Am Ende der Aktion kam eine 30 Meter lange Wäscheleine mit über 70 unterschriebenen Lappen zusammen. Bundesweit gab es in über 50 Städten ähnliche Aktionen. Aus tausenden Lappen wird dann ein Putzlappen zusammen genäht, der symbolisieren soll, wie absurd es ist, zu glauben, die Arktis im Falle eines Ölunfalls säubern zu können.

Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund: Der Mineralöl- und Erdgaskonzern Shell will in diesem Jahr erneut vor der Küste Alaskas nach Öl suchen. Sollte Shell Öl finden und mit der Förderung beginnen, schätzt eine US-Regierungsbehörde (Bureau of Ocean Energy Management) die Wahrscheinlichkeit für mindestens einen schweren Unfall auf 75 Prozent. "Trotz dieses enormen Risikos setzt Shell skrupellos die sensible Region aufs Spiel", sagt Oliver Bott von Greenpeace Münsingen und fordert den Konzern auf, die Förderpläne in der Arktis aufzugeben.

Shell gefährdet bereits mit den Probebohrungen tausende Wale und Robben. Die enorme Lärmbelastung unter Wasser durch seismische Tests, Bohrungen und Eisbrecher kann zur tödlichen Gefahr werden für viele, zum Teil bereits gefährdete Arten. Laut einer US-Fischereibehörde darf der Ölkonzern in diesem Sommer 1662 Belugawale, 1038 Grönlandwale und 834 Grauwale stören sowie mehr als 25 000 Ringel- und 1722 Bartrobben, außerdem geringere Zahlen weiterer Arten. Unterwasserlärm stört die Kommunikation und Orientierung der Meeressäuger und könnte die Tiere aus ihren bevorzugten Futtergebieten vertreiben. Im Extremfall kann es sogar zu Todesfällen oder Massenstrandungen kommen.

Shell hat bereits 2012 in der Arktis nach Öl gesucht. Dabei kam es zu mehreren schweren Pannen und Unfällen vor der Küste Alaskas. Deshalb musste der Konzern in den vergangenen beiden Jahren seine Probebohrungen aussetzen. Bei der aktuellen Ölsuche ist auch das Bohrschiff "Noble Discoverer" wieder mit dabei. Und erneut fällt das Schiff durch technische Unzulänglichkeiten und Probleme auf.

Nach einer Inspektion Mitte April dieses Jahres durch die US-Küstenwache mussten Techniker ein defektes Gerät austauschen; bei einer zweiten Inspektion wurden weitere Auflagenverstöße festgestellt. "Das zeigt, wie verantwortungslos Shell sich in der Arktis verhält", so Bott.