Für Edmund Friedl hat dieses 50-jährige Jubiläum eine ganz besondere Bedeutung. Schließlich war er damals Mitbegründer des Jugendkreises und blickt heute auf eine Entwicklung zurück, an der mehrere Generationen beteiligt waren. „Wir hatten damals einen sehr aktiven Pfarrer, der allerdings keinen guten Draht zu den Jugendlichen herstellen konnte. Dennoch lag ihm die Jugendarbeit sehr am Herzen. Also hat er nach Leuten geschaut, die das übernehmen konnten“, erinnert sich Friedl.

Er war einer von jenen, die sich angesprochen fühlten und die Begeisterung der Jugendlichen aus dem Umkreis aufgriff, nachdem diese sich 1969 von einer Zeltevangelisation der Deutschen Indianer Pioniermission DIPM und von einer Freizeit inspirieren ließen. Rund 20 junge Menschen äußerten den Wunsch, sich regelmäßig zu treffen, um über ihren Glauben zu sprechen, miteinander zu singen und Gemeinschaft zu erleben. Zunächst trafen sie sich jeden Montagabend, später wichen sie auf den Samstagabend aus, um länger beieinander sitzen zu können. „Das Gefühl des Miteinanders war sehr stark“, erinnert sich Friedl. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

In guten Zeiten kamen oft bis zu 80 Jugendliche zusammen, heute sind es in der Regel bis zu 60 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren, die untereinander und zu Jesus eine lebendige Beziehung führen. Das Erfolgsrezept liegt auf der Hand: „Nie hat ein Pfarrer oder ein Jugendreferent den Jugendkreis geleitet. Vielmehr waren es immer die Jugendlichen selbst, die in Eigenverantwortung ein Leitungsteam zusammengestellt und jeden Teilnehmer in den Ablauf miteingebunden haben. Etwas Vergleichbares gab es sonst nirgends“, erzählt Eberhard Stäbler, der in jungen Jahren ebenfalls im Jugendkreis aktiv war. Die Altersspanne war nie ein Problem, ganz im Gegenteil. „Die Jüngeren lernen von den Älteren und die Älteren bleiben durch die Jüngeren jung“, berichtet der katholische David Arnold aus Oberstetten, 22 Jahre alt und seit sieben Jahren im evangelischen Jugendkreis aktiv. „Wer hierherkommt, übernimmt immer eine Aufgabe und bringt sich ein. Daran kann jeder persönlich wachsen.“

Für ihn sei es stets schön gewesen zu sehen, mit Gleichaltrigen seinen Glauben teilen, hier habe er eine innere Heimat gefunden. Für die 19-jährige Miriam Werz ist es vor allem der Jugendchor, der sie zum Mitmachen inspiriert. Seit fünf Jahren singt sie hier, doch sie nimmt auch an den alle zwei Jahre stattfindenden Sommerfreizeiten, an den jährlichen Skiausfahrten, an Pfingstjugendtreffen und an den Silvester-Singfreizeiten teil. Überhaupt ist der Jugendkreis sehr vielseitig aufgestellt und spricht mit Fußballmannschaft und Jugendcafé unterschiedlich interessierte Jugendliche an. Für den 17-jährigen Aaron Feder hat dies mit der Lebenseinstellung zu tun, er bezeichnet die Zugehörigkeit zum Jugendkreis als „persönlichen Gewinn“.

Als Pfarrer Stefan Mergenthaler vor acht Jahren zur evangelischen Kirchengemeinde Bernloch-Meidelstetten kam, staunte er über die lebendige Jugendarbeit, die hier nahezu zelebriert werde. Immer dann, wenn er eingeladen wurde, schaute er samstagabends beim Treffen vorbei. „Der Jugendkreis braucht jedoch keine Kontrolle. Er ist eine selbständige Organisation, aber auch ein Teil der Kirchengemeinde, der sich immer wieder aktiv und vielseitig in das Gemeindeleben einbringt“, lobt der Pfarrer. Und er weiß, wie froh Eltern sind zu wissen, „dass ihre Kinder den Samstagabend sinnvoll in guter Gesellschaft verbringen“.

Dabei gibt es ein festes Programm mit gemeinsamem Singen und Beten, Bibelarbeit und Erzählrunde, aber auch im Anschluss die Gelegenheit, zusammen zu sitzen, zu spielen und sich zu unterhalten. Was früher „positiver Beitrag“ hieß, bedeutet heute „Tisch in d`Mitt“ – und alle sind dazu eingeladen.

Dass der Jugendkreis nunmehr 50 Jahre Bestand hat liegt wohl auch daran, dass stets der Stab von einer Generation zur nächsten übergeben worden ist. Auftakt des Jubiläumswochenendes ist am Freitag, 20. September um 20.30 Uhr mit einem Lobpreiskonzert mit „SoulDevotion“, die mit modernen deutschen Lobpreisliedern und alle Altersgruppen ansprechen will.

Am Samstag, 21. September, beginnt das Fest um 14 Uhr. Neben Begrüßung sowie Kaffee und Kuchen gibt es eine Lobpreiszeit und einen geistlichen Impuls mit Pfarrer Stefan Mergenthaler samt Band und Martin Buchsteiner, Leiter der Bibelschule „Tauernhof der Fackelträger“, der über die Dynamik des Glaubens spricht. Nach dem gemeinsamen Abendessen werden die vergangenen 50 Jahre in den Blick genommen, Erfahrungen ausgetauscht und die heutigen Schwerpunkte dargelegt.

Der sonntägliche Festgottesdienst um 10.30 Uhr wird von Pfarrer Mergenthaler und Martin Buchsteiner zelebriert und vom Jugendchor und der Band Intention musikalisch umrahmt.

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