Es war eine Geschichte, die viele Leser berührt hat.  Es ging um einen tödlichen Unfall, der sich im Juli 1911 bei Rietheim ereignet hat, um einen Stein mit einer seltsamen Inschrift: „Der Weg zur Ewigkeit ist gar nicht weit. Um 6 Uhr fuhr er fort, um 7 Uhr war er dort.“ Sie ist einem Kind, das damals oft daran vorbeigegangen ist, nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Inge Maier, das Mädchen von damals, ist heute mehr als 80 Jahre alt und lebt in Willmandingen. Sie hat sich an Günter Künkele gewandt, der gründlich recherchiert hat. Er brachte Licht ins Dunkel. Der Stein erinnerte an  Christoph Lenge, der Holz transportiert und in der Schlucht verunglückt ist. Er hat eine Frau und neun Kinder hinterlassen (wir berichteten).

Gelesen hat dies auch Gisela Stumm (85), eine Enkelin von Christoph Lenge.  Ihr Mutter war Rosine Dorothea Ostertag, geborene Lenge, die ihr oft von früher erzählt hat.  „Mein Ähne übernahm regelmäßig Holztransporte. Für den Lebensunterhalt der elfköpfigen Familie reichte die Landwirtschaft mehr schlecht als recht aus, weswegen er sich diesem Zusatzerwerb verdingte. Mein Großvater hatte öfters Aufträge, gegen Fuhrlohn in Kohlstetter oder Gomadinger Wäldern Holz zu holen, um es über die steile Seeburger Steige nach Urach zu liefern.“ Vermutlich hatte der „Holzbauer“ am Montag, 3. Juli 1911, in dem als Holzkammer bekannten großen Waldbereich zwischen Gomadingen, Kohlstetten und Bernloch Stammholz auf seinen Wagen geladen und fuhr damit heim.

Die Zugtiere wurden eingestellt, gefüttert und konnten sich erholen. Christoph Lenge spannte einen Tag später frühmorgens seine zwei Pferde ein. Als er um 6 Uhr mit dem schwer beladenen Wagen losfuhr, ahnte er nichts von seinem baldigen Schicksal. Vermutlich saß er zwischen Wagen und Pferden auf dem Achsenstock, in welchem die Deichsel beweglich angebracht war. Zwischen der Waage des Zuggeschirrs und einem solchen Sitzplatz ging es eng her. Allerdings hatte der Gespannführer die Möglichkeit, schnell abzuspringen. Vom Kutscher aus gesehen, ging der Sattelgaul links und der Handgaul rechts. Das links gehende Pferd war normalerweise dasjenige, das fromm gehorchte und den oft etwas weniger gut zu führenden Handgaul „im Griff“ hatte. Eines der Zugtiere soll gegen 7 Uhr durchgegangen und Christoph Lenge unter die Räder des schwer beladenen, eisenbereiften Wagens geraten sein. Verletzt sei er nach Hause gebracht worden, wo er drei Tage später verstarb.

Holzverakkordierungen und Holztransporte zu einer Jahreszeit, in der bei entsprechendem Wetter die Heuernte eingefahren werden musste, waren damals nicht unüblich; denn es gab auch Regentage, an welchen dann einem anderweitigen Broterwerb nachgegangen werden konnte.  Holzhändler, -aufkäufer und -firmen suchten im Frühjahr Verkaufsveranstaltungen auf, um Holz in verschiedener Qualität und Aufmachung für gewerbliche Zwecke oder als Brennholz zu erwerben.

In den folgenden Wochen und Monaten wurde das eingeschlagene und aufbereitete Holz, sofern es die Bodenverhältnisse zuließen, aus den Wäldern zu den Abnehmern transportiert. Die Fuhrleute hierfür wurden unter anderem per Zeitungsanzeige gesucht. So heißt es im Alb Boten vom Samstag, 25. März 1911: „Von einer Holzfirma sind vom Kohlstetter Revier ca. 250 Festmeter Holz zur Abfuhr zu vergeben. Anträge an die Expedition des Blattes erbeten.“ Am Dienstag, 28. März,  weist das Schultheißenamt der Gemeinde Gruorn ebenfalls in einer Anzeige im Alb Boten unter Amtlichen Bekanntmachungen auf einen umfangreichen Holzverkauf im Rathaus hin. Verkauft werden sollten: 800 Raummeter buchene Scheiter, Prügel und Rauholz, ferner 80 Raummeter fichtene Prügel, darunter zwölf Raummeter forchene, zwei Meter lang, und 4000 Stück buchene Wellen. Allein dieses Beispiel zeigt, dass der Holz- und Brennstoffmarkt vor mehr als 100 Jahren nach Transportkapazitäten verlangte, die aufgrund der steilen Waldwege und Albsteigen stets nicht unerhebliche Risiken bargen.