Region Friedenstaube, Kelch und Ähren aus Blüten

Elvira Krämer bereitet in der heimischen Garage die Konturen für ihren Blütenteppich vor.
Elvira Krämer bereitet in der heimischen Garage die Konturen für ihren Blütenteppich vor. © Foto: Juliane Schreinert
JULIANE SCHREINERT 17.06.2014

Für Elvira Krämer ist es bereits der 35. Blumenteppich, den sie gestaltet. Anfangs half die Magolsheimerin beim Teppich des Gasthofs „Im Rössle“ mit, seit zehn Jahren entwickelt sie in der heimischen Garage ihr eigenes Motiv – mit der Unterstüzung von Mann und Enkelkindern. Jedes Jahr zu Fronleichnam, einem der wichtigsten katholischen Feiertage, zieren die aufwendig gestalteten Blütenwerke den Weg der Prozession. Gefeiert wird die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament des Abendmahls. Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, wie die Kirche offiziell Fronleichnam nennt.

Eine Friedenstaube, Kelch, Baum und Ähren sind dieses Mal auf dem Blumenteppich von Elvira Krämer zu sehen. Die Ideen für ihre Motive bekommt sie von Kommunionskarten oder aus dem Internet. Auf einer 1,70 Meter breiten und 2,10 Meter langen weiß gestrichenen Holzplatte zeichnet Krämer zunächst mit einem Bleistift die Linien vor. Die Konturen bestreicht sie zuerst mit Leim, bevor angefeuchtete Erde darauf kommt. Die blauen Flächen befüllt sie später mit Lupinen, die gelben mit Senf und die grünen mit wildem Sauerampfer und Moos. Auch Korn kommt erstmals für die Gestaltung der Ähren zum Einsatz. „Man muss schauen, womit man welche Farben auf dem Teppich legen kann. Sonst nehmen wir auch gern Raps, aber der ist in diesem Jahr leider schon verblüht“, erklärt Krämer. Tagelang vorher hält sie bereits Ausschau, auf welchen Wiesen die passenden Blumen zu finden sind.

Insgesamt um die 15 Stunden Arbeit stecken in dem Blütenkunstwerk, doch für Elvira Krämer gibt es weder Zeitdruck noch empfindet sie die Arbeit als Last. Die kreative Tätigkeit bereitet ihr Freude und ist ein Highlight des Jahres. Auch die Gemeinde gibt immer wieder positive Rückmeldung zu den Werken.

Am morgigen Donnerstag wird der Blumenteppich schließlich um sechs Uhr in den Garten der Krämers gebracht. Auch einen Altar und kleine Buchen baut die Familie auf. „Das ist ein richtiger Festakt“, so Elvira Krämer. Bei schönem Wetter bleibt der Teppich sogar länger als einen Tag liegen, bis die Blüten vertrocknet sind und das Holzbrett für den Einsatz im nächsten Jahr abgeschliffen werden kann.

Um 8 Uhr beginnt dann der Gottesdienst mit anschließender Prozession. Begleitet von einer Blaskapelle, ziehen die rund 40 Katholiken durch Magolsheim, vorbei an insgesamt vier liebevoll gestalteten Blumenteppichen.

In Zwiefalten steht der Feiertag in diesem Jahr unter dem Leitspruch „Mit Christus Brücken bauen“. So ist ab morgen früh eine Brücke, die Christussymbole und Menschen miteinander verbindet, an der Wegkapelle Schächer zu bestaunen. Manuela Schmid, eine der Vorsitzenden des Frauenbundes, hat diesen Blumenteppich gemeinsam mit Karin Callies geplant und umgesetzt. Doch bevor das Fronleichnamsfest gefeiert werden kann, mussten die ehrenamtlichen Helferinnen ebenfalls einige Vorbereitungen treffen.

„Sobald wir das Thema vom Pfarramt erfahren haben, machen wir uns Gedanken über ein passendes Motiv. Das wird dann in verschiedenen Farbvorschlägen im Kleinformat aufgezeichnet“, erzählt Manuela Schmid. Anschließend treffen sich die Frauen erneut, um zu überlegen, welche Blumen oder Pflanzen sie verwenden möchten. Kurz vor dem großen Tag müssen die Blumen schließlich gesammelt werden – in Gärten, auf Feldern oder durch Blumenspenden aus der Gemeinde. Am heutigen Mittwoch wird der Teppich dann gelegt, zunächst auch in einer Garage, bevor er morgen früh um 6 Uhr an seinen endgültigen Platz gebracht wird.

„In der Fronleichnamswoche ist man also jeden Tag in irgendeiner Weise mit dem Blumenteppich beschäftigt“, so Schmid. Etwa acht Frauen helfen beim Legen des Teppichs und des Rands. Spaß hat Schmid vor allem beim Entwerfen des Motivs und dem gemeinsamen Blütenlegen. Das Blumensuchen ist für sie eher eine Fleißarbeit, da sehr viele Blüten für den Teppich benötigt werden. „ Es wird Hand in Hand gearbeitet und für die Pausen bringt jemand Kaffee und Kuchen mit. Am Schluss freut man sich dann über das gemeinsame Werk“, so Schmid. Weitere Zwiefalter Blumenteppiche liegen an der Herz-Jesu-Kapelle, am Altar vor der Sonderbucher Steige und vor dem Münster.