Seit 70 Jahren wird im Tiefental Hayingen Theater gespielt. Am 15. Juni 1949 fand die Premiere des Stücks „Die Orgelmacher“ mit 60 Darstellern statt, seither wurden insgesamt 73 Theaterstücke aufgeführt. „70 Jahre Uraufführungen, Spielfreude und Witz, 70 Jahre Heimat und Mundart“, freute sich Bürgermeister Kevin Dorner im Rahmen der Jubiläumsfeier.

Wegweisender Beschluss

Er erinnerte an den Beschluss des Gemeinderats, der am 25. April 1948 die jährliche Theateraufführung auf der Parzelle 526 im Tiefental beschloss: „Ein wegweisender und vorausschauender Beschluss, der Auswirkungen auf die ganze Region und darüber hinaus hatte“. 1,25 Millionen Zuschauer haben die Aufführungen in den vergangenen 70 Jahren besucht, viele Menschen wurden damit laut Dorner „glücklich gemacht“. Doch die 70-jährige Tradition breche nun dank der Förderung durch die Programme LEADER und Trafo in neue Zeiten auf.

Es soll weitergehen

Unter dem Motto „Gemeinsam in die Vielfalt wachsen“ stelle sich das Theater neu auf und erfahre eine neue Struktur. Wie diese aussehen soll, erläuterte Silvie Marks vom Autorenduo Marks & Schleker. Sie sah in dieser Jubiläumsfeier nicht nur im Zeichen der Vergangenheit mit einer schillernden, wechselvollen und besonderen Geschichte, sondern auch im Zeichen der Zukunft: „Es soll weitergehen mit dem Naturtheater Hayingen“, lautete die Botschaft. Denn das einzig Beständige sei der Wandel und so werde auch das Naturtheater von Morgen nicht so sein wie noch vor 70, 50 oder 20 Jahren.

Dieses Projekt begleite und unterstütze die Veränderung im Naturtheater sowohl finanziell als auch inhaltlich: „Dadurch können wir einzelne Schritte in die Zukunft ganz bewusst tun. Wir stellen uns neu mit einer zeitgemäßen Organisationsstruktur auf und verteilen die Verantwortung auf viele Schultern. Wir vernetzen uns mit unterschiedlichen Einrichtungen und all jenen, die das kulturelle Leben auf der Alb gestalten“. Man wolle sich öffnen für neue Menschen und neue Theaterformen, so etwa mit verschiedenen Projekten parallel zum Herzstück im Sommerbetrieb. Konkret wird sich noch in diesem Jahr eine neue Spielgruppe zusammenfinden, die im Winter 2020/21 eine neue Produktion auf die Bühne bringen wird. Koordiniert wird dies von der neuen Leiterin des Hayinger Kulturbüros Sabrina Rechtsteiner.

Zwei Männer der ersten Stunde

Wie sich Jung und Alt in die Theaterfamilie einbringen, zeigte eindrucksvoll das gemeinsame Liedersingen, an dem sich auch Heinz und Martin Schleker beteiligten. Beide standen schon vor 70 Jahren auf der Naturtheaterbühne. Heinz Schleker war viele Jahre Geschäftsführer und für die Werbung zuständig, Martin Schleker verfasste 40 Stücke, führte bei den meisten Regie und spielte selbst mit. „Er lief durch Hayingen und sprach die Leute direkt an. Ihm gelang es, sie zum Theaterspielen zu motivieren“, erinnerte seine Tochter Eva Schleker an früher.

Wie sehr sowohl Heinz wie auch Martin Schleker mit dem Naturtheater verbunden sind, zeigte sich daran, dass sie alle Lieder von früheren Stücken noch auswendig singen konnten. Sogar bei Solovorträgen wussten sie das Publikum auf den Rängen zu begeistern, Gänsehaut war garantiert.

Musikalisch wurde an grandiose Stücke wie Rulamann oder die Schöpfungsgeschichte erinnert. Diese eindrucksvollen und schön dargebotenen Lieder, aber auch Bilder und Geschichten ließen die vergangenen 70 Jahre Naturtheater Hayingen Revue passieren, gleichzeitig wurde an diesem Tag auch über das Projekt „Gemeinsam in die Vielfalt wachsen“ informiert.

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Ehrungen für langjähriges Engagement


Für Schauspiel und Singen im Naturtheater wurden geehrt:

Für zehn Jahre: Lisa Sulley und Dietmar Landenberger-Edelburg mit der Ehrennadel in Bronze des Landesverbandes der Amateurtheater.

Für 25 Jahre: Gitta Schwörer mit der Ehrennadel in Silber des Bundesverbandes der Amateurtheater

Für 30 Jahre: Peter Edelburg und Maria Herb mit der Ehrennadel in Gold des Bundesverbandes der Amateurtheater. Dies war bereits 2010 fällig und wurde nachgeholt. Beide sind mittlerweile 39 Jahre dabei.