Der ehemalige geschäftsführende Dekan des Kirchenbezirks Bad Urach-Münsingen, Michael Scheiberg und der Leiter des Samariterstifts Grafeneck, Markus Mörike, sind die Kandidaten des Wahlbündnisses von Evangelium und Kirche und der Offenen Kirche im Kirchenbezirk. Mörike war Mitglied der zu Ende gehenden Synodalperiode, er war dort Vorsitzender des Ausschusses für Diakonie: „Wir konnten als Ausschuss wichtige diakonische Impulse auf den Weg bringen und in enger Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk etwa Initiativen für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose unterstützen und finanzieren. Außerdem haben wir tatkräftig mitgewirkt am Aktionsplan Inklusion, der Menschen mit Behinderungen in die Mitte der Kirchengemeinden nehmen will und konkrete Vorschläge macht wie dies geschehen kann.“

Im Falle seiner Wiederwahl, so Mörike, „würde ich mich dafür einsetzen, dass diese erfolgreichen diakonischen Projekte weitergeführt und innovative neue Ideen zur Unterstützung benachteiligter Menschen aufgegriffen und umgesetzt werden können. Eine gestärkte und tatkräftige Diakonie wird nötiger denn je gebraucht und stärkt unsere Kirche insgesamt.“

Die Klimaveränderung braucht als Antwort ein Umdenken und Umsteuern in der Gesellschaft und dazu muss auch die Kirche ihren Beitrag leisten, ist Mörike überzeugt. Selig wird der Mensch nicht durch Wirtschaftswachstum, Gewinnmaximierung und steigenden Konsum, sondern durch die Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig ist im Leben. „Und dazu hat die Kirche aus dem Evangelium einiges zu sagen“ meint Mörike.

Beruflich leitet Mörike das Samariterstift Grafeneck, eine diakonische Einrichtung, in der Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen betreut und unterstützt werden. Mörike ist außerdem Mitglied im Vorstand des Vereins Gedenkstätte Grafeneck.

Michael Scheiberg ist zweiter Kandidat

Michael Scheiberg war von 2008 bis 2016 zunächst Dekan im damaligen Kirchenbezirk Münsingen und versah dann die Geschäftsführung des mit Bad Urach fusionierten Bezirks. Für ihn sind die mit dem Pfarrplanprozess einhergehenden Herausforderungen der Strukturveränderungen ein schwerwiegendes Thema für die Kirchengemeinden, bei dem er seine im Dekanamt gewonnenen Erfahrungen einbringen möchte. Ihm sei wichtig, dass die Ortsgemeinden gestärkt würden und Kirche entgegen anderen Tendenzen Volkskirche bleibe, „eben Kirche für alle“, sagt er.

Die frohe Botschaft Jesu Christi müsse zu den Menschen gebracht werden. „Christlicher Glaube“, sagt er, „ist nichts für ein Zurücklehnen auf der Zuschauertribüne“. Eine Kirche, die sich an Jesus Christus orientiert, hat Verantwortung wahrzunehmen für die Gesellschaft und die Welt, in der wir leben. „Sie darf sich nicht hinter die Kirchenmauern zurückziehen“ ist Scheiberg überzeugt. Für ihn ist keine Frage: Das „Doppelgebot der Liebe“ – liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst – verbinde Glaube und diakonisches Handeln in untrennbarer Weise.

Und genauso eindeutig ist für ihn, dass die Kirche – und das heißt für ihn: auch die einzelnen Christenmenschen – sich jedweder Form von Diskriminierung verweigern muss, die Menschen ausgrenzt, nur weil sie anders leben, als man selbst es für richtig hält. Denn „Gott hat jeden Menschen unterschiedslos nach seinem Ebenbild geschaffen und liebt alle so, wie sie sind“, ist Scheibergs Überzeugung. „Ich träume eine Kirche“, zitiert er einen Liedvers, „die atmet Jesu Geist und lebt die ganze Hoffnung, die unser Gott verheißt“.

Das Wahlbündnis „Kirche für Alle“ der in der Synode vertretenen kirchenpolitischen Vereinigungen „Evangelium und Kirche“ und „Offene Kirche“ spricht sich im Ernstnehmen der biblischen Botschaft für ein mutiges Eintreten der Kirche für Menschenrechte, Frieden und eine gerechte Weltwirtschaft aus. Sie fordert Offenheit für Schwache und Raum für Vielfalt in unserer Kirche und Gesellschaft. Bewusst soll auch das Gespräch mit Menschen anderer Konfessionen, Religionen und mit Menschen gesucht werden, die konfessionslos sind.