Ob Pistole oder Maschinenpistole mit Laseraufsatz: Täuschend echt sehen sie aus, die „Spielzeug-Softairwaffen“, die auch in einem Münsinger Waffengeschäft aufgrund des Taschengeldparagrafen für Schüler erhältlich sind, sofern ihre Mündungsenergie unter 0,5 Joule liegt.

Einzig ein leuchtend roter Aufsatz am Lauf unterscheidet sie auf den ersten Blick von echten Schusswaffen. Ungefährlich sind sie dennoch nicht. Wird der rote Aufsatz abmontiert, wird die Waffe durch ihr täuschend echtes Aussehen zur Anscheinswaffe, die wiederum seit 2008 nur auf befriedetem Grundstück geführt werden darf.

Geballert werden darf im eigenen Garten in der Regel nicht, weil die Geschosse (kleine Plastikkügelchen) zum Teil 400 Meter weit fliegen können und somit gängige Grundstücksgrößen meist überschreiten.

Mit bis zu 10 000 Euro Bußgeld wird das Führen der Waffe außerhalb des eigenen Gartens geahndet. „Ballern in die Garage ist erlaubt“, weiß Holzschuh, der kein Freund dieser leicht zu verwechselnden Anscheinswaffen ist.

Den kindlichen Spieltrieb, den vor allem kleine Jungs liebend gerne an der Waffe ausleben, kann der Polizeibeamte ganz gut verstehen. Er weiß aber auch um die großen Gefahren, welche Softair-Anscheinswaffen im Vergleich zu den harmlosen „Käpselespistolen“, mit denen kleine Cowboys und Polizisten meist um die Faschingszeit herumballern, mit sich bringen.

Holzschuh feuerte ein Softairgeschoss aus einer für Kinder frei erwerblichen Pistole auf 10 Blatt Papier ab. Der Einschuss verdeutlichte den interessierten Eltern anschaulich, dass das Geschoss beim Aufprall auf die Haut wohl ziemlich schmerzhaft ist und mit katastrophalen Folgen ins Augen gehen kann. Ein Zuhörer erinnerte sich noch genau an die Anfänge des Softairwaffenverkaufs, wo auch bei ihm im elterlichen Betrieb die Waffen angeboten wurden.

Nicht lange, denn nachdem dem Händler bekannt wurde, dass ein Kind von sechs „Spielkameraden“ beballert wurde und im Anschluss aussah als hätten ihn die Windpocken voll erwischt, wurden die „Kinderpistolen“ sofort aus dem Sortiment genommen. Gefährlich nicht nur die Geschosse an sich, sondern auch das täuschend echte Aussehen der Waffen, welches zu äußerst kritischen Situationen führen kann.

„Sind die Waffenführer dann noch vermummt, ist es für mich und meine Kollegen oft schwer zu erkennen, ob es sich um einen kleinwüchsigen Erwachsenen oder ein groß geratenes Kind handelt“, gibt Holzschuh zu bedenken.

Gefährlich sei auch die kleine gelb-blaue Spielzeugpistole, die im letzten Jahr von der Polizei in Münsingen einkassiert wurde. Von einem kleinen Burschen in der Türkei ohne das Wissen der Eltern gekauft, im Handgepäck über den Wolken nach Deutschland gebracht und in Münsingen zum lauten Ballern eingesetzt. Höllisch laut das Geschoss. „Unsere Dienstwaffen sind nicht lauter“, so Holzschuh, der auch zweiter Vorstand im Auinger Schützenverein ist. Nicht ungefährlich das kleine Feuer, das aus dem Lauf der Minipistole, die auf den ersten Blick niemand in die „Waffenschublade“ stecken würde, tritt. Wird in der Nähe des Auges abgedrückt, kann das böse Folgen haben.

Wie auch der Strahl der Laserpointer, die derzeit im Vormarsch sind und so manchen Polizeigroßeinsatz auslösen. „Auch die Dinger gehören wie Schlagringe, und Feuerwerkskörper der Klasse 2 nicht in Kinderhände“, ermahnt Holzschuh, der den interessierten Eltern mehrfach riet: „Redet mit Euren Kindern, das ist ganz wichtig.“

Die Anregung zum Vortrag kam von einer Mutter eines Zweitklässlers verriet Schulleiterin Uthe Scheckel, die sich sicher ist, dass die Thematik ernst genommen werden muss. Veranstaltet wurde der Vortragsabend indes vom Förderverein der Schule.