zu Themen vor Ort als auch zu globalen. Er fordert mehr Mitbestimmung und Verantwortung für die Kirchengemeinden, beispielsweise bei der Verwaltung der Finanzen.

Auf dem Wahlvorschlag von „Kirche für morgen“ steht Kai Münzing, Kirchenpfleger, aus Dettingen/Erms, er ist seit sechs Jahren in der Synode. „Wir brauchen eine Kirche, die alltagsrelevant ist“, so sein Credo, Kirche müsse präsent sein, diakonisch wirken. Außerdem habe sie einen missionarischen Auftrag, nämlich „das Evangelium nach außen zu tragen“.

Karl-Wilhelm Röhm MdL, Oberstudiendirektor a.D. aus Gomadingen, bewirbt sich zum ersten Mal um einen Sitz in der Synode, steht auf der Liste der „Lebendigen Gemeinde“. Er sei schon seit Kindertagen mit der Kirche verbunden, wolle sich im Falle der Wahl im Bereich Kirche und Bildung einbringen, nach seinem Konfirmandenspruch handeln: „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen“. Für Röhm heißt das, „was man für Gott tut, das tut man auch für die Menschen.“

Ebenfalls auf dieser Liste kandidiert die Synodale Maike Sachs, Pfarrerin aus St. Johann. Sie möchte tatkräftig und miteinander eine Gemeinde der Vielfalt gestalten, dazu die Ehrenamtlichen ermutigen, sie in ihrem Engagement fördern. Außerdem ist es für sie ein Gebot der Zeit, „alternative Zugänge zum Pfarramt“ zu schaffen.

 Zu Kirche und Gesellschaft, Auswirkungen des Pfarrplans – Zusammenlegung von Gemeinden – durften sich die Bewerber dann ebenso äußern wie zur Bedeutung des Ehrenamts in der kirchlichen Arbeit. Das, so Moderator Jan Bächle, gelte als Schatz der Landeskirche. Doch häufig fühlten sich die Ehrenamtlichen lediglich als Lückenfüller. Aus ihrer eigenen Erfahrung berichtete dazu aus den Besucherreihen Doris Beck. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung für die Ehrenamtlichen und „dass ihnen nicht immer noch mehr aufgedrückt wird“, weil es einfach zu wenige gebe.

Röhm dagegen betonte, es fehle nicht an Freiwilligen, aber man sollte sie auch bei ihren Aufgaben unterstützen, sie dafür befähigen. Sachs wies darauf hin, dass sich das Ehrenamt verändert habe, die Menschen sich häufig nur projektbezogen engagieren wollen. Man müsse genauer hinschauen, wer was einbringen könne.

Begegnung auf Augenhöhe

„Ehrenamt mach’ ich“, so Mörike, „wenn es Spaß macht, einen Sinn hat, also der Institution etwas nützt und mich selbst voranbringt.“ Unabdingbar ist für Münzing: „Ehrenamtliche und Hauptamtliche müssen sich auf Augenhöhe begegnen.“ Es sei wichtig, den Ehrenamtlichen „Freiraum und Entscheidungsbefugnisse zu geben“, bewusst zu machen, dass alle „das Evangelium weitergeben dürfen, und dass wir gemeinsam unterwegs sind“.

 In der Fragerunde aus dem Publikum ging es zunächst um die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Mörike fordert da „einen Schritt nach vorne“, Sachs befürwortet eine Segnung, aber nicht im öffentlichen Gottesdienst, Münzing ist für „eine Segnung, dort wo es möglich ist“. Röhm betonte „Segnung ja, Trauung nein“. Weg von der pfarrerzentrierten Kirche hin zu einer gemeindezentrierten? Wie stehen die Kandidaten dazu, war eine weitere Fragen aus den Zuhörerreihen. Da sei man schon auf einem guten Weg, meint Maike Sachs, plädierte für eine Gemeinde auf Augenhöhe. Für Kai Münzing steht außer Frage, dass fürs Leben in der Gemeinde gilt: „Wir können alle Kirche sein.“ Röhm dazu: „Das Pfarrhaus ist mitten im Dorf. Wenn der Pfarrer es verlässt, dann ist er mitten in der Gemeinde. Wir müssen den Pfarrer nicht ersetzen, sondern entlasten.“

 Neben den Ansichten der Kandidaten zu Ökumene und interreligiösem Dialog interessierten sich die Besucher auch für den Themenkomplex „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Münzing erklärte, wie wichtig ein gerechter Friede sei, für den man sich aber auch einsetzen müsse. Die Bewahrung der Schöpfung ist für Röhm das wichtigste, dafür müsse man mit allen im Gespräch bleiben. Schuldzuweisungen, zum Beispiel in Richtung Landwirte, brächten nichts.

Die Kirche müsse Stellung beziehen, sich in Diskussionen einmischen, etwa beim Klimawandel, ist für Mörike wichtig. „Das sind alles biblische Themen“, so Sachs, „deshalb ist es gut, wenn die Kirche ihre Stimme erhebt“. Sie ist überzeugt, dass sich die Menschen für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, „wenn sie eine Beziehung zu Gott haben“.

Evangelische Christen wählen am 1. Dezember


Am 1. Dezember  finden in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Kirchenwahlen statt. Neben den örtlichen Kirchengemeinderäten werden die Synodalen der Landessynode gewählt. Im Wahlkreis Bad Urach-Münsingen sind ein Theologe und zwei Laien zu wählen. Um die drei zu vergebenden Sitze bewerben sich zwei Theologen und drei Nichttheologen.
Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hat derzeit 98 Mitglieder, darunter 30 Pfarrer und 60 Laien. Die Wahl zur Landessynode und zu den Kirchengemeinderäten findet alle sechs Jahre statt. Wahlberechtigt sind alle evangelischen Gemeindeglieder ab 14 Jahren.