Gastfreundschaft Hilfe für die Unterstützer

© Foto: Grossmann
Münsingen / 24.04.2014

Auch wenn sich alle mächtig ins Zeug legen – die Unterstützer benötigen dringend Hilfe. Der Münsinger Arbeitskreis Asyl ist auf Rückhalt in der Bevölkerung und Tatkraft angewiesen.

GUDRUN GROSSMANN

Münsingen. Es hört sich gut an, wenn Politiker von notwendiger Solidarität mit Asylsuchenden sprechen, von Menschenwürde, Integration, von Gastfreundschaft und Empfangskultur. Entsprechende Gesetze, wie die „Neuordnung der Flüchtlingsaufnahme“, welche die baden-württembergische Landesregierung Ende 2013 auf den Weg gebracht hat, bilden eine Rechtsgrundlage. Die tatsächliche Umsetzung aber hängt von vielen Faktoren ab. Zuletzt auch von der Bereitschaft in der Bevölkerung, die neuen Nachbarn in ihrer Mitte aufzunehmen.

Münsingen genießt in dieser Hinsicht einen guten Ruf. Das Landratsamt, zuständig für Unterbringung und Sozialbetreuung, setzt auch zukünftig auf diesen Standort. In einem früheren Bürogebäude im Wiesental wurde vor zwei Jahren ein Heim für 25 Asylbewerber eingerichtet, das nahezu komplett belegt ist und später baulich erweitert werden soll. Konkrete Pläne liegen noch nicht vor.

Drei Mehrfamilienhäuser (mit jeweils sechs Wohnungen) in der Kepler- und Lehenstraße, die eigentlich abgerissen werden sollten, sind bereits renoviert oder werden demnächst bezugsfertig. In einem Gebäude haben inzwischen 23 Erwachsene und Kinder ein Zuhause gefunden, zwei Wohnungen unter dem gleichen Dach sollen im Mai fertig sein. In unmittelbarer Nachbarschaft leben zehn Personen, in das dritte Haus werden voraussichtlich in den nächsten Tagen Asylbewerber und vor allem Flüchtlinge aus Syrien einziehen.

Ina Kinkelin-Naegelsbach, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle, Sven Graul, Jugendmigrationsdienst, Katrin Petodnig, Volkshochschule, und Marit Wiest, Arbeitskreis Asyl, kooperieren und vernetzen die Hilfen, betonen aber, dass die anstehenden Aufgaben ohne zusätzliche Unterstützung nicht zu stemmen sind. Wer sich einbringen kann, sollte sich melden. Möglich ist dies zum Beispiel in einer Asyl-Arbeitskreissitzung, nächster Termin ist am Dienstag, 6. Mai, um 17.30 Uhr in der Begegnungsstätte Germania, oder im „Asylcafé“, das immer dienstags um 19 Uhr in diesem Haus der Begegnung seine Pforten öffnet und inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist. Auch viele Kinder zählen zu den Gästen. Mit ihnen zu spielen, während sich die Erwachsenen austauschen, könnte für Jugendliche eine tolle Aufgabe sein.

Die Sprachförderung ist ein wichtiges Thema, die Suche nach geeignetem Wohnraum ein Dauerbrenner. Asylbewerber können nach einem Jahr aus einer Gemeinschaftsunterkunft ausziehen. Die sogenannte Anschlussunterbringung gelingt aber nur, wenn geeignete Räumlichkeiten gefunden werden. Ein Appell richtet sich deshalb auch an Vermieter und Leute, die bei der Suche behilflich sind. Die Bundesrepublik nimmt 10 000 Kontigentflüchtlinge aus Syrien auf. Hinzu kommen eigene Aufnahmeprogramme in den jeweiligen Bundesländern. Wer zu den Auserwählten gehört (vorrangig sind dies Frauen und Kinder, Kranke und Menschen, die in Deutschland Angehörige haben), kann sich vom ersten Tag an um eine Arbeitsstelle bemühen, erhält Sprachunterricht und ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden.

In der Beratung und Begleitung werden keine Unterschiede gemacht. Und doch gibt es sie: Tür an Tür leben Menschen, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Die einen auf abenteuerlichen Wegen unter Einsatz ihres Lebens, geschleust von fragwürdigen Schlepperbanden und erst dann in Sicherheit, wenn die oft jahrelangen Asylverfahren abgeschlossen sind, die anderen von der Regierung eingeflogen und von Beginn an mit Rechten ausgestattet, von denen die anderen nur träumen können. Dass hier kein böses Blut entsteht, ist ebenfalls dem umsichtigen Handeln der ehrenamtlichen Unterstützer zu verdanken.

Info Weitere Informationen erteilt die Diakonische Bezirksstelle Münsingen, 0 73 81/ 48 27 oder per E-Mail:Asylcafe@begegnungsstaette-germania.de.

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