Hundersingen Glutbügeleisen und Waschbretter

Von der Kaffeemühle bis zur Milchkanne: Eine alte Telefonzelle beherbergt zahlreiche alte Einrichtungsgegenstände.
Von der Kaffeemühle bis zur Milchkanne: Eine alte Telefonzelle beherbergt zahlreiche alte Einrichtungsgegenstände.
MARIA BLOCHING 16.02.2012
Anneliese und Robert Heideker sind Sammler mit dem gewissen Blick für das Besondere. Die Geschichten zu verschiedenen alten Gegenständen bekommen die Besucher ihres kleinen Museums gleich mitgeliefert.

Im ganzen Haus der Heidekers finden sich Antiquitäten: Besonderheiten und Raritäten, aber auch ganz banale Dinge, die früher in keinem Haushalt fehlen durften: Bettflaschen und Brennscheren, Glutbügeleisen und Waschbretter, Emailtöpfe und altes Porzellan, Möbel, Herde und frisch gestärkte Wäsche. Alltägliches aus einem früheren Leben, für die heutige Jugend völlig aus dem Blickfeld verschwunden.

Anneliese und Robert Heideker dagegen haben noch einen direkten Bezug zu diesen alten Sachen, die untrennbar mit ihrer Kindheit verbunden sind. Deshalb haben sie im Laufe der letzten Jahrzehnte stets Ausschau gehalten und sich gerne zu Haushaltsauflösungen einladen lassen, um sich nun ihr kleines, eigenes Museum einzurichten. Eigentlich ist ja ihr großes Wohnhaus an sich schon eine Ausstellungshalle, in jedem Eck lassen sich schön arrangierte Antiquitäten bestaunen.

Im Untergeschoss ihrer Garage aber taucht man in eine andere Zeit ein, in der noch der Herd befeuert wurde, um Essen zu kochen und das Haus zu heizen, in der es keine Waschmaschine gab und mühevoll von Hand gewaschen wurde und in der das Sonntagshemd eben nur am Sonntag aus dem Schrank geholt wurde und ansonsten das blaue Hemd zur Manchesterhose getragen wurde.

Die Bäuerinnen bevorzugten "Brunzhosen" unter ihren dicken Rockschichten, einen langen Toilettengang konnten sie sich dadurch ersparen. "Als Kinder konnten wir manchmal noch beobachten, wie alte Frauen sich auf dem Feld ganz komisch verhielten, sich ruhig hinstellten und an sich herumzupften. Wir haben uns wirklich gefragt, was die da wohl machen und warum da ein Bächlein rausläuft", erinnert sich Robert Heideker.

Dies ist nur eine der Geschichten, die er beim Spaziergang durch das schön eingerichtete Museumszimmer zum Besten gibt. Wer die alten Milchkannen betrachtet, bekommt von dem Mann erzählt, dass Leute auf dem Land noch in den 50er Jahren den Gang zur Molke gleich mit einem Ausflug nach Reutlingen verbunden haben. Autos waren rar, Busse auch. Also nutzte man das Milchauto, um in die Stadt nach Reutlingen zu kommen. "Man setzte sich einfach hinten drauf auf die Pritsche zu den Rahmkannen. Das war der damalige öffentliche Personennahverkehr". Oder man nahm später das eigene Fahrzeug - natürlich mit Münsinger Kennzeichen -, um nach Reutlingen zu fahren. "Damals herrschten noch andere Verkehrssitten. Wenn die Reutlinger sahen, dass Münsinger Autofahrer unterwegs waren und sich nicht auskannten, nahmen sie automatisch Rücksicht und ließen ihnen die Vorfahrt. Heute ist das nicht mehr zu erkennen und es wird ungeduldig gehupt", hat Heideker die Erfahrung gemacht.

Für ihn und seine Frau ist das Sammeln alter Sachen zur Leidenschaft geworden. Sie staunen über die sichtbare Handwerkskunst und lieben die Kindheitserinnerungen, die sie beim Betrachten wieder einholen. Deshalb restaurieren sie ihr Sammelsurium auch nicht aufwendig, sondern reinigen es nur und geben ihm ein würdiges Plätzchen.