Wer gelegentlich gerne an der Hüle in Pfronstetten entlangschlendert, der hat dort sicher schon die jüngsten Neuankömmlinge entdeckt. Seit nunmehr sieben Wochen tollen in Sharleena Hausers Garten zehn wunderschöne Welpen umher. Fünf Weibchen und fünf Männchen und dabei ist ein Mini-Hund drolliger als der andere. Sie spielen mit anderen Hunden, fressen, trainieren ihr Gleichgewicht auf der Wippe und werden von ihrer Mama Sunny – und natürlich vom liebevollen, stolzen Frauchen – erzogen. „Wichtig für die Entwicklung der Kleinen ist, dass sie mit vielen Hunden unterschiedlichen Alters in Kontakt kommen“, berichtet die Züchterin. Durch die Treffen mit ihren Artgenossen und die Vielfalt lernen die Welpen die Grundregeln der Sozialisation und den Umgang miteinander.

Schließlich sollen die von Hauser neckisch „Schlimmis“ genannten Tierbabys zu glücklichen und wohlerzogenen Vertretern ihrer Art heranwachsen. Die putzigen Fellnasen sind nämlich alles andere als kleine Schoßhündchen: es handelt sich um Holländische Schäferhunde. Die ausgewachsenen Tiere, die dem Erscheinungsbild eines Wolfes sehr nahekommen, sind muskulös und kräftig und gehören zu den mittelgroßen bis großen Rassen. „Vom Wesen her sind sie lebhaft und intelligent. Daher lautet die Definition auch: Sport- und Gebrauchshund“, erklärt die Expertin. Die vielseitigen Multitalente müssen arbeiten. Im Regelfall kommen die erwachsenen Hunde als Such- und Fährtenhund oder als Polizeihund zum Einsatz oder sie machen Karriere als Flächen-, Trümmer- oder Blindenhund. Die Haltung ist anspruchsvoll. „Wer einen Hund sucht, mit dem er drei Mal pro Woche joggen gehen möchte, der soll sich bitte einen Labrador zulegen“, sagt die Hundeliebhaberin und nimmt damit gerne in Kauf, dass manch Interessent gekränkt ist. Aber auch wenn Sharleena Hauser sich die künftigen Besitzer ganz genau anschaut und telefonisch wie auch persönlich beurteilt, fließen noch immer bei jedem Vierbeiner, der sie verlässt, die Tränen. „Dennoch muss es einfach sein. Nach einigen Wochen spürt man, dass man den Welpen nicht mehr gerecht werden kann. Sie wollen die Welt entdecken.“

Ein echtes Naturtalent

„Schon als kleines Mädchen im Kindergartenalter hat Sharleena unserem Schäferhund Essen gekocht und mit ihm im Zelt geschlafen. Diese Leidenschaft war bei ihr schon immer sehr ausgeprägt“, weiß auch ihre Mutter Biggi, die für die 29-Jährige stets ein wichtiger Pfeiler im Leben ist. „Meine Eltern unterstützen mich immer ganz toll. Ich musste zwar erst etwas Vernünftiges lernen, trotzdem haben die beiden immer fest an mich geglaubt“, freut sich die ausgebildete Bürokauffrau. So richtig glücklich war sie in ihrem Job beim Steuerberater allerdings nie: „Ich wollte seit jeher mit Hunden arbeiten.“ Hauser, die von klein auf mit Hunden aufgewachsen ist, widmete sich früh dem Hobby Hundesport und besuchte regelmäßig Seminare. Mit 18 Jahren legte sich das Mädchen ihren ersten eigenen Hund und gleichzeitig die Stammhündin der heutigen Zucht zu. Lange hatte sich die junge Frau mit der für sie optimalen Rasse auseinandergesetzt. „Temperamentvoll und sozialverträglich sollte das Tier sein, geeignet für den Rettungseinsatz und dennoch alltagstauglich. So traf sie bei einer Fortbildung zufällig auf eine Züchterin Holländischer Schäferhunde und wusste, dass diese Hunde perfekt für sie sein werden. Rasch baute sie ihre Expertise auch für andere Rassen weiter aus und etablierte sich als Hundetrainerin. Dabei ist es wichtig, neben dem Fachwissen und dem Gespür für die Tiere auch eine große Portion Empathie mitzubringen. Schließlich liegt es oft an privaten Problemen, warum die Erziehung des kleinen Freundes nicht so richtig klappt. „Ich konnte mich schon immer gut in andere Menschen hineinversetzen und diesen gut vermitteln, welcher Weg der optimale ist“, so Hauser.

Den ersten eigenen Wurf wagte sie im Jahr 2013, inzwischen folgten sechs weitere. Sharleena Hauser ist Mitglied des Holländischen Schäferhund Club Deutschland e. V. (HSCD), der dem
Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) untergeordnet ist und regelmäßig überprüft, ob die strengen Regularien im Hinblick auf Gesundheit, Wesen und Schönheit bei der Zucht eingehalten werden. Insgesamt haben in der Folge bereits 69 Nachzuchthunde das Licht der Welt erblickt – und dies in zahlreichen Ländern der Erde. Die Welpen „von den Hohenheimer Herdern“ sind national und international gefragt. „Von dem 2019er Wurf gingen drei kleine Racker nach Kanada“, freut sich die junge Frau über die vielen Anfragen aus dem Ausland. Auch selbst legt sie großen Wert darauf, neues Blut in die deutsche Zucht zu bringen und bevorzugt daher Deckrüden aus dem Ausland: „Ich hatte schon Kandidaten aus Holland, Frankreich, der Schweiz und aus Tschechien.“
Der Zuchtname ist allerdings keine Fiktion. Die ersten nunmehr drei Jahrzehnte ihres Lebens hat Sharleena Hauser im Stuttgarter Stadtteil Hohenheim verbracht, wo sie bereits sehr mit ihrer Hundeschule ausgelastet war. Spezialisiert ist sie auf Welpen und Junghunde, die Alltagserziehung und die Auslastung wie Nasenarbeit und Longieren. Die erforderlichen Schulungen hat sie absolviert. Nun gilt es, auf dem Laufenden zu bleiben und neue Schüler zu finden. „Meine Lehrgänge sind quasi meine Werkzeugkiste, aus der ich mich bedienen kann. Wichtig sind vor allem neue Impulse und der Austausch mit anderen Hundetrainern“, ergänzt die Tierliebhaberin.
Während die meisten jungen Leute in die hippe Stadt drängen, wollte Sharleena schon immer raus aufs Land. „Ich will in der Natur sein“, schwärmt sie. Auch diesen Traum hat sich die Schwäbin erfüllt, denn seit März hat sie gemeinsam mit ihren sechs eigenen Hunden ihr neues Domizil in Pfronstetten bezogen. Denn selbstverständlich bleiben auch die ausgedienten Zuchthunde bis an ihr Lebensende bei ihrem Frauchen. Das jüngst erworbene Grundstück hat viel Platz für die Tiere und das Haus selbst, das früher einmal als Arztpraxis fungiert hat, bietet beste Bedingungen für Pensionshunde. „Ich habe hier viele kleine Räume, das ist perfekt“, ergänzt Hauser. Maximal vier Hunde nimmt sie gleichzeitig bei sich auf, denn jedes Tier soll individuell betreut werden.
In puncto Ernährung setzt die erfahrene Züchterin auf das Barfen, das sich an den Fressgewohnheiten von Wildhunden orientiert. Dabei wird tiefgefrorenes Rohfleisch mit frischem Gemüse ergänzt und gefüttert. Ihrer Hundegang scheint es zu schmecken, pro Tag verputzen diese in Summe mehr als drei Kilogramm.