Münsingen Karl-Georg-Haldenwangschule feiert

Die Karl-Georg-Haldenwangschule besteht seit 50 Jahren:  Fürs Jubiläumsfest am kommenden Freitag bauen die Schüler ihren „Charlie-Bus“ aus Holz nach.
Die Karl-Georg-Haldenwangschule besteht seit 50 Jahren:  Fürs Jubiläumsfest am kommenden Freitag bauen die Schüler ihren „Charlie-Bus“ aus Holz nach. © Foto: Bührer-Zöfel Ulrike
Münsingen / Von Ulrike Bührer-Zöfel 19.06.2018

Ohne den „Charlie-Bus“ ginge vieles nicht. Die  Kinder und Jugendlichen der Karl-Georg-Haldenwang-Schule (KGH) müssten zum Beispiel auf  die Ausflüge zu „ihren“ Eseln verzichten. Das neunsitzige Fahrzeug, eine Spende des Fördervereins der Schule,  spielt deshalb auch am Freitag beim Jubiläumsfest (siehe Info unten) eine Rolle. Die Schüler der Hauptstufen I und II bauen ihn aus Holz nach, präsentieren ihn, bunt bemalt, den Besuchern.

 Sowieso wird  schon eine ganze Zeit lang in allen Räumen und Fächern  fürs Jubiläum gebastelt, gebacken, geschrieben, gemalt  und geprobt, beispielsweise das neue Schullied.   Schließlich will die ganze Schulgemeinschaft  zeigen,  wie lebendig  der Alltag, wie vielfältig die Angebote für die 85 Schüler mit unterschiedlichen Handicaps sind.

  Darüber freut sich  auch Peter Glas,  seit 2001 „Lehrer und Schulleiter mit ganzem Herzen“ , jeden Tag, wenn er  das Gebäude betritt:  Eine gut ausgestattete, auch noch nach 25 Jahren moderne Schule, vom Schulträger, dem Landkreis Reutlingen, finanziell großzügig unterstützt.   Das 33-Köpfe zählende Lehrerteam – meist mit Teilzeitstellen –  unterrichtet  in  Klassenzimmern, die entsprechend dem Förderbedarf der Schüler eingerichtet sind. Dazu kommen Ruheräume und natürlich eine Küche. Aus der werden die Schüler mittags verköstigt, denn die KGH ist eine Ganztagsschule.   Selbst ein kleines Schwimmbad gehört zum Haus.

 Mit den  Möglichkeiten  kann die   KGH   Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen  mit sonderpädagogischem Förderbedarf  deren persönliche  Fähigkeiten  stärken, individuell auf sie eingehen und  den besonderen Lernbedürfnissen  gerecht werden, so Glas.  Zeit sich weiterzuentwickeln,  sozial zu integrieren, haben die Schüler  zwölf Jahre lang: Nach vier Jahren Grundschule wechseln sie  für fünf Jahre in die Hauptschule, dann  schließen sich noch drei Berufsschuljahre an.  In denen werden die jungen Erwachsen fit gemacht für den Arbeitsalltag – entweder für einen Platz  in einer beschützenden Werkstatt oder sogar für eine Stelle  auf dem ersten Arbeitsmarkt.  Das klappt immer mal wieder, sagt Glas, auch dank der guten Vernetzung mit Behörden, Firmen und sozialen Einrichtungen.

Kooperation und Inklusion  ist Programm bei der KGH.  Deshalb gibt es auch  Außenklassen. In  der Münsinger Schillerschule,  in Dettingen, Riederich und Glems werden Haldenwang-Schüler in den Unterricht integriert.

Eltern können sich inzwischen frei entscheiden,  ob Kinder mit Handicap eine Regelschule,  wobei Wohnortnähe   da nicht garantiert wird, oder  eine Förderschule besuchen. Gut die Hälfte der Mädchen und Jungen, die eine spezielle Betreuung brauchen, werden  für einen Platz in der KGH angemeldet.  Die Schule, die sich inzwischen auch der Herausforderung stellen muss, Kinder mit Migrationshintergrund aufzufangen,  ist nach wie vor sehr gefragt.

Das war nicht immer so.  Ulrich Eberbach, Rektor der KGH  in ihrer Aufbauphase, musste selbst seine Schüler suchen, reiste dazu über die Dörfer – auf der Alb und im Ermstal.   Neun Schüler waren es dann, die 1968  die vom Landkreis Münsingen  getragene Sonderschule für geistig Behinderte in  Trailfingen besuchten.  Denn zuvor war es nicht selbstverständlich, dass Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen eine Volksschule besuchen durften. Einen Rechtsanspruch auf Bildung gab es für sie nicht. Viele Eltern behielten ihren Nachwuchs einfach zuhause.

Eberbachs  Einsatz war erfolgreich. Schon 1972 gab es so viele Anmeldungen, dass ein weiterer Schulstandort – in Seeburg – eingerichtet werden musste. Unter Rektor Martin Lerner, der 1981 die Schulleitung von  Richard Hohnerlein übernommen hatte,   bekam die KGH einen Neubau: Schüler und Lehrer zogen  1993 ins Gebäude in der Beutenlaystraße 10 in Münsingen  ein.

 Übrigens: Die KGH ist heute auch Ausbildungsschule, und zwar für  Fach- und Technische Lehrer. Sonderschulpädagogen können dort ihr Referendariat machen. Und: Es gibt Plätze für junge Menschen, die ein Freiwillig Soziales Jahr absolvieren. Ohne sie ist der Alltag kaum zu stemmen. Deshalb sind FSJler gefragt: „Wir haben fürs nächste Schuljahr noch einige Stellen frei“, sagt Glas. Und eine Erfahrung, auf die er stolz ist: Viele der FSJler, die an der Schule waren, entscheiden sich später  für einen Beruf im sozialpädagogischen Bereich.

Schulfest, Ausstellung und Festschrift

Zum 50-jährigen Bestehen der Karl-Georg-Haldenwang-Schule  stellen Lehrer,   Eltern, Schüler und FSJler eine Ausstellung auf die Beine. Das Motto: „Eine Reise durch fünf Jahrzehnte“–  Mitmachangebote und Überraschungen –  erwarten die Besucher am Freitag, 22. Juni, ab 13 Uhr in der Schule.  Auch das Theater „EinzigArtig“, in dem viele Ehemalige  mitspielen,  hat einen Auftritt, und zwar mit dem Stück „Heiter kommt weiter. Der Wurstsalat ist leider unter den  Tisch gefallen“. 
Zwischen 14 und 16 Uhr   haben Schulfestbesucher die Möglichkeit, bei Kaffee und Kuchen gemütlich zu plaudern.
Außerdem  wird die Festschrift/Schülerzeitung angeboten. Lehrer, Eltern und  Schüler  geben dort Einblick in Schulgeschichte und Schulalltag heute. Reich bebildert ist das Heft, 89 Seiten stark.

Bereits  morgens findet in der Alenberghalle ein Festakt statt. Gastredner ist Landrat Thomas Reumann. Darüber hinaus kommen neben Schulleiter Peter Glas auch Schüler zu Wort.

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