Hilfe Johannes Ruopp will vor Ort anpacken

Johannes und Liline Ruopp zeigen auf der Karte das meistbetroffene Gebiet im Süden von Haiti. Foto Heike Feuchter
Johannes und Liline Ruopp zeigen auf der Karte das meistbetroffene Gebiet im Süden von Haiti. Foto Heike Feuchter © Foto: Foto Heike Feuchter
Dottingen / Jürgen Kühnemund 13.10.2016
Hurrikan „Matthew“ traf den bitterarmen Karibikstaat Haiti mit voller Wucht. Über Auswirkungen berichtete jetzt der Verein AEHaiti  mit Sitz in Dottingen.

Zerstörung, Überschwemmung, Not und Existenzverlust ließe der verheerende Hurrikan „Matthew“ vergangene Woche auf Haiti zurück. Vor allem die Südhälfte des Karibikstaates, ein von der Infrastruktur her schlecht ausgestattetes Gebiet, hat es besonders getroffen berichtete nun Johannes Ruopp, Vorsitzender des Vereins AEHaiti. Ruopp beendete 1999 seinen anstelle Zivildienst geleisteten Dienst bei Radio Lumière auf Haiti, lebte von 2006 bis 2008 mit seiner haitianischen Frau Liline in Les Cayes und arbeitete dort als Entwicklungshelfer beim Radio.

Zurück auf der Alb stärkten Naturkatastrophen der Vergangenheit  die Verbundenheit zur Heimat von Liline und führten 2011 zur Gründung des Vereins AEHaiti. In den vergangenen Jahren hat sich der Verein die Hilfe für Arme mit dem Aufbau der Radioarbeit als Schwerpunkt zum Ziel gesetzt. Denn Radio ist dort  das wichtigste Informations- Medium und die einfachste Art, einen Beitrag zur Bildung aller Bevölkerungsgruppen zu leisten, weiß Johannes Ruopp als  Ingenieur der Nachrichtentechnik. Aber auch weitere Projekte wie Erdbebenhilfe für die Betroffenen der Katastrophe 2010 hat der Verein erfolgreich gestemmt.

Voller Entsetzen verfolgten die Vereinsmitglieder die jüngsten Katastrophenmeldungen im Karibikstaat, versuchten trotz eingeschränkter Kommunikation durch ausgefallene Strom- und Mobilfunknetze Kontakt zu Freunden und Partnerorganisationen zu bekommen. Die nach und nach sporadisch eintreffenden Nachrichten waren niederschmetternd und zeugten vom Ausmaß der Katastrophe.

Der Wirbelsturm verursachte vor allem in den Slums und ländlichen Gegenden des Südens entsetzliches Unheil: einstürzende Häuser und Bäume richteten immense Schädigungen an  und machten die Menschen obdachlos, die Flutschäden bringen  die Agrarwirtschaft auf Jahre zum erliegen: „Der Süden ist die grüne Lunge des Landes“, weiß Ruopp. Dort wachsen Bananen, Mangos, Ananas, Bananen und Kokosnüsse, die ebenso wie die überschwemmten  Reisfelder wichtige Standbeine der  Lebensmittelversorgung waren.  Dazu kommen mannigfache Probleme mit verendeten Haustieren, welche ertrunken  oder im Sturm umgekommen sind. Diese bergen zusammen mit  dem stehenden Hochwasser und den überschwemmten Trinkwasserbrunnen eine große Seuchengefahr in sich.

Hilfe läuft nur schleppend an

Der Ausfall von Nutztieren und Ernten wird Auswirkungen über Jahre haben und riesige Probleme in der Versorgung mit sich bringen.  Hilfe läuft nur schleppend an, da durch den Wirbelsturm viele Wege des ohnehin nur schlecht ausgebauten und zumeist geschotterten  Straßennetzes zerstört sind. Viele Gegenden sind nur per Pedes, Moped oder Kleinflugzeug zu erreichen,  Nachschub  und Hilfslieferungen können  durch weggeschwemmte Brücken oder Häfen nicht angelangen, Verletzte nicht in Kliniken gebracht werden:  „Die Situation ist hochdramatisch“, erläutert Ruopp. AEHaiti hat über Mitarbeiter vor Ort  erste finanzielle Nothilfe geleistet und stellt zweigleisig Überlegungen für weitere Sofortmaßnahmen an.

Zum einen erwägt Ruopp  eine Reise nach Les Cayes, um das zerstörte Radionetz wieder aufzubauen, zum anderen denkt er  als Kenner von Land, Leuten und Sprache an einen Einsatz als Koordinator, Assistent oder  Übersetzer für  weitere Hilfsorganisationen. Mittel- und langfristig möchte der Verein zusammen mit Partnern und lokalen Organisationen erneut gezielt Hilfe vor Ort leisten, um die Lebensgrundlagen wieder herzustellen, bei Wiederanschaffung von Tieren und Saatgut tätig werden, Brunnen instandsetzen, beim Wiederaufbau von Häusern helfen, Werkzeug beschaffen… die Liste ist unendlich, die Mittel begrenzt und das Setzen von Prioritäten eine Herausforderung.                                                                                                                                                                                              

Spendenadresse für Hilfen für Haiti

Wer die Arbeit von AEHaiti unterstützen möchte hat folgende Möglichkeiten: Spenden mit dem Stichwort „Haiti Nothilfe“ bei der KSK Ludwigsburg, Kontoinhaber AEHaiti e.V., IBAN DE 66 60450050 0030 100 190. Ebenso können bei Online-Einkäufen über die Internetplattform  „boost-projekt“ Provisionen der Shops an AEHaiti gespendet werden. Alle Spenden werden zu 100  Prozent in Haiti eingesetzt.

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