Apfelstetten Fünf Kilometer entlang des Kraters

Margarete Müth, Simone Beradone, Karin Leuschner und Ingeborg Naegelsbach hatten die Idee für den Vulkankrater-Rundweg in Apfelstetten, der nun eröffnet worden ist.
Margarete Müth, Simone Beradone, Karin Leuschner und Ingeborg Naegelsbach hatten die Idee für den Vulkankrater-Rundweg in Apfelstetten, der nun eröffnet worden ist. © Foto: Maria Bloching
Apfelstetten / Maria Bloching 29.06.2018

Apfelstetten besticht durch seine Häuseransiedlung am Hang. Das hat einen guten Grund.   Vor 16 Millionen Jahren war hier ein Vulkan aktiv – der südlichste von insgesamt 350 Vulkanschloten des Schwäbischen Vulkans. In dessen Mantelkammern sammelte sich glutflüssiges Magma, das in die zerklüftete Erdkruste aufstieg und Gesteinsbrocken aus dem Grundgebirge sowie überlagernde Schichten der Trias und des Juras mit sich riss. Beim Zusammentreffen mit Grundwasser kam es zu gewaltigen Wasserdampf-Explosionen, welche die überlagernden Schichtkomplexe wegsprengten. Es entstanden riesige Sprengkessel, in denen sich „viel Wasser ansammeln konnte“, wie Margarete Müth erklärte.

Sie hatte gemeinsam mit Karin Leuschner, Ingeborg Naegelsbach und Simone Beradone vor einigen Jahren die Idee, diese geografische Besonderheit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und hier einen Vulkankrater-Rundweg anzulegen. Denn Apfelstetten hat von jeher von diesen Vulkanhinterlassenschaften profitiert, gab es hier doch trotz der Höhenlage jede Menge Quellen und einst sogar zwei Hülen. Das Wasser staute sich in den vulkanischen Tuffen und floss nicht, wie sonst für die verkarstete Albhochfläche typisch, rasch ab.

Für Dr. Siegfried Roth vom Geopark Schwäbische Alb ist dieses topografische Maar eines der vielen „spektakulären Vorkommen des Schwäbischen Vulkans in Münsingen“, zu dem er auch den Böttinger Marmor als „eines der schönsten Biotope“ zählt. Roth begrüßte die Idee der vier Apfelstetter Frauen, entlang des Vulkankraters einen Lehrpfad zu errichten. Dank ihrer Initiative, der Mithilfe der Bürgerschaft und der Finanzierung der Stadt Münsingen, die dafür rund 5000 Euro gezahlt hat, konnte nun dieser 4,8 Kilometer lange Rundweg mit einem Aufstieg von 100 Meter eingeweiht werden.

Beginnend am Brunnen unterhalb des alten Schulhauses können Wanderer und Radfahrer an vier Stationen über einen herrlichen Höhenweg entlang des einstigen Vulkankraters in die Geschichte der Geologie eintauchen und jeweils Wissenswertes über den Vulkanismus erfahren.

Als Karin Leuschner 1973 nach Apfelstetten zog, wusste sie nicht, dass es hier ein Vulkanmaar gab. Dann jedoch las sie das Buch des Apfelstetter Historikers Paul Schlenker „Das Dorf im Wandel der Zeit“ und stieß darin auf den Vulkanismus und auf den Verlauf des Kraterrandes. „Der Hof bildete den Westwall und leitete am Sattel, der die Öschsteige benützt, über zu Bergäckern und findet bei Landrat Schwenks Haus wieder Anschluss an den Nordrand“, heißt es im Buch. „In diesem Haus wohne ich, also war klar, dass ich der Sache nachgehen musste“, sagt Karin Leuschner. Die Idee für den Vulkankrater-Rundweg war geboren. Im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ wurden Arbeitskreise gebildet, dadurch bot sich die perfekte Gelegenheit, die Initiative zu ergreifen. Der Streckenverlauf wurde abgesteckt, Tafeln gestaltet und Stelen aus Holz aufgestellt.

„Wir versprechen uns viel von diesem Weg. Hier können wir der Bevölkerung, Besuchern und unseren Nachfahren zeigen, woher wir kommen“, freute sich Ortsvorsteher Steffen Blankenhorn. Laut Bürgermeister Mike Münzing kann durch den Vulkankrater-Rundweg „die Landschaft in Szene gesetzt und lesbar gemacht werden“.

„Die Bürger haben Bewusstsein für diese einmalige Kulturlandschaft und ihre geologische Geschichte gezeigt und werben nun für ihre Heimat“, lobte Münzing.

Vor Jahren seien für den Ländlichen Raum nur wenige Zukunftschancen prognostiziert worden. Doch Biosphärengebiet Schwäbische Alb und Geopark hätten unter Beweis gestellt, dass hier Nachhaltigkeit gelebt werde. Steht man also an der ersten Station, so schweift der Blick hinüber zur Kirche und zum darüber liegenden, deutlich sichtbaren Teil des Kraterrandes. Und auch wenn der ursprüngliche Kraterrand dieses Apfelstetter Vulkans wesentlich höher war als heute, so erhält man doch beim Ablaufen oder Abfahren dieses Vulkankrater-Rundweges eine Ahnung davon, wie es vor 16 Millionen Jahren vielleicht ausgesehen haben könnte.

Margarete Müth, Simone Beradone, Karin Leuschner und Ingeborg Naegelsbach hatten die Idee für den Vulkankrater-Rundweg in Apfelstetten.

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