Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte der Gomadinger Gemeinderat der Erstellung eines Energetischen Quartierskonzepts zugestimmt. Federführend bei der Erarbeitung waren die Klimaschutzagentur Reutlingen sowie die EnBW. Der Antrag auf einen Zuschuss in Höhe von 85 000 Euro wurde von der KfW-Bank im September vergangenen Jahres bewilligt. „Wir sind ja bereits gut unterwegs“, sagte Bürgermeister Klemens Betz und erinnerte an die Holzhackschnitzelanlage, die mit ihren zwei Blockheizkraftwerken Schule, Sternberghalle, Jugendclub und seit fünf Jahren auch den Bauhof mit Wärme versorgt. Die Heizkosten sind seit Inbetriebnahme der Anlage von 22 000 Euro auf nur noch rund 3000 Euro gesunken. „Dennoch wollen wir auf kommunaler und privater Ebene unseren Teil zum Klimaschutz beitragen“.

Heizöl ist überwiegender Energieträger

Möglichkeiten dazu gibt es in den verschiedensten Bereichen, wie Abrahim Dold und Tobias Kemmler von der Klimaschutzagentur gemeinsam mit Achim Lotter von der EnBW den Gemeinderäten erläuterten. Die Bestandsaufnahme der Gomadinger Gebäudestruktur habe gezeigt, dass von den 406 Wohn- und Gewerbegebäuden eine Vielzahl bereits vor 1900 errichtet wurden und eine große Anzahl von Häusern der beiden folgenden Bauabschnitte aus den 70er und 80er Jahren stammt. „Das bedeutet einen hohen Energiebedarf und die überwiegende Verwendung von Heizöl als Energieträger“, erläuterte Dold. Folglich müsse die Energieeffizienz und der Anteil erneuerbarer Energien gesteigert werden. Seit dem Aktionsstart gab es neben der Bürgerbefragung Veranstaltungen zu Themen wie „Gutes Wohnen im Alter“ oder „Mobilität“, eine Thermografieaktion und die sehr gut genutzten Beratungsangebote. Der im April gegründete Arbeitskreis Energiekonzept hat bereits einen Vorschlag zur Erweiterung der Hackschnitzelheizungsanlage und den Anschluss weiterer Gebäude entwickelt, berichtete Gemeinderat Ulrich Dewald.

Gomadingen in Solarbundesliga auf Platz 705

Insgesamt haben laut Dold 34 Prozent der Gomadinger Haushalte ihr Interesse an Nahwärme bekundet und 31 Prozent gaben an, in absehbarer Zeit Renovierungsmaßnahmen zu planen. 71 Prozent aller Gebäude wurden vor 1984 errichtet und so hat jede zweite Heizung bereits 25 und mehr Jahre auf dem Buckel. 60 Prozent der Haushalte nutzen eine Ölheizung. Dold verdeutlichte das Verbesserungspotential durch Photovoltaikanlagen. „In Gomadingen stammt 24 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, landesweit sind es im Schnitt 37 Prozent“. Und: mit einer Energieleistung von 247 Watt pro Einwohner nimmt Gomadingen nur Platz 705 in der Solarbundesliga ein.

Wie könnte der weitere Weg hin zu einem energieeffizienten Luftkurort aussehen? Als Folge einer moderaten Gebäudesanierung, dem Ausbau der Photovoltaik und der Installation eines Nahwärmenetzes zunächst im „Kirchenviertel“ ließe sich der Ausstoß von CO2 in den nächsten fünf Jahren von heute 3431 Tonnen auf 2244 Tonnen senken, betont Dold. Die Gebäudesanierung könnte ihm zufolge mit Hilfe von einer weiteren Unterstützung bei der Antragstellung von Zuschüssen der KfW sowie Fachveranstaltungen und gegebenenfalls der Ausweisung eines Sanierungsgebiets forciert werden. Mit Blick auf das Nahwärmenetz gehe es jetzt darum, potenzielle Hauseigentümer direkt anzusprechen, einen Wärmeverteilplan aufzustellen, der auch Auskunft über die Verbrauchsabnahme, Preise und Kosten gibt, sowie die Betreiberform festzulegen und Wärmelieferverträge auszuarbeiten.

Nahwärmenetz rasch umsetzen

„Wir können ein Gemeindewerk gründen oder zum Beispiel eine Bürgerenergiegenossenschaft“, gab Betz zu bedenken. Favorisiert wurde im Gremium allerdings eine „möglichst weitgehende Umsetzung durch die Gemeinde“, betonten Bernd Strasser und Dewald, der auch auf die Dringlichkeit einer raschen Umsetzung verwies: „Einige Hausbesitzer müssen rasch handeln, weil die Heizung nicht mehr lange mitmacht“. Als dritten Bereich wird die Nutzung des Solarpotenzials vorgeschlagen. „Unterm Strich könnten mit PV-Anlagen und Speichermodulen bis zu 80 Prozent des Strombedarfs in Eigenregie erzeugt werden“, schätzte Lotter.

Klar war für die Gomadinger Gemeinderäte, dass der erfolgreich in Gang gesetzte Prozess mit der Umsetzung fortgesetzt wird. In den kommenden drei Jahren können bis zu 150 000 Euro an Zuschüssen für das Sanierungsmanagement in die Gemeinde fließen, erläuterte Kemmler.