Reutlingen / Ralf Ott

Das Vorhaben war völlig unüberlegt, der Knall ohrenbetäubend  und die Wirkung stärker als erwartet: Das Schöffengericht am Reutlinger Amtsgericht unter Vorsitz von Eberhard Hausch verurteilte zwei 22 und 30 Jahre alte Männer von der Alb, die einen Zigarettenautomaten gesprengt hatten, zu 17 beziehungsweise zehn Monaten Haft auf Bewährung. Der Gesamtschaden lag bei 3270 Euro. Beide waren bereits bei der Vernehmung geständig, bedauerten ihre Tat und hatten dem Automatenbetreiber Schadensersatz angeboten. Der leitende Oberstaatsanwalt Michael Pfohl warf ihnen die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Diebstahl mit Waffengewalt vor.

Was war geschehen? Das Duo hatte etwas getrunken, Shisha geraucht, kam dann auf die Idee, einen Böller zu basteln. Die Ausgangsstoffe – Magnesium, Kaliumnitrat und Schwefel – hatte der Ältere vorrätig. Ein handelsüblicher Knallkörper wurde geleert und neu befüllt. Dann ging das Duo in jener Nacht im April vergangenen Jahres nach draußen. Es war der Ältere, der den Zigarettenautomaten erblickte, den Böller hineinsteckte, anzündete und seinen Kumpel aufforderte, weg zu rennen. „Wir sind beide total erschrocken“, berichtete er. Der Automat wurde völlig zerfetzt. Überall auf dem Boden lagen Zigarettenpackungen. Beide beschlossen, einen gelben Sack zu holen und diese einzusammeln. Der erste Sack zerriss, sie gingen zurück, holten einen zweiten. So blieb genug Zeit für die von einer Anwohnerin verständigte Münsinger Polizei am Tatort einzutreffen. Die beiden flüchteten, verloren bei der Verfolgungsjagd das Diebesgut und wurden doch verhaftet. In seinem Plädoyer forderte Pfohl 15 beziehungsweise 17 Monate Haft. Die Mitnahme der Zigaretten wertete er als einfachen Diebstahl, weil die Waffe nicht mehr existierte. Die beiden Verteidiger stuften die Tat als minderschweren Fall ein. Ihr Argument: Der reine Sachschaden habe unter der Schwelle von 1500 Euro gelegen und beantragten drei Monate Haft. In seinem Urteil betonte das Gericht, Sprengstoff sei nicht kontrollierbar, die Tat daher „hochgefährlich“ und folglich „mitnichten ein minderschwerer“ Fall. Als Initiator sei für den 30-Jährigen eine höhere Strafe angemessen. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre, beide müssen zudem 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten und mindestens 100 Euro monatlich in Raten für den Sachschaden bezahlen.