Münsingen Gemeinderat auf dem Beutenlay

Münsingen / Ulrike Bührer-Zöfel 18.06.2018

Vom Pavillon auf dem Beutenlay hat man einen  weiten Blick über Münsingen – wieder.  Denn die Bäume auf der darunter liegenden Heide waren  im Laufe der Zeit so in die Höhe geschossen, dass  man  manches  vom Städtle und drumherum nur noch erahnen konnte. „Jetzt sind die Sichtachsen, auch zum  Weißgerber und  Eckenlauh, wieder frei“, so Forstdirektor Alfred Krebs am Freitag beim Waldumgang mit dem Gemeinderat. (Wir haben berichtet.) Dafür  haben Förster und Waldarbeiter letztes Jahr  einen Großeinsatz gefahren und  die Fläche ausgelichtet. „Vierzig Prozent des Baumbestands wurden entnommen, und es stehen  noch genug Bäume“,  erklärte Krebs. Die  Rodungsarbeiten hatten für Gesprächsstoff in Münsingen gesorgt. Der Qualm, der beim Verbrennen der Gehölze entstanden ist, war zum einen weithin zu sehen, zum andern zog er ins angrenzende Wohngebiet.

 Jedenfalls biete  die Baumheide hier einen immer noch sehr  urtümlichen Anblick, so Krebs. „Da sieht man,  wie  sich die Natur durch Menschenhand entwickeln kann.“

Der Aussichtspunkt wird auch von Leuten genutzt, die ganz offensichtlich herzlich wenig mit der Natur am Hut haben.  Der Pavillon ist häufig Ziel von Rollerfahrern, von Gruppen, die dort  feiern und Feuer machen, klagte Revierförster Jürgen Duffner. Streng verboten ist nämlich beides. Damit  sich die Stadträte  ein Bild vom Ausmaß des Vandalismus machen konnten, hatte Krebs ein Beispiel parat.  Alfred Kloker, der dort oben für Ordnung sorgt, sammelte  bei einer Aufräumaktion  einmal Pfandflaschen im Wert  von 35 Euro.

Das Interesse am Münsinger Hausberg in die richtigen Bahnen lenken,  wollen die Förster mit einem Waldlehrpfad.  Der soll  das Areal  von den Schulen aus erschließen. Denn für sie ist der  Beutenlay ein Lehrberg, auf dem die Schüler die Natur erforschen können. Das Projekt ist noch „in der Findungsphase“,  so Duffner. Man prüfe zurzeit  verschiedene Modalitäten, auch, ob man einen Teil barrierefrei anlegen könne.

 Der neue Waldlehrpfad wäre ein Ersatz für die vor Jahren von Studenten der Fachhochschule Nürtingen  entworfene  Strecke. Die sollte, ausgehend von der Schäferei Stotz,  die Kernstadt mit dem Lautertal verbinden.  Drei  Stationen  lagen auf dem Weg. Angenommen wurde  der Lehrpfad nie wirklich. Vielleicht, mutmaßte Münzing, „weil es zu weit ab vom Schuss liegt“.

  Das hingegen tut  das  Strauchbiotop gar nicht. Von der Hopfenburg aus ist es schnell und bequem zu erreichen, aber inzwischen ziemlich verwildert. Eschen, Weiden, Kirschen und Ahorn haben  sich dort breit gemacht. Die Sträucher,  darunter  zum Beispiel die Grüne Pimpernuss mit ihren auffallenden weißen Blasenfrüchten oder die verschiedenen  Wildrosen,  sind teilweise überwuchert. „Da muss man ran“, betonte Krebs und sprach von einem „harten Eingriff, bei dem man was investieren müsse. Nur zu, möglichst schnell, unterstrich Münzing. Und  Paul Jörg schlug vor,  dafür Reisschläge auszuschreiben.

 Auch das Arboretum,  ein Areal,  auf dem  Bäume aus aller Herren Länder stehen,  und für das der Beutenlay  auch bekannt ist,  haben die Waldarbeiter  letztes   Jahr angepackt und ein Drittel der Bäume  rausgezogen.

   2017 war sowieso ein  Jahr,  in dem  der Beutenlay sein Gesicht verändert hat. Auch auf der Wacholderheide: „Da sind wir forsch rangegangen“,  so Krebs und wollte dazu die Meinung der Kommunalpolitiker hören.  Um der Beschattung Einhalt zu  gebieten und die Heideflächen offen zu halten, wurden großflächig unter anderem Kiefern  gefällt, die Stämme verkauft.

Dass das Areal jetzt etwas gerupft aussieht,  störte  die  Teilnehmer am Waldumgang eigentlich nicht. Zumal Duffner erklärte, die Fläche habe so auch ihre ökologische Bedeutung, biete Schmetterlingen und Insekten Lebensraum.  Soll die  Wacholderheide so offen bleiben,  muss neben den Schafen auch immer mal wieder der Mensch eingreifen. In diesem Zusammenhang lobte Krebs die Stadt Münsingen, die bereit sei, doch eine ganz schöne Summe für den Naturschutz am Beutenlay auszugeben. Im Jahr sind das rund 18 000 Euro, knapp die Hälfte kommt als Zuschuss vom Land.

„Das haben wir ganz gut hingekriegt“,  fasste Krebs die Maßnahme Hutewald zusammen. Das Stück  Fichten- und Kiefernwald wurde bereits zwei Mal ausgelichtet,  Ziegen waren im Arbeitseinsatz, jetzt weiden Waldschafe dort. In der lichtdurchfluteten Schneise siedeln sich wieder Eichen an. Seit  einem  Jahr bauen auch Ameisen an einer großen Burg.

 Wenn der Waldlehrpfad mal  fertig ist, ist er  dann schon das zweite Projekt, mit dem  Schüler  dort oben Natur erleben können. Zur Dreifelder-Wirtschaft, die Alfred Kloker betreut, gehört auch  ein Kartoffelacker, den die Lindgren-Schüler bewirtschaften  – vom Setzen  der Knolle bis zu ihrer Verarbeitung.

Und noch ein Vorhaben,  für das   – mit anderer Absicht –  1967 der Grundstock gelegt wurde: Geht man von der Grillstelle den Grasweg entlang, kommt man zu einem  Versuchswald. 169 verschiedene Fichten wurden da gepflanzt, um die unterschiedliche Wuchsfreude zu untersuchen.  Die Bäume, inzwischen etwas aus dem Blick der Wissenschaft verschwunden, bekommen  wieder eine Bedeutung. Sie werden wohl in ein Klimaprojekt aufgenommen.

  Den Kommunalpolitikern hat die Tour über den Beutenlay gefallen: informativ und interessant – so das einhellige Urteil.  Und Münzing betonte beim Abschluss im Bahnhofsbüffet, „so ein Waldumgang ist etwas Besonderes“. Er bedankte sich bei den Förstern für die Zusammenstellung des Programms und  schloss sich dem Fazit eines  Stadtrats an. „Da macht Gemeinderatsarbeit richtig Spaß.“

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