Münsingen Fürs Alte Lager aktiv werden

Staatssekretärin Gisela Splett und Bürgermeister Mike Münzing mitten in der Biosphäre. Entwicklungen im Biosphärengebiet waren ein Thema des Gesprächs gestern. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Staatssekretärin Gisela Splett und Bürgermeister Mike Münzing mitten in der Biosphäre. Entwicklungen im Biosphärengebiet waren ein Thema des Gesprächs gestern. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL 18.02.2012
Windenergie und Regionalbahn, Straßenbau und Altes Lager - aktuelle und vor allem auch zukunftsweisende Themen; zumal fürs Biosphärengebiet Schwäbische Alb und die Modellregion Münsingen.

Soll was vorangehen, brauchts Ideen. Für die wiederum Partner, die sie unterstützen, den Weg bereiten. Dazu gehören Politiker. Deshalb war gestern auf Einladung von Bürgermeister Mike Münzing Gisela Splett, Staatssekretärin mit Kabinettsrang im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MIV) in der Stadt. Denn Münzing ist "auf der Suche nach einer "Kümmerin", vor allem auch in Sachen Altes Lager. Da gehen die Entwicklungen nur mühsam voran. Interessenten und Projekte gabs und gibts genug, auch eine Machbarkeitsstudie fürs denkmalgeschützte Gelände mit Zonen unter anderem für Handwerk, Forschung, Tourismus liegt vor.

Doch solange die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin die Hand drauf hat, tut sich nichts. Der jahrelang ersehnte Großinvestor, der das gesamte Areal übernimmt, ist nicht aufgetaucht, "potenzielle Investoren" für bestimmte Bereiche sind wieder abgesprungen, weil sich nichts bewegt hat, so Münzing. Und das befürchtet er jetzt auch für das schon recht konkret geplante Rekonvaleszenzzentrum für Pferde. Eine Art Tierklinik steht bereits da, eine Reithalle auch, ein Therapiezentrum soll dazu gebaut werden.

Schon auf dem Absprung ist auch Prof. Dr. Roman Lenz. Der bietet Sommerschools für Studenten im Alten Lager an, passt damit gut ins Profil nachhaltige Forschung. Doch die Mietforderung der Bima für die Unterbringung der Teilnehmer, sagt Münzing, seien inzwischen zu hoch, könnten so nicht mehr finanziert werden.

Die Stadt Münsingen ist an einer Gesamtentwicklung des Alten Lagers interessiert, in die diversen Konzeptideen mit eingebunden. Bloß "die Handlungsvollmacht, aktiv zu werden, fehlt". Hätte man die, sagt Münzing, "würden wir in die Vorverantwortung gehen", dafür sorgen, dass die Fläche nicht zerschlagen wird. Rekommunalisiert ist das Gebiet schon, auch die Zusage der Bima, die äußere Erschließung für 1,8 Millionen zu übernehmen, liegt vor. Jetzt wartet die Stadt noch auf das Angebot der Bima, auch die Infrastruktur im Innern auf Vordermann zu bringen. Denn erst dann ist es möglich, das Alte Lager in brauchbarem Zustand zu übernehmen.

Der Brief an die Bima ist raus, Münzing hofft "bis Mitte des Jahres auf einen positiven Bescheid". Von der Landesregierung erhofft er sich da auf verschiedenen Ebenen Unterstützung. Man denke zum Beispiel an Stadtsanierungsmittel für Neubauten.

Bei Gisela Splett stieß er dabei durchaus auf offene Ohren. Das Land habe ja auch schon die Machbarkeitsstudie mitfinanziert. Auch mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit liegen die Vorhaben auf Landeslinie. Wichtig ist der Staatssekretärin außerdem, dass es bei den komplexen Entwicklungen "Anknüpfungspunkte für die verschiedenen Ressorts" in Stuttgart gibt.

Gefallen hat Gisela Splett, dass "die Region gesprächsbereit ist". Zum einen in Sachen Regionalstadtbahn - Münzing schwebt da ein Masterplan zusammen mit den anderen Gemeinden vor - zum anderen beim Straßenausbau. Eine gute Verkehrsanbindung Münsingens an die Autobahn ist wichtig. Doch da das Land bekanntermaßen nicht genug Geld hat, um die von der Vorgängerregierung in Aussicht gestellten Ausbaumaßnahmen zu stemmen, "sollten wir in einer Modellregion auch versuchen, was modellhaftes zu machen". Mit Gisela Splett war sich der Bürgermeister einig, dass auch kleine Lösungen, zum Beispiel für die L 230, Möglichkeiten sind, will heißen Sanierung statt Ausbau.

Modellregion will die Alb auch werden, was die Windenergie betrifft. Und da ist es der Staatssekretärin wichtig, dass die "Kommunen selbst agieren Hand in Hand" mit den Regionalverbänden" planen, auch, wenn es Zeit und Geld koste. Und Münzing meint, dass über die Windkraft ebenso wie über Biogasanlagen auch einiges an Finanzkraft in der Region bleibe. Zu den regionalen Produkten, die es bereits gebe, ließe sich so auch für die Bürger ein "regionales Finanzprodukt" schaffen.