Das Leben muss weitergehen, denn Normalität ist wichtig – auch in Corona-Zeiten und nach dem Tod eines geliebten Familienmitgliedes, Freundes oder Kameraden. Soweit zur Theorie, in der Praxis schaut dies oftmals anders aus. Dies zeigte sich auch bei der jüngsten Sitzung der Pfronstetter Gemeinderäte in der Albhalle. Zwar waren Räte, Bürgermeister und Kämmerer in gewohnter Manier motiviert und voller Ideen am Start, keine Spur aber von der sonst so üblichen und fröhlichen Sitzungskultur des Gremiums. Zu arg überschattete der plötzliche und tragische Tod des geschätzten Ratsmitglieds Martin Bodenmiller das Geschehen. Bereits vor der öffentlichen Sitzung trafen sich die Rats- und Verwaltungsmitglieder auf dem Friedhof, um dem verunglückten Zimmermann gemeinsam Lebewohl zu sagen. Während der zügig durchgeführten Sitzung brannte an dem leeren Tisch, an dem eigentlich Bodenmiller hätte sitzen sollen, eine Kerze. In seiner Eröffnungsrede lobte Bürgermeister Reinhold Teufel den Verstorbenen als zuverlässigen und sehr engagierten Menschen: „Mit seinem Fachwissen war er im Gremium stets ein wichtiger Pfeiler. Insbesondere in Sachen Dorfgemeinschaftshaus in Aichelau. Ich weiß nicht, wie es hier weitergeht.“

Erstmalig bei dieser Corona-konformen Versammlung dabei war Mario Pasetto, der den Gemeinderat für den Ortsteil Tigerfeld ab sofort komplettiert. Dieser folgt auf Katja Reck, die aufgrund eines Wohnortwechsels bei der vergangenen Sitzung ausgeschieden ist. Eine kleine Besonderheit gab es allerdings bei der Verpflichtung: Artig wiederholte Pasetto die von Teufel abschnittsweise vorgesprochene Verpflichtungsformel, der sonst übliche Handschlag im Anschluss fiel vor dem Hintergrund der besonderen Vorsichtsmaßnahmen jedoch aus.

Ein großes Anliegen war dem Schultes die Thematik Corona-Krise, die derzeit die „Welt in Atem hält“. Ganz klar distanzierte er sich von Aussagen, die in sozialen Medien kursieren, wonach die Gefahren des Virus überbewertet würden und die Angelegenheit politisch motiviert sei. „Wie wir in EM- und WM-Jahren üblicherweise 80 Millionen Bundestrainer haben, so haben wir aktuell gefühlt 80 Millionen Virologen und Epidemiologen, und jeder vertritt eine eigene Meinung“, warnte er. Er persönlich wisse nicht, welchen Teil der Einschränkungen man aufheben könne, ohne den Erfolg aller Bemühungen zu gefährden, daher halte man sich an die jeweils gültigen Vorgaben. Etwas stolz zeigte sich Reinhold Teufel über die Tatsache, dass es derzeit „keinen offenen“ Fall in der Gemeinde gebe, alle fünf Infizierten gelten als genesen. Ausdrücklich bedankte er sich für die große Akzeptanz in puncto Einschränkungen bei allen Bürgern und Mitarbeitern und versäumte nicht zu erwähnen, dass gerade auch Personen, die im Homeoffice arbeiten, davon profitieren, dass frühzeitig die Weichen für eine zeitgemäße Breitbandversorgung in allen Ortsteilen gestellt wurden. Ab kommender Woche kann das Rathaus nach Voranmeldung und mit Mundschutz wieder besucht werden, die Backhäuser gehen wieder in Betrieb und eine erweiterte Notbetreuung in Kindergarten und Grundschule soll berufstätige Eltern unterstützen.

Erfreulich ist, dass von den insgesamt  100 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg im April und Mai als Soforthilfe für die Gemeinden bereitgestellt hat, zwei Mal 7600 Euro nach Pfronstetten geflossen sind. Damit konnten der Gebührenausfall bei der Kinderbetreuung aufgefangen und die Eltern entlastet werden.

„Auch bei einer schweren Geburt kommen schöne, tüchtige Kinder zur Welt“, damit leitete Teufel zum nächsten Thema über. Nach etwa einem halben Jahr steht nun endlich das neue Betreuungsangebot an der Wunderbuch-Grundschule fest. Außergewöhnlich daran ist, dass es sich bei dem Kostenmodell nicht um eine Satzung, sondern um Betreuungsentgelte handelt. „Diese können im Gemeinderat immer wieder neu angepasst werden“, erläuterte Kämmerer Tim Scheible. „Ähnlich wie im Kindergarten haben wir zudem eine Sozialstaffelung eingeführt. Diese gewährleistet, dass sich alle Familien eine Betreuung leisten können.“ Alle vier Bausteine – Frühbetreuung vor Schulbeginn, Nachbetreuung, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung sowie Jugendbegleiterprogramm – können einzeln gebucht werden. Lediglich die Betreuung bei den Hausaufgaben ist nur in Kombination mit dem Mittagessen möglich. „Das macht am meisten Sinn. Die Kinder essen gerne zusammen“, erläuterte Schulleiterin Barbara Unsöld. Das flexible Modell erlaubt sogar einen „Just-for-fun“-Tag für Kinder, die nur eine tageweise Betreuung benötigen.

Ein neuer automatischer Mitarbeiter wird bald die Grünpflege im Kindergarten Maria Königin übernehmen: ein Mähroboter der Marke Husqvarna. Dieser ist ausgestattet mit GPS und weiß, wohin er fahren muss. Seine Arbeitszeit beginnt nach 18 Uhr und endet gegen 9 Uhr – dann, wenn keine Kinder da sind. Während der Öffnungszeiten verweilt er in seiner Garage, die mit einem Rolltor verschlossen ist. Schließlich sollen sich die Kleinen nicht an den Messerklingen verletzen können. Inklusive Verkabelung und „Schlafbox“ beläuft sich der Preis auf rund 7000 Euro. „Der Mäher hat eine integrierte Sim-Karte, sollte dieser einmal entwendet werden, können wir ihn immer wieder ausfindig machen“, freut sich Reinhold Teufel über die neue Technik. Und außerdem können sich dann die Mitarbeiter des Bauhofs mit hochwertigeren Aufgaben als Rasenmähen beschäftigen. Bisher lagen die Personalkosten für die Grünpflege im Kindergarten bei etwa 12 000 Euro pro Jahr.