Münsingen Im Stadtleben ankommen

Am Donnerstag ziehen die Bewohner ins Haus der Samariterstiftung am Brombeerweg ein.
Am Donnerstag ziehen die Bewohner ins Haus der Samariterstiftung am Brombeerweg ein. © Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Münsingen / ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL 03.09.2015
Die ersten Umzugskartons stehen schon in den Zimmern. Am Donnerstag kommen die Bewohner: Sie ziehen von Grafeneck ins neue Wohnprojekt der Samariterstiftung in der Münsinger Parksiedlung.

Nach knapp zwei Jahren Planung und Bauzeit wird jetzt Brombeerweg 2 die Adresse von 24 Menschen mit Behinderung. In zwei der drei miteinander verbundenen Häuser sind 16 Menschen mit einem „höheren Hilfsbedarf“ untergebracht, die stationär betreut werden, im anderen acht Männer und Frauen in ambulanter Wohnform. Die Zimmer sind bereits verteilt, die Wohngemeinschaften gebildet, die Klienten aus Grafeneck ziehen am nächsten Donnerstag ein, die Bewohner aus Münsingen dann so nach und nach.

Mit dem Projekt – Kostenpunkt 2,5 Millionen Euro, ein knappes Drittel davon über Landeszuschuss finanziert – geht jetzt auch die Samariterstiftung neue Wege. Zum einen mit der gemischten Wohnform, zum anderen mit den kleinen Wohneinheiten. Im Haus gibt es Ein- und Zweizimmerappartements. Die Zeiten, so Dienststellenleiter Markus Mörike, in denen die Klienten zu viert oder gar zu fünft in einem Zimmer gewohnt haben, sind längst vorbei. Das habe häufig zu Konflikten geführt, sich nicht bewährt, ebenso wenig wie große Gemeinschaftsräume. Die gibt es deshalb im Brombeerweg nicht.

Küche und Bad gehören zum Appartement. Je nach Fähigkeiten sollen sich die Bewohner mit Alltagsarbeiten wie putzen, kochen, einkaufen eine selbstverständliche Tagesstruktur geben. Das wird zusammen mit den Betreuern trainiert. Denn ein Ziel im Brombeerweg ist, dass in drei Jahren einige der Bewohner das Leben mit weniger Betreuung meistern, den Übergang ins ambulante Wohnen schaffen. „Ein Wagnis, sagt Mörike, „wir wissen nicht, ob es gelingt“.

Auch die Abendgestaltung ist Sache der Männer und Frauen. Ob sie nun allein auf ihren Zimmern bleiben und fernsehen, sich dort mit anderen treffen oder am Kultur- und Vereinsleben teilnehmen. „Wir hoffen“, so Mörike, „dass sie die Münsinger Angebote nutzen“.

Die Männer und Frauen vom Brombeerweg sollen so nach und nach im „Stadtleben, im Sozialraum Münsingen“ ankommen, über Kontakte vielleicht sogar einmal eine eigene Wohnung finden. Denn das Projekt in der Parksiedlung ist als „Übergangslösung“ geplant, ein Schritt hin weiter „in Richtung Vision der Inklusion“, betont Mörike.

Auch wenn die Planungen an den Bedürfnissen der Menschen, die meist eine geistige Behinderung haben, ausgerichtet wurden, gibt es „bestimmt noch Einiges zu korrigieren, muss sich Vieles einrütteln“, sich die Bewohner an die neuen Lebensumstände gewöhnen. Dann soll es auch ein Einweihungsfest geben, voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres.

Insgesamt 13 Mitarbeiter in Teilzeit und im Schichtdienst kümmern sich um die Betreuung der Klienten. Dazu gehört auch die sogenannte „Nachtschlafbereitschaft“. Das heißt: Ein Mitarbeiter ist immer im Haus und für die Frauen und Männer erreichbar.