Veranstaltung Ist medizinisches Versorgungszentrum die Lösung?

Die beiden Vorsitzenden Axel Henle und Christoph Selg, Bürgermeister Marcus Schafft und Wirtschaftsförderer Alexander Leitz (von links), kämpfen weiter für ein Riedlinger Gesundheitszentrum.
Die beiden Vorsitzenden Axel Henle und Christoph Selg, Bürgermeister Marcus Schafft und Wirtschaftsförderer Alexander Leitz (von links), kämpfen weiter für ein Riedlinger Gesundheitszentrum. © Foto: Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen / Waltraud Wolf 24.02.2018

Riedlingen und sein Umland setzen ihre Hoffnung in Sachen Gesundheitsversorgung jetzt auf ein medizinisches Versorgungszentrum, nachdem die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KV) Riedlingen keine  Sonderzulassung für zwei internistische Fachärzte gewährt hat. In diesem Fall müsste ein Träger eine solche Zulassung beantragen und die Ärzte wären nicht selbständig, sondern angestellt, so zum Beispiel bei der Sana-Kliniken Landkreis Biberach GmbH.

Auch die Bürgerinitiative Freundeskreis zum Erhalt der Riedlinger Klinik bemüht sich um potenzielle Ärzte, nachdem die beiden Mediziner, die in Riedlingen in der Sana-Klinik praktizieren und – weil Vorschrift –  nur eingeschränkt auch ambulante Sprechstunden anbieten, nach der Absage ihren Rückzug bekundet haben. Dabei hatte sich die Stadt mit der Beauftragung einer Fach-Anwaltskanzlei in Stuttgart bei ihrem Widerspruch finanziell eingebracht und die bisher entstandenen Verfahrenskosten getragen. Beklagt wird eine „ungeschickte Vorgehensweise bei der Gewinnung von Fachärzten“ durch die Sana, wodurch ein großer Zeitverlust entstanden sei.

Bei einer Zusammenkunft der Bürgerinitiative am Mittwochabend betonten deren Vorsitzender Christoph Selg und sein Stellvertreter Axel Henle die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die ihren Aufgaben nachgekommen sei, und zählten auf, was in den vergangenen Monaten unternommen worden ist, angefangen von Gesprächen mit Kreisräten des westlichen Landkreises Biberach und darüber hinaus. Ihr Eindruck: Die Stimmung im Biberacher Kreistag gegenüber dem Anliegen der Riedlinger in Sachen Gesundheitszentrum ist eine bessere als in der Vergangenheit.

Wirtschaftsförderer Alexander Leitz  wertete zudem die Kooperationsgemeinschaft mit den Gemeinden Zwiefalten und Pfronstetten über jene der Raumschaft Riedlingen hinaus als großen Erfolg. Dass Riedlingen die Gesundheitsversorgung für 50 000 Einwohner zu leisten hat, sagte er und machte damit die Bedeutung deutlich. Kommunen seien die klassischen Träger eines medizinischen Versorgungszentrums, informierte Leitz, und brachte hier den Landkreis Biberach ins Spiel als „Primärkommune“, sollte es mit der Sana nicht gelingen. Den Landkreis mit einem Anteil von 25 Prozent an den Sana-Kliniken Landkreis Biberach sah man hier in der Pflicht und verwies auch auf Aussagen  2012 in einer von ihm verfassten Broschüre. Er müsse sich seiner Rolle als „Beifahrer“  bewusst sein, forderte Selg.

Den Gemeinderat der Stadt Riedlingen bat er, die Priorität eines Gesundheitszentrums beizubehalten. Er räumte das damit einhergehende Risiko ein, doch man brauche die Vorleistung. Betont wurde, dass die Deadline 2019 für die Klinik in Riedlingen in ihrer bisherigen Struktur – die Inbetriebnahme des Klinik-Neubaus in Biberach – „weg“ müsse. Das Ziel sei das Gesundheitszentrum nach dem Runde-Konzept. „Man kriegt nur, was man verhandelt“, war das Resümee von Axel Henle. Bürgermeister Marcus Schafft appellierte, in Vertrauen zu investieren.

Was jetzt konkret geschieht, ist die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Gesundheitszentrum mit Pflegeheim, worin die Stadt Riedlingen 100 000 Euro investiert. Beklagt wurde die zögerliche Haltung der Sana, was das Bettenhaus anbetrifft und ausgeführt, dass ein solches für interessierte  Ärzte Voraussetzung für ihr Engagement ist. Aktuell gibt es Bekundungen für sieben Praxen. Ohne Bettenhaus sei alles mit einem Fragezeichen behaftet, ließ Christoph Selg wissen, gerade auch, was die sehr gut laufende SI chirurgische Praxis und Sportklinik betreffe.  Was klar ist, einen Supermarkt wird es dort nicht geben, aber eine Versorgungseinrichtung, so Leitz.

Auf ein Problem bei der Nachsorge nach einem Krankenhaus-Aufenthalt vor allem alleinstehender Menschen wies Stadtrat Josef Martin hin, wenn sie sich noch nicht alleine versorgen können. Hierfür müssten Strukturen geschaffen werden. Gespräche mit dem Landkreis sollen zu einer durchgehenden Notarztversorgung geführt werden. Er sei hier in der Pflicht.

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