Sie sind innovativ und kooperativ, sie sind in Region und Tradition verwurzelt, realisieren die Wertschöpfungskette: die Genussbotschafter. Die ernennt das Land Baden-Württemberg – jedes Jahr zwei beim Genussgipfel. Der nun fand am Samstag mit knapp 300 Gästen im Württemberg Palais im Albgut statt. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, die für Minister Peter Hauk eingesprungen war, ging in ihrer Eröffnungsrede auf die Veränderungen in der Ernährung, die Parts, die dabei Produzenten, Verbraucher und Politik spielen, ein.

Film über Genussbotschafter

Zur Verleihung der Urkunden gab es eine Premiere: Über die neuen Genussbotschafter, Bäckermeister Heiner Beck und die Meistervereinigung der Gastronomen, lief ein kurzer Film, der zeigen sollte, dass sie „eine Lebensmittelkultur verkörpern, die Qualität und Genuss zusammenbringt“, so Gurr-Hirsch. Sie lobte Beck als einen Handwerker, der nach dem Credo lebe, „jeden Tag ebbes Neues, ebbes B’sonderes“. Er verarbeite regionale Rohstoffe, hole dazu Partner aus der Nachbarschaft ins Boot, produziere so „wertige und ehrliche Lebensmittel“.

Die Gastronomenvereinigung gibt es seit 50 Jahren. Ihr gehören rund 500 Meister im ganzen Land an. Sie stehen, betonte die Staatssekretärin, „für Gastlichkeit – vom Dorfgasthaus bis zum Sternebetrieb“. Und ganz wichtig: Ausbildung und Nachwuchsförderung sei für sie ein Hauptanliegen.

Regionales auf den Tisch

Auch das gehörte zum Gipfelprogramm: Ein ausführlicher Vortrag des Gastrosophen Prof. Dr. Harald Lemke, Salzburg. Seine Botschaft: Wer richtig, gut, genussvoll, gemeinsam isst, dadurch Weltverbindungen herstellt, schiebt die notwendige globale Ernährungswende mit an. Und: „Die Möglichkeit, über den Genuss die Welt zu retten, verspricht das erdverbundene Abenteuer einer erstrebenswerten Entwicklung der Menschheit.“

Viel Theorie am Vormittag, zur Mittagszeit dann die genussvolle Praxis. Lagerhaus an der Lauter und Gasthof Herrmann tischten Raffiniertes und Bodenständiges auf – von Rote Beete/Spinatsalat mit Ziegenkäse und Muskattrüffeln bis Gaisburger Marsch und Lammragout. Da hatten dann die erst vor einem Monat in Münsingen von der Gastronomenvereinigung gegründete Schlemmerbande ihren Auftritt. Die Mädchen und Jungen, schick im weißen Arbeitsautfit, halfen beim Anrichten der Speisen, die dann als Flying Büfett an die Gäste gereicht wurden.

Biosphäre: neue Einsteiger

Dann wurde es bei der Podiumsdiskussion über „Essen als >Religion< – Moral als Würze?“ nochmals theoretisch, bei den anschließenden Foren zu Brot, Schnecken und Bier konnten die Gipfel-Gäste den Genusshandwerken über die Schulter schauen und natürlich probieren.

Den Auftakt hatten morgens Albgut-Chef Franz Tress und Bürgermeister Mike Münzing bestritten. Im Interview mit Moderator Günther Laubis ging Tress auf die Entwicklungen der letzten Jahre im Albgut und die Vorhaben für die nahe Zukunft ein. Münzing, der auch den Part der Biosphärenverwaltung übernehmen musste, verwies auf die vielen Interessenten, die in die Biosphäre einsteigen wollen und betonte: „Sich gut und ordentlich zu ernähren ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn.“

Das könnte dich auch interessieren:

Bad Urach

Bad Urach