Vor gut einem Jahr hat der Engstinger Gemeinderat ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben, um Wege für eine künftige Organisation der Abwasserreinigung zu prüfen. Jetzt legten Daniel Mignat und Rolf Weißert von der Firma SWECO dem Engstinger Gemeinderat einen Zwischenbericht für das geplante Strukturgutachten vor. Neben der Sanierung der Kläranlage in Kohlstetten sollten Möglichkeiten untersucht werden, das Engstinger Abwasser in den Kläranlagen in Mägerkingen, Pfullingen, Wasserstetten oder Gächingen reinigen zu lassen. Doch in Verbindung mit den umfangreichen Untersuchungen ist eine weitere, noch dazu vielversprechende, Variante aufgetaucht, nämlich eine gemeinsame Sammelkläranlage für Engstingen, Gomadingen und St. Johann am Standort der derzeitigen Gomadinger Kläranlage in Wasserstetten.

Anlass für die Untersuchung ist der Zustand der 1986 errichteten Kläranlage in Kohlstetten, die dringend sanierungsbedürftig ist und Gefahr läuft, keine wasserrechtliche Genehmigung mehr zu erhalten. „Derzeit sind die Wasserwerte noch in Ordnung, aber wir müssen in die Zukunft denken“, betonte der Engstinger Bürgermeister Mario Storz in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

In der Untersuchung wurden bislang neben der Kohlstetter Kläranlage auch die Betriebsdaten der anderen in Frage kommenden Anlagen ausgewertet, in ihrer Kapazität berechnet sowie mögliche Trassen für die erforderlichen Abwasserleitungen untersucht.

Anlage ist überlastet

Die Anlage im Gewann Taläcker ist derzeit nach den Normen der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) „überlastet“, wie Mignat verdeutlichte. Betroffen sind die Parameter „Chemischer Sauerstoffbedarf“ und „Anorganischer Gesamtstickstoff“. Das Belebungsvolumen sei um mindestens 1500 Kubikmeter zu gering, hält der Zwischenbericht fest. Ausgelegt ist die Kohlstetter Anlage für 7200 Einwohnerwerte. Neben dem Abwasser der Engstinger selbst, sind darin ein Anteil von 20 bis 30 Prozent industrieller Abwässer sowie variable Größen wie zum Beispiel Übernachtungsbetriebe enthalten. Laut Mignat ist ein „zweistraßiger“ Ausbau der Anlage unumgänglich. Derzeit wird das Abwasser nur in einer Reinigungslinie behandelt. Kurzfristig neu zu errichten wären ein Belebungs- und ein Nachklärbecken sowie eine Gebläsestation. Dazu kämen umfangreiche Sanierungsarbeiten an der bestehenden Anlage. Innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre kämen weitere umfangreiche Arbeiten hinzu. Allein im kommenden Jahrzehnt müssten dafür rund zehn Millionen Euro investiert werden.

Doch auch sämtliche anderen Varianten sind mit umfangreichen Investitionen verbunden, verdeutlichte der Abwasserfachmann. So müssten bei einem Anschluss an die Pfullinger Kläranlage – wie übrigens bei allen Anschlussvarianten an bestehnde Anlagen – Abwasserkanäle neu gebaut werden, die in diesem Fall über den Traifelberg oder Holzelfingen ins Tal führen würden, die Anlage in Kohlstetten – wiederum wie in den anderen Varianten – zum Regenüberlaufbecken umgebaut und weitere Rückhaltebecken errichtet werden. Ein Anschluss an die Anlage in St. Johann wäre theoretisch denkbar, allerdings führt dies dort zu einer zu hohen Rückbelastung aus der Schlammbehandlung und einer unzureichenden Nachklärung. Folglich müssten dort Belebungs- und Nachklärbecken zusätzlich errichtet werden. Auch für die Zuführung des Engstinger Abwassers nach Wasserstetten wären dort zusätzliche Umbauten und eine Erweiterung unumgänglich. In diesem Fall entfiele aufgrund des Gefälles lediglich das Pumpwerk für den Abwasserkanal.

Gemeinsames Konzept der Gemeinden

Nicht weiterverfolgt werden soll die Option Sammelkläranlage Obereres Laucherttal, da deren dann erforderliche Erweiterung nur mit einer Verlegung der Lauchert möglich wäre.

„In Verbindung mit der Prüfung hat sich dann die Idee für ein gemeinsames Konzept der Gemeinden Gomadingen, Engstingen und St. Johann ergeben“, führte Mignat aus. Als gemeinsamer Standort kommt die jetzige Anlage in Wasserstetten in Frage, wenngleich dort das Regierungspräsidium für die notwendige Erweiterung aufgrund der Lage im FFH-Gebiet eine Ausnahmegenehmigung erteilen müsste. Die Anlage würde auf 25 000 Einwohnerwerte ausgelegt. Insbesondere die aufwendige „4. Reinigungsstufe“ – also die Spurenstoffelimination und die Phosphorrückgewinnung – müsste so nur auf einer Anlage gebaut werden. Auch der Schlammfang, der Klärgas für ein Blockheizkraftwerk liefert, das wiederum den Strom für den Betrieb der Kläranlage erzeugt, lässt sich Mignat zufolge wirtschaftlich nur auf einer großen Anlage betreiben. „Gerade im Hinblick auf den Energieverbrauch sind größere Anlagen weitaus wirtschaftlicher“, betonte Mignat. Ein großes Plus für eine Gemeinschaftsanlage, die umfangreiche Neubauten erfordert, sind die Zuschüsse: „Nur im Fall einer strukturellen Neuordnung gibt es Landeszuschüsse“. Er rechnete bei Investitionskosten in Höhe von 30 Millionen Euro mit Zuschüssen in Höhe von 50 bis 75 Prozent. Im Fall einer Sanierung der bestehenden Anlage in Kohlstetten könnten lediglich rund 30 Prozent an Fördergeldern eingesetzt werden. Grundsätzlich erfolgt die Finanzierung der erforderlichen Investitionen über die Abwassergebühren.

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