Dass der Hund vom Wolf abstammt, war den meisten Kindern, die aus Dettingen, Donnstetten und Münsingen kamen und am Programm der Hector-Kinderakademie teilnahmen, bereits bekannt. Unter dem Begriff "Vom Wolf zum Hund" sollte dieser Kurs aus dem naturwissenschaftlichen Bereich der Hector-Akademie aber noch bedeutend genauer über den Wolf und den Hund informieren. Dazu waren die Kinder zu einer außerunterrichtlichen Veranstaltung an die Astrid-Lindgren-Schule nach Münsingen gekommen.

Warum der Wolf ausgestorben war, warum er nun wieder zu uns einwandert, dass einzelne Wölfe bereits in Baden-Württemberg unterwegs waren und wie der Schutzstatus des Wolfes ist, war den meisten Kindern dann doch neu. Noch spannender waren aber für die Kinder die eher praktischen Fragen nach dem, was der Wolf frisst, wie er lebt und wie man sich verhalten soll, wenn man einem begegnet.

Andrea Klemer (45), selbst Mutter von drei Kindern und Wolfsbotschafterin beim NABU, leitete das Kursangebot und konnte den Kindern das Thema anschaulich erläutern. Hauptsächlich ernährt sich der Wolf von jungen, kranken oder alten Rehen, Wildschweinen und anderen Tieren des Waldes. Die kleinen Wolfswelpen kommen in einer Erdhöhle zur Welt und Wölfe verständigen sich durch ihr Wolfsgeheul. "Wahuuuuuu!" war es dann auch lautstark zu hören, als die Kinder das Wolfsgeheul imitierten. Aber weder die lebensgroßen mitgebrachten Pappwölfe, noch Hund Fido, wollten so recht mitheulen. Fido wollte lieber bellen - ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Hund und Wolf. Und ein Hund kann zweimal im Jahr Nachwuchs haben, Wölfe nur einmal, so Andrea Klemer.

Was man aber an einem Hund prima zeigen kann, ist das kräftige Gebiss und die großen Eckzähne, sowie die Pfoten, die die Kinder anfassen durften. Diese fühlten sich an wie kleine weiche Lederkissen. So ähnlich seien Gebiss und Pfoten auch beim Wolf, nur größer. Der Gang des Wolfes sei etwas anders: Auf Bildern konnten die Kinder sehen, wie ein Wolf Spuren des "geschnürten Trabes" hinterlassen hatte.

"Wie soll man sich nun verhalten, wenn man je einem Wolf begegnet?", war dann auch eine der Fragen, die an die Kinder gestellt wurde und bei der es dann ziemlich still wurde. "Ich würde mich freuen und fotografieren", war dann eine eher humorvolle Kinderantwort. "In jedem Fall ruhig bleiben und nicht wegrennen! Meistens ist der Wolf sehr schreckhaft und läuft schon weg, wenn er uns hört, sieht oder riecht. Die neugierigen Jungwölfe normalerweise spätestens dann, wenn wir in die Hände klatschen", ergänzte Andrea Klemer die Reihe der Antworten. Menschen stünden nicht auf dem Speiseplan des Wolfes, der Mensch sollte andersherum auch keinesfalls versuchen, den Wolf durch Speisereste anzulocken oder zu füttern. "Um den Wolf zu schützen, muss der Wolf wild bleiben."Beim zweiten Teil des Angebotes ging es dann praktischer zu: Um zu sehen, wie ein wolfssicherer Schafszaun aussieht, wurde draußen auf der Schulwiese ein drei Meter langer und 1,2 Meter hoher Beispielzaun aufgebaut. "Wichtig ist, dass der Wolf nicht drunter durch kommen kann, denn er gräbt sich lieber unten durch, als dass er oben drüber springt,", zeigte Andrea Klemer, direkt am aufgebauten Elektrozaun. Trotzdem sollten zusätzlich zur Sicherheit ausreichend Spannung auf dem Zaun und Flatterbänder an der obersten Litze angebracht sein. Der Aufbau eines wolfssicheren Zaunes erfordert deshalb einen deutlichen Zusatzaufwand. Diese Art von Zäunen würden in Wolfsgebieten dann von den Schäfern möglichst in Kombination mit speziellen Herdenschutzhunden genutzt werden. Die Herdenschutzhunde, welche sehr groß und respekteinflößend aussehen, wachsen schon als Welpen mit den Schafen im Stall auf und beschützen die Herde.

Was denn passiere, wenn der Wolf trotzdem mal ein Haustier erwische, wollten die Kinder wissen. "Sollte es durch einen Wolf doch mal einen Haustierriss geben, so gibt es nach der Überprüfung für den Landwirt oder Schäfer eine Entschädigung", so Andrea Klemer.

Zum Abschluss durften die Kinder dann einen selbst entworfenen Hundegeschicklichkeits-Parcours aufbauen und Fido zeigte, was er kann. Zurück im Schulhaus erhielten die jungen Teilnehmer dann noch jede Menge Informationsmaterial über den Wolf und eine Teilnahmeurkunde der Hector-Kinderakademie.

Besondere Lernangebote in der Hector-Kinderakademie

Durch großzügiges Sponsoring von Hans-Werner Hector, eines Mitbegründers des Softwarekonzerns SAP, wurden in Baden-Württemberg Fördermöglichkeiten für besonders begabte Mädchen und Jungen im Grundschulalter geschaffen. Unter der Regie des Kultusministeriums können landesweit in den Hector-Kinderakademien - eine davon ist die in Hülben-Münsingen - die besonderen Begabungen und Interessen von Mädchen und Jungen gefördert werden.

Sie bieten einen Einstieg in neue und vorhandene Wissensgebiete und erweitern das in der Grundschule erworbene Basiswissen durch besondere Lernangebote, die den Entdeckerdrang und Forschergeist der Kinder anregen.

Info www.Kinderakademie-Huelben-Muensingen.de

SWP