Münsingen / REINER FRENZ  Uhr
Die 9. Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine im Landkreis Reutlingen fand am Samstag in Münsingen statt. Neben den Berichten über die Vereinsarbeit ging es um die Erschließung von Bildbeständen.

Rund 20 Teilnehmer hatten sich am Samstagvormittag in der geschichtsträchtigen Münsinger Zehntscheuer, die den passenden Rahmen bot, zur inzwischen neunten Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine im Landkreis Reutlingen zusammengefunden. Als Gastgeber sprach Bürgermeister Mike Münzing von einer geschichtsträchtigen Region: "Steinzeit, Kelten, Römer, Mittelalter - all das spielt in der Region eine große Rolle". Er sei dankbar, dass von den Geschichtsvereinen die erhaltenswerten Spuren der Vergangenheit verfolgt würden.

Münzing konnte nicht ohne Stolz auf das verweisen, was in Münsingen in Bezug auf die Historie geleistet worden sei. So sei im Stadtmuseum ein Sammelsurium zu einer ordentlichen Ausstellung überführt worden. Mit neuer Methodik versuche man hier, auch die nachfolgenden Generationen zu gewinnen, was natürlich auch für die Erzberger-Ausstellung in Buttenhausen gelte. Professionalisiert werden dürfte noch die Aufarbeitung der militärhistorischen Vergangenheit im Alten Lager. Aktuell neu gestaltet werde das jüdische Museum in Buttenhausen, das am 19. Juli wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werde. Es solle hierbei keine Gedenkstätte entstehen, sondern vielmehr das Landjudentum bis ins 20. Jahrhundert dargestellt werden.

Paul Fink, Vorsitzender des Geschichtsvereins Münsingen, erinnerte an die Gründung des Vereins vor neun Jahren, als es darum ging, Personal für die neue Erzberger-Erinnerungsstätte zu stellen, was seither Hauptaufgabe des Vereins sei, der 84 Mitglieder habe, die zumeist "graue Haare haben oder gar keine mehr", wie Fink das Nachwuchsproblem veranschaulichte. Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit liege in der Organisation stadtgeschichtlicher Abende. Aktuell werde das vierte Jahrbuch gestaltet.

Es schlossen sich die Berichte der anwesenden Vereine an. So ging Bernhard Klingenstein auf die Arbeit in Trochtelfingen ein. Derzeit werde in einer Ausstellung der Wandel im Ort dargestellt, die fortgesetzt werde mit dem Thema "Handwerk und Geschäfte". Im nächsten Jahr soll "450 Jahre Bürgerwehr" angegangen werden, zudem arbeite man mit beim Aufbau des militärhistorischen Museums "Muna Haid", das in einem Jahr eröffnet werden soll.

Günther Frick vom Geschichts- und Heimatverein Lichtenstein informierte, dass man einen Blog eingerichtet habe, der "täglich gefüttert" werde. Raimund Vollmer vom Altenburger Geschichtsverein berichtete vor allem über den "Bildertanz", einem elektronischen Tagebuch mit Texten und vor allem Bildern aus Reutlingen und Umgebung. Mittlerweile habe man mehr als 100 000 Fotos archiviert, so Vollmer. Große Aufmerksamkeit habe die "Aktion Wilhelmstraße" gefunden, als 200 historische Bilder in den Schaufenstern der Geschäfte ausgestellt waren: "Da konnten die Männer endlich hemmungslos ins Dessous-Geschäft gucken". Der Geschichtsverein, berichtete Vollmer weiter, sei seit Anfang April in Facebook, sprach von einer "überwältigenden Zahl an Zugriffen. Die jungen Leute schwelgen in den alten Bildern".

In Pliezhausen betreut die Geschichtswerkstatt das Dorfmuseum "Ahnenhaus", das seit 30 Jahren besteht. Heiderose Tiefenbach erklärte, dass die im vergangenen Jahr konzipierte Ausstellung "Vom Zucker bis zur Mausefalle" auch in diesem Jahr zu sehen sei, ergänzt durch "Glücks- und Segenswünsche". Sie betonte, dass man sich bemühe, das Haus lebendig zu halten.

In Pfullingen wird es dieses Jahr eine Sonderausstellung zur Industrie- und Sozialgeschichte geben, war von Gert Grunwaldt zu erfahren. Neu sei, dass die Stadtführungen mit Führungen durch die Sonderausstellung verknüpft werden.

Dr. Wilhelm Borth, Vorsitzender des mehr als 600 Mitglieder starken Reutlinger Geschichtsvereins verteilte Komplimente an die Gastgeber: "Was sie hier aufgebaut haben, ist bemerkenswert und man muss nicht nach Stuttgart fahren, um seinen Gästen etwas Besonderes zu zeigen". Man habe einen Geschichtslehrpfad am Fuße des Roßbergs angelegt, der die dortigen Schanzen, die Anfang des 18. Jahrhunderts angelegt wurden, zum Thema hat, berichtete Borth. Das Heimatmuseum müsse dringend erweitert werden, doch bei den Verantwortlichen beiße man in dieser Angelegenheit auf Granit.

Ein wichtiger Tagungsprogrammpunkt war das Thema der Erschließung von Bildbeständen. Kreisarchivarin Irmtraud Betz-Wischnath gab Einblick in die Systematik, mit der sie in Verbindung mit der "Augias"-Software arbeitet. So werden Orte alphabetisch geführt, es folgen Straßenzüge, schließlich einzelne Gebäude. Bei der Landschaft wird gegliedert in Alb, Ermstal und so weiter. Hier wird wieder differenziert in Kapellen, Türme, technische Denkmale und vielem mehr. Es gibt ein Personenfotoarchiv ebenso wie eines von Veranstaltungen. Jedes Bild erhält eine Nummer, wenn bekannt wird der Fotograf genannt. "Im Grunde ist die Ordnung nicht anders als früher mit den Karteikarten", sagte sie.

Nach dem Mittagessen bestand für die Teilnehmer der Tagung noch die Möglichkeit des Stadtrundgangs mit Dr. Siegfried Hahn.