Münsingen Gynäkologen soll die Alb schmackhaft gemacht werden

Katrin Benz (links) und Stefanie Sailer zeigen das Foto, das auf Facebook im vergangenen Monat  80 000 Mal geteilt wurde.
Katrin Benz (links) und Stefanie Sailer zeigen das Foto, das auf Facebook im vergangenen Monat  80 000 Mal geteilt wurde. © Foto: Reiner Frenz
Münsingen / Von Reiner Frenz 25.05.2018

Beim Treffen der Bürgerinitiative für den Erhalt der Albklinik am Donnerstagabend im Münsinger Gasthof „Herrmann“ ging es in erster Linie um das Sammeln von Ideen. Ideen, mit denen Gynäkologen dazu bewegt werden könnten, auf die Alb zu kommen, Teil des Teams an der Albklinik zu werden und so die von Stuttgart genehmigte Geburtshilfe-Hauptabteilung überhaupt erst zu ermöglichen.

Knapp zwei Dutzend Mitstreiter waren es, Ärzte, Hebammen, Landfrauen, Pro Münsingen-Mitglieder, Gemeinderäte und weitere Sympathisanten, die sich zwei Stunden lang die Köpfe zerbrachen. Initiativ-Sprecher Dr. Eberhard Rapp betonte eingangs des Treffens, dass man am Ball bleiben müsse, weiterhin zeigen, dass das Interesse am Erhalt der Geburtshilfe ungebrochen ist. Am Dienstag habe es wieder ein Treffen mit dem Landrat und der Klinikleitung gegeben, bei dem Vorschläge entwickelt wurden, wie die Geburtshilfe an zwei Standorten in Zukunft aussehen könnte: „Es lief zäh an, wurde aber noch eine gute Sache“. Man habe sich überzeugen lassen, dass es besser sei, erst mit einem klaren Konzept auf den Markt zu gehen, statt jetzt schon auf die Schnelle Geburtshelfer zu suchen.

Gefunden worden sei auch ein Termin für den vom Landrat bei der großen Informationsveranstaltung in der Alenberghalle angekündigten Workshop, zu dem die gesamte Bevölkerung einladen wird. Er soll am Donnerstag, 21. Juni, ab 18 Uhr in der Münsinger Zehntscheuer stattfinden. Zugesichert worden sei, dass die Ausschreibungen spätestens zwei Wochen später veröffentlicht werden sollen.

Workshop am 21. Juni

Klar sei auch, dass es nicht darum gehe, mit der anthroposophischen Filderklinik zu konkurrier­en, erklärte Rapp. Es gehe darum, die ganzheitliche Betreuung in Münsingen in den Vordergrund zu stellen.

Rapps einführenden Worten folgte eine lebhafte und engagiert geführte Diskussion. Werner Beck von Pro Münsingen mit seinen 170 Mitgliedern sprach davon, dass man außergewöhnliche Ideen entwickeln müsse. Dazu könne gehören, dass man Gynäkologen, die überlegen, nach Münsingen zu wechseln, eine Woche Urlaub auf der Alb zu spendieren, um ihnen zeigen zu können, was die Region biete außer der Albklinik.

Wie schwierig die Suche nach Geburtshelfern werden dürfte, machte Hebamme Stefanie Sailer deutlich: „In Deutschland werden zurzeit 1200 Gynäkologen gesucht“. Darum sei jetzt Eile geboten, bekräftigte Thomas Hagmaier. Man müsse schauen, was schnell umgesetzt werden könne. Ein Beispiel sei, dass die Digitalanzeige am Münsinger Stadteingang einen passenden Slogan laufen lasse, den es freilich noch zu entwickeln gebe. Ein Thema war auch die Werbung in den sozialen Medien. Katrin Benz berichtete, dass das Foto eines schwangeren Bauches mit den Unterschriften der Münsinger Hebammen auf Facebook 80 000 Mal geteilt worden sei.

Ob denn tatsächlich acht Ärzte gebraucht werden für die Geburtshilfe-Hauptabteilung, wollte Hans-Heinrich Walter von der Patienteninitiative wissen. Diese Anzahl sei nötig, um alle Dienste abwickeln zu können, antwortete Rapp. Hebamme Antje Buck nannte es „utopisch“, dass tatsächlich so viele Gynäkologen gefunden werden. Wären es hingegen keine Assistenzärzte, dann würden auch fünf reichen und bei einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) sogar nur drei Ärzte. Eberhard Rapp nannte das MVZ ein „Schreckgespenst“ für niedergelassene Ärzte: „Für uns wäre das natürlich eine tolle Lösung und mittelfristig eine Chance“.

Antje Buck berichtete, dass sie inzwischen angefangen habe in Reutlingen zu arbeiten, dort mit offenen Armen empfangen worden sei. Sie habe Hoffnung, dass Gynäkologen gewonnen werden können, an einer kleinen, familiären Klinik wie der Münsinger zu arbeiten, wo man nicht so ausgepowert werde wie an einem 2000-er Geburtshaus. Medizin werde immer weiblicher wusste Stefanie Sailer. Es würde immer mehr Gynäkologinnen geben, die eine Teilzeitstelle suchten, was eine Chance für Münsingen sei. Ein von Apotheker Frieder Hardter ins Spiel gebrachter Hebammen geführter Kreißsaal sei keine Option, sagte Sailer.

Ein griffiger Slogan muss her, war man sich in der Runde einig. Der könne lauten: „Geburt in Münsingen – eine runde Sache“. Dass man ein komplett neues Konzept brauche, glaubt Buck nicht: „Das alte Konzept hat uns doch 500 Geburten gebracht“. Gegen eine ins Spiel gebrachte Umbenennung der Albklinik etwa in Biosphärenklinik sprachen sich die meisten Teilnehmer aus.

Das Biosphärengebiet habe den Bekanntheitsgrad der Region über die Ländergrenzen hinaus vergrößert, wusste Kreisrätin Traudel Brunner, die dafür plädierte, dies in der Werbung um Ärzte einzusetzen.

Hans-Heinrich Walter regte an, neben der Landkreis-Ausschreibung eine weitere Anzeige zu schalten, in der Stadt und Bürgerinitiative ebenfalls um Gynäkologen werben, darin könnte dann auch der Hinweis auf ein Wochenende oder eine Woche Gratisurlaub in Münsingen enthalten sein. Man müsse den Standort schmackhaft machen, war man sich einig.

Jochen Klaß fasste zusammen: „Was die Bürgerinitiative leisten kann, ist zu zeigen, dass die Bürgerschaft hinter der Klinik steht“. Das müsse weiter deutlich nach außen signalisiert werden. Man dürfe die Werbung und Suche nach Gynäkologen nicht überfrachten und immer auch daran denken, dass dies für die Bürgerinitiative leistbar sein müsse.

Info Nächstes Treffen der Bürgerinitiative wird am Mittwoch, 18. Juli, sein.

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