Münsingen Im Wasser gibt es kein Halten mehr

 Die Kinder fühlten sich im Schwimmbad der Haldenwangschule in Münsingen sichtlich wohl.
Die Kinder fühlten sich im Schwimmbad der Haldenwangschule in Münsingen sichtlich wohl. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Münsingen / Sabine Zeller-Rauscher 13.06.2018

Mit voller Konzentration richtet Jannis in der Alenberghalle von seinem Rolli aus den Blick auf den roten Luftballon, den er von Diplomsportlehrer Kim Laudage mit dem Tennisschläger zugespielt bekommt. Auch Sportskanone Luis, der mit dem Down Syndrom geboren wurde, spielt den sportbegeisterten Burschen mit einem breiten Grinsen im Gesicht gleichzeitig an. Vorhand, Rückhand und der Luftballon wird zumindest getroffen.

Auch wenn jeder einzelne der Jugendlichen, seine ganz besondere, ganz eigene Geschichte in sich trägt, fühlen sie sich im Sport sichtbar vereint. Nicht anders eine Stunde später bei der Anfängerschwimmgruppe im wohltemperierten Schwimmbecken der Karl-Georg Haldenwangschule. Schnell wechseln Laudage und seine Kollegin Lea Lauppe ihre Trainingsanzüge gegen Schwimmkleidung aus. Hannes und Lorenz, können es wie die anderen Kinder kaum erwarten, bis endlich die Tür zum Umkleideraum aufgeschlossen wird.

Kaum sind die Kids mit dem Element Wasser in Berührung, gibt’s kein Halten mehr. Wildes Gespritze wechseln sich mit einem herzergreifenden Strahlen, das über beide Backen zieht, ab. Kaum sind Kim und Lea im Wasser, werden die Rücken derer erklommen, um sich spielerisch, ganz ohne Druck, mit dem nassen Element vertraut zu machen.

Zwei klasse Sportangebote, die die Inklusion zum Ziel haben. Ein häufig gebrauchter Begriff, der eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass jeder Mensch sich ganz natürlich in einer Gruppe zugehörig fühlen kann, egal ob mit oder ohne Handicap. Bislang mischen noch ausschließlich Kinder und Jugendliche mit Handicap mit. Und genau das soll sich mit dem Ziel des tatsächlichen Inklusionssports, in dem Menschen mit und ohne Behinderung miteinander trainieren können, ändern.

Das Angebot ist also offen für alle, die einfach Spaß an der Bewegung haben. Berührungsängste dürften, wenn überhaupt vorhanden, nicht allzu lange andauern, denn rund um den Globus zeigt sich immer wieder, dass der Sport völlig problemlos verbindet.

Die Initialzündung für die Angebote gab der Sportkreis Reutlingen, der das Rad zwar nicht neu erfinden wollte, aber kompetente Ansprechpartner ins Boot holte, um ein gutes Gesamtpaket zu schnüren.

Karl-Heinz Walter, der Sportkreisvorsitzende zeigte sich beim Pressegespräch sichtbar begeistert über das Angebot, mit dem jetzt auch auf der Münsinger Alb ein großer Schritt in Richtung Inklusionssport machbar wurde. Dem ganzen ging eine rund einjährige Planungsphase voraus, wie von Albrecht Tappe dem Geschäftsführer der TSG Reutlingen Inklusiv und von Dr. Martin Sowa, der sich in 40 Jahren „Inklusionssport-Kampf“, weit über die Grenzen von Reutlingen hinweg, einen Namen gemacht hat, zu erfahren war.

Viel gab es zu organisieren. Am einfachsten dürfte dabei das Motivieren der Sportler gewesen sein. Geeignete Räumlichkeiten, die leider nicht wie Sand am Meer vorhanden waren, galt es zunächst zu finden, wie auch Finanzierungsmittel für die hauptamtlichen Sportlehrkräfte.

Wie in anderen Bereichen auch, hat sich der Slogan „Die Polizei, dein Freund und Helfer“, auch im Inklusionssportangebot bewahrheitet. Rebecca Hummel, Inklusionsbeauftragte der Stadt Münsingen, richtete jetzt ihren Dank an die Polizeisportgruppe, die ihre sportbezogene Betriebszeit umorganisierte, um den Platz in der Alenberghalle zur Verfügung zu stellen. Eine ordentliche Finanzspritze, ausschließlich für den Inklusionssport, stellte ein Unternehmer aus dem Landkreis Reutlingen, der seinen Namen nicht nennen will, bereit. Weiter wird das Angebot mit Mitteln des Sportkreises finanziert. Mit im Boot ist auch die TSG Münsingen, deren Vorstand Frank Bob, sich zum einen als Sportvereinsvorsitzender, zum anderen als Vater zweier behinderter Kinder begeistert und dankbar über das Angebot, durch welches zudem noch zwei weitere Sportangebote im Samariterstift Grafeneck angeboten werden konnten, zeigte.

Sportkreis, TSG Münsingen und die TSG Reutlingen Inklusiv hoffen darauf, dass sich noch Kinder und Jugendliche ohne Handicap finden, die dem Sportangebot quasi ein inklusives Sahnehäubchen aufsetzen.

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