Die Menschen gehen gebückt, mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken, Kinder sind dabei, Alte, die sich auf einen Stock stützen, Hände werden gereicht, um Hindernisse zu überbrücken. Eine Szene, die der syrische Künstler Zakwan Khello selbst erlebt hat, denn auch er hat sich auf den weiten und gefährlichen Weg nach Europa gemacht, ist der Paranoia in seinem Land entflohen. Ein anderes Bild zeigt die Toten.

Sie liegen über- und nebeneinander - eine Masse, namenlos, unwürdig, vergessen. Sie sind unters Rad der Kriegsmaschinerie gekommen. Mehr als 230 000 Opfer, so wird geschätzt, sind seit Ausbruch des blutigen Konflikts im Frühjahr 2011 in Syrien zu beklagen.

Zakwan Khello hat in einer Ankündigung zu einer ersten Ausstellung, die sein Bruder Tarek Khello im vergangenen Jahr in Leipzig organisiert hat, im Vorfeld geschrieben: "In der Vergangenheit habe ich ausschließlich die Schönheit meiner Umgebung gemalt, aber die Schmerzen, die mich täglich umgeben, bewegten mich dazu, meine Grundprinzipien in der Malerei zu ändern und diese blutige Wunde zu malen." Er wolle die Gelegenheit nutzen, um das Leid der Menschen in die Welt zu tragen. "Ich habe mich sehr bemüht, die wahren Schmerzen zu mindern und diese in künstlerischer Weise oder mit einem Hauch von Ästhetik zu vermitteln, um den Betrachter nicht zu verletzen oder ihm Kummer zu bereiten."

Er hat lange in Aleppo ausgeharrt. Inmitten des Bürgerkriegs und der chaotischen Zustände. Sein Atelier war zerstört, nur wenige Bilder konnten gerettet werden. Durch die Solidarität und Unterstützung von Freunden gelangten knapp 20 Kunstwerke nach Deutschland, wo sie sein Bruder in Obhut nahm und der Öffentlichkeit vorstellte.

Im Sommer reihte sich Zakwan Khello in die Reihen der Flüchtlinge ein. Im Juli erreichte er Deutschland. Nach einigen Zwischenstationen kam er am 20. August nach Münsingen ins "Alte Lager". Dort lernte er Frank Hintzenstern und Florian Hecht kennen, die sowohl vom Künstler selbst als auch von seinen Bildern, die er auf der Flucht gemalt hat, beeindruckt sind. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Münsingen und dem Arbeitskreis Asyl organisieren sie eine Ausstellung in der Münsinger Martinskirche, die am Samstagabend und am Sonntag zu sehen ist.

Es sind eindringliche Bilder, mit denen sich der frühere Dozent an der Hochschule der Schönen und Bildenden Künste in Aleppo ausdrückt. Er will die Blicke auf die Flüchtlinge lenken, die alles verloren haben und an die Toten erinnern, deren Stimmen verstummt sind. Nicht überall, "denn diejenigen, die jetzt in Sicherheit leben, hören sie in der Heimat noch schreien".

Seine Flucht hat Zakwan Khello auch in Texten verarbeitet. Er schreibt von Häusern, die zu Grabstätten geworden sind, von Menschen, die auf der Straße oder in den Bergen leben, um den Raketen zu entkommen. Es gab nur die Möglichkeit, "Werkzeug des Krieges zu werden, ins Gefängnis zu gehen und dort bis zum Tod gefoltert zu werden". Oder zu fliehen. "Als wir es über das Meer geschafft hatten, war es wie eine neue Geburt. Die Angst, die Verzweiflung, die wir über Jahre im Krieg erlebt hatten, war verschwunden." In Gedanken ist er bei den Ertrunkenen.

Er verurteilt die Schlepper, die sie auf dem Gewissen haben. "Sie hätten uns bei jeder gefährlichen Situation alleine gelassen." Sie und die Verbrecher in der Heimat "haben uns unsere Träume genommen".

In den Rucksäcken sind "die Erinnerungen aus unserem alten Leben, die für uns wichtig waren". Die Polizisten und Hunde, die Kontrollen, empfindet er als Demütigung. "Ich sah eine Katze draußen spielen, die uns anlächelte und sie war frei und wir waren in einem Käfig eingesperrt." Der lange Weg zu Fuß ist ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen. Sie wussten nicht, wo sie am nächsten Tag schlafen werden. "Die Wälder und die Berge haben wir kennengelernt und sie haben uns kennengelernt."

Als er ankommt, zieht er sich zurück. Zakwan Khello greift zum Stift. "Ich hatte einen kleinen Platz für mich, wo ich meine ganzen Erinnerungen der menschlichen Tragödie von zu Hause bis hierher zeichnen konnte."

Info Die Ausstellung "Szenen auf dem Weg" wird am Samstag, 9. Januar, um 17 Uhr in der Martinskirche Münsingen eröffnet. Die Gäste werden von Dekan Michael Scheiberg begrüßt, Bürgermeister Mike Münzing wird in die Ausstellung einführen. Die Bilder können bis 20 Uhr besichtigt werden. Am Sonntag, 10. Januar, ist die Ausstellung ganztägig geöffnet.