Münsingen Fußball kennt keine Grenzen

© Foto: ZELLER-RAUSCHER
Münsingen / 21.06.2014
Fußball spielte schon immer eine ganz große Rolle im Leben von Cintia Barreto de Lang. Ob sie wollte oder nicht. Der attraktiven Brasilianerin blieb schlichtweg gar nichts anderes übrig. Aufgewachsen mit ihren beiden fußballverrückten Cousins im fußballverrückten Brasilien, wo wirklich in nahezu jeder Ecke das runde Leder rollt. Hinter ihrem Haus spielte einst der Vater von Namensvetter Claudemir Jerônimo Barreto, kurz Cacau und Superstar Neymar hat in seinem Pass den gleichen Geburtsort wie Cintia stehen. Beide sind in „Mogi das Cruzes“ im Bundesstaat São Paulo geboren und aufgewachsen. Aus der „Fußballwolke“ gab’s für die 31-Jährige auch in Deutschland kein entfliehen. Schuldig daran ist Ehemann Sebastian, in den sie sich vor zehn Jahren verliebte. „Ich habe einen Brasilianer geheiratet, denn der ist mindestens so fußballverrückt wie meine Cousins“, lacht die schwarzhaarige Cintia. „Die hat gezielt gesucht“, kontert ihr Mann scherzhaft und erzählt, dass bei der Hochzeit, die auch in Brasilien gefeiert wurde, Fußball eine große Rolle spielte. Unter anderem beim deutsch-brasilianischen-Elfmeterhochzeitsturnier, wo sich Cintia nicht scheute, im Brautkleid den Ball zu schießen. Und: Die temperamentvolle Brasilianerin hat mit ihrem Jawort gleichzeitig eine Dauerkarte im Münsinger Wiesentalstadion gezogen. Wo immer es geht, demonstriert Sebastian Lang Solidarität und Zugehörigkeit für Brasilien. Auf die WM bezogen findet der 29-Jährige „Multi-Kulti-Freund“ nur schade, dass in diesem Jahr durch die vielen kritischen Medienberichte ziemlich viel von der Vorfreude auf das brasilianische Fußballspektakel genommen wurde. Und: Dass von Mannschaften wie Brasilien und Deutschland manchmal einfach zu viel erwartet wird. Sport und Politik sollten nach Meinung des Münsinger Fußballtrainers nicht bei großen Sportveranstaltungen wie WM und Olympia miteinander vermischt werden. „Meine Leute freuen sich, dass die WM dieses Jahr in Brasilien ist“, weiß Ehefrau Cintia aufgrund ihrer zahlreichen Kontakte, die sie nach wie vor mit ihrer alten Heimat eng verbinden und die ihr insbesondere jetzt in der WM-Zeit manchmal das Gefühl geben, dass São Paulo gar nicht mehr so weit von der Schwäbischen Alb entfernt ist. Denn das Internet erlaubt es, sehr viele familiäre WM-Ereignisse in Wort, Bild und Ton aus den brasilianischen Wohnzimmern ihrer Familie direkt in ihr deutsches Zuhause, das derzeit in Bad Urach ist, zu zaubern. Klar, dass da nicht selten auch eine ordentliche Portion Heimweh mitschwingt. „Ich wäre jetzt schon ganz gerne in Brasilien“, räumt die Brasilianerin ein während ihre Gedanken nach São Paulo, Rio und Mogi das Cruzes schweifen. Verschiedene Gründe erlauben es momentan aber einfach nicht. Doch der Fußballbegeisterung des Ehepaars verleiht dies keinen allzu großen Stich. Denn Fußballglück finden die beiden auch auf der Alb. Bei Sebastian fing es sogar schon einen Tag vor der WM-Eröffnung an, als seine Schützlinge von der TSG Münsingen beim Relegationsspiel gegen Römerstein wieder den Aufstieg in die Kreisliga A schafften. Viele der Spiele verfolgt das deutsch-brasilianische Paar mit Freunden oder auch ganz gerne zu zweit daheim. Von „trauter“ Zweisamkeit ist dann allerdings keine Rede mehr. Insbesondere bei den Spielen der Brasilianer. Dann nämlich schlägt das brasilianische Feuer in der zarten Cintia lautstark durch. Ehemann Sebastian vergleicht es mit „schwäbischem Gebruddel“, was von dem Fußballspezialisten eben immer mal wieder ausgebremst werden muss, um überhaupt etwas vom Spiel mitzubekommen. Dezent dekoriert ist derzeit das Auto des Paares, natürlich mit deutscher und brasilianischer Flagge. Heute Abend ab 21 Uhr wird es dann wieder heiß. Dann bricht das brasilianische Feuer in der temperamentvollen Cintia wieder beim Spiel Brasilien gegen Mexiko aus. Beide hoffen, dass Brasilien gewinnt. Sollte am Ende tatsächlich Brasilien gegen Deutschland im Finale stehen, denkt Sebastian Lang an ausgleichende Gerechtigkeit und blickt auf Endspiel 2002 zurück. Damals standen sich die beiden Fußballgiganten bekanntlich schon einmal im Finale gegenüberstanden und durch einen Fehler des damaligen Torhüters Oliver Kahn mussten die Deutschen als Vizeweltmeister die Heimreise antreten. SABINE ZELLER-RAUSCHER
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