Fahren ohne Führerschein ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Tausend Mal geht’s gut, doch irgendwann sieht man die Polizeikelle. Wie viele Fahrten der 38-Jährige unbehelligt hinter sich brachte lässt sich nicht sagen, doch im letzten Herbst erwischte es ihn nun binnen weniger Tage gleich zweimal. Dabei hatte der Mann einen Führerschein, allerdings hatte er ihn in Kenia gemacht, wo er sich von 2010 bis Mitte 2014 sein Brot verdiente. Ein halbes Jahr behält das kenianische Dokument in Deutschland seine Gültigkeit, dann muss man es umschreiben lassen, wie Amtsgerichtsdirektor Joachim Stahl eingangs der Verhandlung vor dem Münsinger Amtsgericht ausführte.

Das aber hatte der 38-Jährige unterlassen. „Bewusst“, wie er jetzt vor Gericht ausführte. Nachdem in dem afrikanischen Land die Fahrerlaubnis doch recht einfach zu haben ist, eine theoretische Prüfung gibt es faktisch gar nicht, hätte er für die Umschreibung sowohl die, als auch eine praktische Prüfung nach deutschen Vorgaben machen müssen. Und dazu „fehlte ihm einfach das Geld“, wie er sagte.

Der Versuch mag’s wert gewesen sein, allerdings passierte ihm bei der ersten Polizeikontrolle noch ein weiteres Malheur, die Beamten stellten im Blut einen nicht unerheblichen THC-Gehalt fest.

Der Beschuldigte zeigte sich reumütig, Rauschgift habe er allerdings an diesem Tag nicht konsumiert. Das könne höchstens noch ein Rest vom Wochenende gewesen sein, da habe er zusammen mit ein paar Kumpels etwas geraucht.

Bei der zweiten beanstandeten Fahrt ohne Führerschein war er übrigens mit dem Pkw seiner Frau unterwegs. Die hat zwischenzeitlich auch eine Anzeige erhalten, weil sie ihm ihr Fahrzeug überlassen hatte. Der Strafbescheid beläuft sich bei ihr auf 475 Euro. Für das erste Vergehen flatterte ihm ein Gebührenbescheid über 630 Euro ins Haus, zudem erhielt er eine einmonatige Fahrsperre.

Der Blick von Amtsgerichtsdirektor Joachim Stahl in das Straferegister des 38-Jährigen verriet nichts Gutes. 14 Einträge sind dort festgehalten, vor allem auch mehrere exakt wegen des angeklagten Delikts: Fahren ohne Fahrerlaubnis. Und tatsächlich hatte der Mann, wie er ausführte, in Deutschland noch nie einen Führerschein besessen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte in seinem Plädoyer ein Freiheitstrafe von vier Monaten auf Bewährung, dazu eine Geldauflage von 2000 Euro sowie eine einjährige Führerscheinsperre. Weitestgehend folgte der Vorsitzende Richter am Amtsgericht Joachim Stahl den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Aus der Geldstrafe machte er allerdings eine Arbeitsauflage von 60 Stunden, zudem muss der Mann die Verfahrenskosten tragen. Dennoch hatte das Urteil einen monetären Vorteil für den Angeklagten. Der Gebührenbescheid des Landratsamtes wurde aufgehoben, denn „eine fehlende Fahrerlaubnis kann man nicht wegnehmen“, so Stahl, folglich gelten die 630 Euro nicht.