Dieses schwere Unglück mit einem vereinseigenen Flugzeug zählt zu den dunkelsten Kapiteln in der knapp 90-jährigen Geschichte des Luftsportvereins Münsingen-Eisberg, der im Stadtteil Dottingen beheimatet ist. „Das war der erste und einzige tödliche Unfall mit einer unserer Maschinen“, sagt Vorsitzender Peter Hinkel nachdenklich und zeigt auf den Gedenkstein, der sich rund 150 Meter vom Unfallort entfernt befindet. „Aus fliegerischer Sicht ist es nach wie vor nicht zu erklären, wie das passieren konnte.“

Rückblick: 1. August 1999

Rückblick: Sonntagnachmittag, der 1. August 1999. Es ist herrliches Wetter in Münsingen. In der Stadtmitte sind alle Sitzplätze beim Stadtfest belegt. Zur gleichen Zeit findet in ein paar Kilometern Entfernung  neben dem Flugplatz Eisberg in Dottingen ein Feriencamp mit knapp 60 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen statt. An beiden Veranstaltungsorten herrscht ausgelassene und fröhliche Stimmung. Kurz nach 13.30 Uhr wird die Blasmusik rund um den Münsinger Stadtbrunnen durch laute Martinshörner der Polizei, der Feuerwehr und der Krankenwagen übertönt. Die Besucher schauen sich fragend an. Auf einmal kehrt dort eine gespenstische Ruhe ein. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, was passiert ist.

Szenenwechsel: Auf dem Eisberg rennen überall Menschen umher. Sie haben Tränen in den Augen. Ein paar Minuten zuvor ist ein einmotoriges Sportflugzeug vom Typ Jodel kurz nach dem Start aus 30 Metern Höhe rund 500 Meter nach der Start- und Landebahn vor ihren Augen abgestürzt.

Der 40-jährige Privatpilot, ein ehemaliger Oberstabsarzt, der einst in der damals noch existierenden Herzog-Albrecht-Kaserne in Münsingen praktiziert hatte, zwei Brüder im Alter von 13 und 16 Jahren sowie ein 22-Jähriger waren auf der Stelle tot. Die drei Passagiere gehörten dem Musikverein Calw-Stammheim an. Besonders tragisch ist der Absturz für die Eltern der beiden Jugendlichen. Vater und Mutter hatten ihre Söhne und den Nachbarn im Feriencamp besucht und zu einem Rundflug über die Mittlere Alb eingeladen. Das Zeltlager wurde noch am selben Abend abgebrochen.

Starke Thermik, hohe Temperaturen

Bereits zwei Tage später teilt die Kriminalpolizei mit, dass der 17 Jahre alte Viersitzer ordnungsgemäß gewartet worden sei. Experten gehen davon aus, dass eine geflogene Rechtskurve kurz nach dem Start einen Strömungsabriss verursacht hat, was zum Absturz geführt habe. Am 1. August 1999 hätten auf der Alb zudem eine starke Thermik, hohe Temperaturen sowie Auf- und Abwinde vorgeherrscht.

Extreme Bedingungen

Ob das Flugverhalten des 40-jährigen Piloten, der aus Leimersheim bei Karlsruhe stammt, „diesen extremen Bedingungen“ entsprochen hat, konnte die Staatsanwaltschaft Tübingen indes nicht klären. Fünf Tagen nach dem Unglück finden zeitgleich in Calw und in Münsingen die Trauerfeiern statt. Danach beginnt die Aufarbeitung des Unfalls im Luftsportverein. Seit diesem Unfall „wird bei uns, wenn einer der Piloten etwas nicht korrekt gemacht hat, offen geredet“, sagt Vorsitzender Hinkel. Jeder frage sich, was man tun könne, dass so ein Unfall nie wieder passieren werde. „Alle, die damals mit dabei waren, denken, wenn sie an dem Gedenkstein vorbeifahren, an die Familien der Kinder.“

Vor knapp zwei Wochen fand auf dem Flugplatzgelände, wie jedes Jahr, ein Gottesdienst im Grünen für die umliegenden Gemeinden statt. Nicht nur Pfarrerin Barbara Wurz erinnerte während der Predigt an das Unglück, das nach den Worten des Vorsitzenden Hinkel im Verein Spuren hinterlassen habe. „Das tägliche Abheben und die gesunde Wiederkehr ist keine Selbstverständlichkeit.“ Dieses Bewusstsein präge die Fliegerei und den Flugbetrieb am Platz. „Dieses Bewusstsein muss immer wieder neu geschaffen werden.“ Daran arbeite der Verein. „Dass es seit diesem Absturz vor 20 Jahren keinen weiteren Personenschaden gab, ist vielleicht zu einem kleinen Teil diesem Bewusstsein zu verdanken.“

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